Vergessene Corona-Helden: Fachangestellte aus Überseer Hausarztpraxis erzählt

Viola Ganghofner macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zur MFA und arbeite im Schutzanzug im Labor.
+
Viola Ganghofner macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zur MFA und arbeite im Schutzanzug im Labor.

Mit Schutzanzug und Teamarbeit meistern Medizinische Fachangestellte in einer Überseer Praxis den Alltag zu Corona-Zeiten. Nicht immer mit der Wertschätzung, die sie verdient hätten:

Übersee– Seit Beginn der Corona-Pandemie wurde viel gesprochen über Menschen in medizinischen Berufen. Doch nicht alle wurden dabei berücksichtigt. „Mein Eindruck ist, dass wir vergessen worden sind“, sagt Jessi Knop (24). Sie arbeitet als Medizinische Fachangestellte in einer Überseer Hausarztpraxis.

Immerhin, der Alltag und die Abläufe haben sich inzwischen eingespielt: Nur noch mit Mundschutz ist sie in der Praxis unterwegs. Sollte bei einem Patienten ein Corona-Verdacht bestehen, wird dieser isoliert.

Knop schlüpft in solchen Fällen in einen Schutzanzug, trägt neben einer Atemschutzmaske auch eine Sicherheitsbrille. Auch bei Hausbesuchen. Danach wird die Schutzkleidung sofort ausgezogen und entsorgt, außerdem desinfiziert sie sich.

Wie den meisten Menschen geht es auch Knop so, dass sie die Maske als unangenehm empfindet. Das geringere Übel, verglichen mit dem Schutzanzug, besonders bei Hitze. Maximal eine halbe Stunde könne sie ihn tragen. Zwar verfüge die Praxis über eine Lüftung, aber keine Klimaanlage. „Die letzten Wochen waren nicht so prickelnd. Sicherheit geht vor, aber der Schutzanzug ist eine große Belastung“, sagt Knop.

Lesen Sie auch:Coronavirus: Der Ticker der OVB-Heimatzeitungen

Für Inhaberin Dr. Sabine von Silva-Tarouc bergen Maske und Schutzanzug einen weiteren Nachteil: „In unseren Berufen dreht sich viel um Empathie und die Verbindung zum Patienten.“ Mit der Maske könne man einfach nicht einen vergleichbaren Kontakt zum Patienten aufbauen. Es sei aber gerade der persönliche Kontakt, den ihre Mitarbeiterinnen an ihrem Beruf schätzen. Kontakt, bei dem die MFAs meist viel Wertschätzung von ihren Patienten bekommen.

Applaus verändert nichts

Seit Corona wird viel diskutiert über die Wertschätzung von Pflege-Berufen, viele Menschen applaudierten öffentlich. „Ich hab das immer belächelt - davon haben wir im Endeffekt nix“, sagt Knop. Sie verstehe auch nicht so ganz, warum die MFAs keinen Sonderbonus wie Pflegepersonal in Kliniken, Alten-, Pflege- und Behindertenheimen erhalten. „Wir sitzen an der Front. Die Leute gehen nicht ins Krankenhaus, sondern zu uns“, sagt Knop. Ihre Chefin stimmt ihr zu, kann die Unterscheidung ebenfalls nicht nachvollziehen.

Lesen Sie auch:Neuer Rekordansturm am Covid 19-Testzentrum in Bergen

Auch der Hausärzteverband fordert, die MFAs beim Bonus miteinzubeziehen. Zwar haben die MFAs im April eine tarifliche Gehaltserhöhung von zwei Prozent erhalten. So bekommen Berufsanfänger in der Tätigkeitsgruppe I damit in Vollzeit 1970 Euro brutto. Maximal kann eine MFA laut tariflicher Tabelle 3883 Euro verdienen – in leitender Rolle, nach 17 Berufsjahren und einer Fortbildung von mindestens 600 Stunden.

Home Office auch für MFAs

In ihrer Praxis legt Silva-Tarouca Wert auf einen Teamgedanken, egal ob Facharzt oder Azubi. Modern ist die Praxis aufgestellt, auch mit Videokonferenzen wird gearbeitet. Nicht nur die Ärzte nutzen die digitalen Möglichkeiten. „Home Office habe ich selbst gemacht, als ich Symptome hatte und mich testen lassen musste“, sagt Knop. In dem Zeitraum habe sie zum Teil Telefondienst von zuhause aus gemacht.

Ihre Chefin Dr. Silva-Tarouca versucht, ihren Mitarbeitern Perspektiven zu bieten, dennoch ist sie enttäuscht, dass MFAs zwar von Patienten, aber nicht in der öffentlichen Wahrnehmung die entsprechende Wertschätzung bekommen.

„Ich hoffe dass die sozialen Berufe in allen Bereichen mehr anerkannt und wertgeschätzt werden“, sagt Viola Ganghofner (23). Sie macht seit zwei Jahren die Ausbildung zur MFA in der Überseer Hausarztpraxis: „Immer noch mit sehr viel Spaß.“ Die gute Zusammenarbeit im Praxisteam habe ihr geholfen, die schwierige Corona-Situation zu bewältigen. .

Kommentare