Die Taler aus der regionalen Werkstatt in Marqartstein

Der Marquartsteiner Bildhauer und Medailleur Christian Dögerl mit seiner Frau und Firmeninhaberin Franziska vor verschiedensten Utensilien vom Entwurf bis zur fertigen Medaille.
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Der Marquartsteiner Bildhauer und Medailleur Christian Dögerl mit seiner Frau und Firmeninhaberin Franziska vor verschiedensten Utensilien vom Entwurf bis zur fertigen Medaille.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Nur noch wenige Manufakturen prägen Taler und Medaillen in der althergebrachten Form.

Marquartstein – Wer Taler für die Schützen- oder Fischerkette benötigt, Ehrenmedaillons für Altbürgermeister, Medaillen fürs Trachtenmieder, für Taufe, Kommunion, Hochzeit, der bekommt sie in der Münzmanufaktur in Marquartstein. Dieses Handwerk betreiben nur noch wenige Werkstätten in der althergebrachten Form. Unsere Zeitung besuchte Inhaberin Franziska Dögerl und ihren Mann, den Bildhauer und Medailleur Christian.

Bildhauer Christian Dögerl arbeitet schon seit 30 Jahren als freischaffender Medailleur

Seit einem dreiviertel Jahr ist Franziska Dögler stolze Inhaberin der Münzmanufaktur. Die war vorher nur wenige Kilometer entfernt in Schleching beheimatet. Weil die langjährigen, befreundeten Inhaber die Fertigung aus eigener Entscheidung heraus nicht mehr fortführen, übernahm die Marquartsteinerin. Die Entscheidung traf sie nicht alleine. Ihr Mann arbeitete 30 Jahre lang als freischaffender Medailleur für die vorherigen Besitzer und er steht seiner Frau natürlich auch in Zukunft tatkräftig zur Seite.

Franziska Dögerl führt die Tradition weiter

„Was hier über Jahrzehnte geschaffen wurde, ist mehr als nur ein Lebenswerk“, sagt Franziska Dögerl über das Erbe, das sie angetreten hat. „Es sind große Fußstapfen, in die ich steige.“ Es mache ihr Freude, neue Ideen zu entwickeln, Traditionen zu wahren und Erschaffenes wertzuschätzen.

Runde Erinnerungsstücke aus Gold und Silber

Die Taler aus echtem Gold und Silber sind noch Traditionshandwerk. Diese Art der Fertigung abseits industrieller Massenproduktion gibt es nicht mehr oft. Christian Dögerl erlernte den Beruf des Bildhauers an der Fachschule in Berchtesgaden. Sein erstes eigenes Atelier bezog der 54-Jährige im Jahr 1986 am Wuhrbichl in Marquartstein. Seit 2012 hat er seine Werkstatt in der Oed. Dort lebt er mit seiner Familie und dort befindet sich jetzt auch der Sitz der Münzmanufaktur seiner Frau. Er arbeitet vor allem mit den Materialien Holz, Bronze und Gips. Die Ritter-Marquart-Figur auf dem Brunnen im Ortszentrum, die Figurengruppe „Der richtige Weg“ auf dem Gelände der Chiemgauklinik und verschiedene kreative Arbeiten in den Märchenparks Ruhpolding und Marquartstein stammen zum Beispiel von ihm.

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Motive werden spiegelverkehrt in Alabastergips geschnitten

Seit 1992 kamen die Arbeiten als Medailleur dazu. Dögerl entwirft die Motive mit Bleistift auf Papier und schneidet sie dann spiegelverkehrt, also negativ, in Alabastergips. Danach wird daraus wieder ein Modell in positiv abgegossen, welches nochmals überarbeitet wird. Davon entsteht ein so genanntes Hartmodell. Eingespannt in die Reduktionsmaschine wird das Motiv mechanisch abgetastet und in weichen Stahl übertragen. Dieser Prozess kann je nach Modellgröße einige Tage dauern. „Der Positivstempel wird im Härteofen auf bis zu 1200 Grad erhitzt, um anschließend im Ölbad abgekühlt zu werden. Danach kommt er zum Anlassen nochmal in den Härteofen“, schildern Franziska und Christian Dögerl den Vorgang. Die Produktion erfordert vom Bildhauer große Präzision, denn handwerklich gefertigte Medaillen beziehungsweise Taler heben sich von industrieller Fertigung durch ihre Schärfe, Brillanz und detailliert ausgearbeiteten, scharfen Konturen ab.

Einladungen zu ausgewählten Münzwettbewerben

Dögerl hat in den vergangenen Jahrzehnten an die 800 Motive kreiert. So fertigte er zum Beispiel das Modell für die Einweihung des Posttowers in Bonn und für namhafte Firmen weltweit. Seit 2016 wird er regelmäßig zu ausgewählten Münzwettbewerben des Bundes eingeladen, darauf ist er sichtlich stolz.

Vier Bildhauer entwarfen im Laufe der Jahrzehnte 3000 Prägestempel

In der Münzmanufaktur lagern an die 3000 Prägestempel, die insgesamt vier Bildhauer über die Jahre hinweg entworfen haben. Die Motive sind historisch, kirchlich oder individuell. Eine Gravur rundet den Taler auf Wunsch mit persönlichen Worten oder Daten ab. Taler für besondere Anlässe stehen als Erinnerungsstück, Schmuck oder Auszeichnung hoch im Kurs.

Taler um Taler wächst die Fischerkette

Der Anglerbund Chiemsee mit Sitz in Übersee legt Wert auf regionale Produkte und ist Kunde bei der Münzmanufaktur von Franziska Dögerl in Marquartstein. Der große Stolz des Vereins ist die mehrere Kilogramm schwere Fischerkette. Sie wächst jedes Jahr um einen Taler, der dem aktuellen Fischerkönig gewidmet ist. „Seit es den Anglerbund gibt, also seit 1952, führen wir jedes Jahr das traditionelle Königsfischen durch“, erklärt 2. Vorsitzender Peter Poremba aus Grassau. Wer das gewinnt, ist der Fischerkönig des Jahres. Der Anglerbund bestellt bei der Münzmanufaktur einen Taler, auf dem der Name und das Datum eingraviert werden. Dieser Taler wird in die Fischerkette gefasst, die der Fischerkönig im Rahmen einer feierlichen Zeremonie auf die Schultern gelegt bekommt. Er trägt sie zu besonderen Anlässen, etwa wenn der Anglerbund sich an einer Fronleichnamsprozession beteiligt. Übrigens hat auch die Jugend eine eigene Fischerkette.

Eine Bronzemedaillon für die Gemeinde Surberg.
Eine fertig geprägte Medaille im Prägering. Privat
Ein Prägestempel beim Abfräsen in der Naschine.
Das Abdrehen des Positiv-Prägestempels.
Medailleur Christian Dögerl fertigt ein Modell in Gips.

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