Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Nach dem Tod eines Traunsteiners

Die unterschätzte Gefahr – so kann man sich vor Kohlenmonoxid schützen

Hubert Hobmaier hat selbst schon verschiedene Einsätze erlebt, bei denen es zu Sauerstoffmangel und Vergiftungen kam.
+
Hubert Hobmaier hat selbst schon verschiedene Einsätze erlebt, bei denen es zu Sauerstoffmangel und Vergiftungen kam.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
    schließen

Traunstein – Kohlenmonoxid wird oft unterschätzt. Dabei können die Folgen drastisch sein: Am Mittwoch starb ein Traunsteiner Familienvater an den Folgen einer Vergiftung. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit Hubert Hobmaier vom Kreisfeuerwehrverband Traunstein über die unsichtbare Gefahr.

Wie entsteht Kohlenmonoxid eigentlich?

Hubert Hobmaier: Kohlenmonoxid entsteht in der Regel bei unvollständiger Verbrennung. Insbesondere dann, wenn zu wenig Sauerstoff in der Verbrennungsluft ist, kann die CO Konzentration in Räumen schnell ansteigen. Als Ursachen gelten in der Regel technische Defekte, mangelnde Wartung oder auch Manipulationen an Verbrennungseinrichtungen.

Wo kann es im Haushalt vorkommen?

Hobmaier: Kohlenmonoxid kommt über dort vor, wo kohlenstoffhaltige Brennstoffe verwendet werden. Dies sind in der Regel Kamine und Schornsteine, Heizungsanlagen egal ob sie mit Öl, Gas oder Holz betrieben werden. Es entsteht aber auch in Autoabgasen, bei der Verwendung von Grills oder in Shisha Pfeifen.

Worin liegt die große Gefahr bei Kohlenmonoxid?

Hobmaier: Kohlenmonoxid ist geruch- und geschmacklos, darüber hinaus ist es auch nicht sichtbar. Menschen, die es einatmen bemerken es zunächst nicht, da es keine typischen Symptome wie Husten oder Atemnot gibt. Zudem dringt der Stoff durch Wände und Decken, sodass dieser auch in Räumen auftreten kann, in denen es gar keine Quelle für Kohlenmonoxid gibt. Diese Kombination macht es so heimtückisch.

Wo lauern Gefahren?

Hobmaier: Die Gefahren für die Entstehung sind vielfältig. Es können Heizungsrohre oder Abluftöffnungen verstopft sein, es gibt auch Fälle, bei denen ein Vogelnest auf dem Kamin zu einem Anstieg der CO Konzentration in den Wohnräumen geführt hat. Die unsachgemäße Nutzung von Kaminen kann ebenfalls zu einem Anstieg der Konzentration. Auf keinen Fall sollte man nicht für Wohnräume zugelassene gasbetriebene Heizstrahler oder Grills in den Wohnräumen betreiben. Insgesamt sollte man gerade im Winter für eine ausreichende und regelmäßige Belüftung der Wohnung sorgen. Darüber hinaus ist eine regelmäßige fachmännische Wartung von Heizungsanlagen und Feuerstätten unerlässlich.

Wie erkennt man, ob man in Gefahr kommt oder schon ist?

Hobmaier: Die sicherste Warnung vor Kohlenmonoxid in Wohnräumen ist ein „Warnmelder“, der ab einer bestimmten Konzentration ein akustisches und optisches Warnsignal, ähnlich wie ein Rauchwarnmelder, von sich gibt. Ist kein Melder vorhanden, stellen sich je nach Konzentration mit der Zeit körperliche Symptome ein. Ein Leitsymptom gibt es allerdings nicht! Schwindel, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Druck auf der Brust, Herzrasen, Übelkeit bis hin zu Erbrechen und Bewusstlosigkeit sind immer wieder vorkommende körperliche Symptome. Da diese auch andere Auslöser haben können, liegt nicht immer gleich der Verdacht auf Kohlenmonoxid.

Wie muss man in so einem Fall reagieren?

Hobmaier: Sollte es noch möglich sein, so sind Fenster und Außentüren zu öffnen, um für Frischluftzufuhr zu sorgen. Dann sollten alle Bewohner so schnell wie möglich das Haus verlassen. Informieren sie umgehend die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 und warten sie außerhalb des Hauses auf die Rettungskräfte, die in wenigen Minuten vor Ort sind.

Wie wirkt sich Kohlenmonoxid auf den Körper aus und wie gefährlich ist es?

Hobmaier: Beim Einatmen von Kohlenmonoxid gelangt es über die Lunge in den Blutkreislauf. Dort bindet es sich an das Hämoglobin, das den Sauerstoff in den roten Blutkörperchen transportiert. Es verdrängt den Sauerstoff und verhindert dadurch dessen Aufnahme im Blut und kann somit nicht mehr in die Zellen gelangen. Es entsteht eine Unterversorgung mit Sauerstoff im Körper. Dadurch werden körperliche Symptome ausgelöst, die bei entsprechender Konzentration im Blut bis hin zur Bewusstlosigkeit und letztlich dem Tod führen können.

Ist man Kohlenmonoxid über einem längeren Zeitraum in einer niedrigen Konzentration ausgesetzt, kann dies zu einer chronischen Vergiftung im Körper führen. Da besonders das Gehirn vom Sauerstoffverlust betroffen ist, kann eine Kohlenmonoxidvergiftung selbst nach einer Behandlung langfristig zu Gedächtnis- und Bewegungsstörungen, beispielsweise Parkinson oder psychiatrischen Beschwerden wie Angststörungen und Depressionen hervorrufen.

Wo kann man sich informieren?

Hobmaier: Zunächst sollte man Feuerstellen sach- und fachgerecht betreiben. In den Betriebsanleitungen finden sich Hinweise über den korrekten Aufstellort und Betrieb. Die Fachbetriebe für Heizungsanlagen sind Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Heizungsanlage und deren Wartung. Die Kaminkehrer sind für die Kontrolle und Inbetriebnahme von Feuerstätten verantwortlich. Mit ihrem Expertenwissen stehen sie ebenfalls als Ansprechpartner zur Verfügung. Informationen findet man auch im Internet. Die Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung über die gesundheitsgefährdenden Gefahren von Kohlenmonoxid aufzuklären. ( www.co-macht-ko.de ) Hier sind neben den Feuerwehren zahlreiche weitere Expertengremien vertreten, die dies unterstützen.

Die Feuerwehren statten sich verstärkt mit kleinen Geräten aus, die die Einsatzkräfte warnt, sofern Kohlenmonoxid in der Luft ist. Haben das schon alle und bei welchen Einsätzen werden sie verwendet?

Hobmaier: Die sogenannten Co-Warngeräte finden tatsächlich bei den Feuerwehren eine immer größere Verbreitung. Eine flächendeckende Verbreitung ist derzeit noch nicht der Fall. Die kleinen Geräte werden in der Regel auf Brusthöhe an der Einsatzkleidung getragen und geben einen akustischen Warnton von sich, sobald eine gewisse CO-Konzentration in der Umgebung vorhanden ist. Diese sind insbesondere bei Einsätzen in geschlossenen Räumen sinnvoll und werden meist bei Wohnungsöffnungen, Drehleiterrettungen aber auch Hilfeleistungen für den Rettungsdienst eingesetzt. Liegt bereits beim Notruf der Verdacht von Kohlenmonoxid vor, werden durch die Integrierte Leitstelle automatisch entsprechende Messgeräte sowie eine höhere Anzahl an Einsatzkräften mit schwerem Atemschutz alarmiert.

Hatten Sie schon mal einen Einsatz, bei dem es um Kohlemonoxid ging? Was ist da genau passiert?

Hobmaier: In meiner Laufbahn war ich bereits mehrfach mit einer erhöhten CO-Konzentration konfrontiert. Ich erinnere mich noch gut an einen unsachgemäß installierten Holzofen in einem Wohnzimmer. Wir wurden damals zu einem überhitzen Holzofen gerufen. Messungen ergaben dann bereits eine deutlich erhöhte CO-Konzentration. Aufgrund des Meldebildes waren die ersten Einsatzkräfte ohnehin unter Atemschutz zum Einsatz vorgegangen. Nachdem der Ofen außer Betrieb genommen war, wurde das Haus noch gründlich belüftet.

Der hinzugerufene Kaminkehrer hat die Feuerstelle dann außer Betrieb genommen. Den Hausbewohnern ist glücklicherweise nichts passiert. Leider kann ich mich auch gut an mehrere Situationen erinnern, in denen Menschen bewusst eine Kohlenmonoxidvergiftung herbeigeführt haben, um sich das Leben zu nehmen.

Was müssen die Retter in so einem Fall beachten?

Die Einsatzkräfte sind in der Regel auf dieses Thema gut sensibilisiert. Insbesondere Führungskräfte bedenken dies in ihren Einsatzplanungen. Bei Unsicherheit über das Vorhandensein von Kohlenmonoxid wird der Ersteinsatz unter schwerem Atemschutz durchgeführt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es Menschenleben zu retten gilt. Ansonsten werden umgehend entsprechende Messgeräte angefordert und entsprechende Lüftungsmaßnahmen eingeleitet. Zudem wird in der Regel versucht, die Ursache zu beheben und beispielsweise die Heizungsanlage außer Betrieb genommen. Im weiteren Verlauf werden dann immer Fachleute wie Heizungsbauer oder Kaminkehrer hinzugerufen, die die weiteren Schritte vornehmen.

Kommentare