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Oper mit Stallgeruch

Wahrzeichen verschwindet: Die Tage der Chiemgauhalle sind gezählt

Die Tage der Chiemgauhalle sind gezählt. Sobald der Neubau fertig ist, wird die vor 47 jahren errichtete Viehversteigerungshalle abgerissen. Oberkandler
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Die Tage der Chiemgauhalle sind gezählt. Sobald der Neubau fertig ist, wird die vor 47 jahren errichtete Viehversteigerungshalle abgerissen.
  • VonKlaus Oberkandler
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Das Traunsteiner Wahrzeichen der heimischen Viehvermarktung verschwindet 2024: Der Rinderzuchtverband beginnt noch heuer mit dem Neubau

Traunstein – Schweres Gerät war in den letzten Wochen auf dem Gelände des Rinderzuchtverbandes an der Siegsdorfer Straße im Einsatz. Beseitigt wurde das Stallgebäude, dessen Dach am 4. Februar 2019 unter der Last der Neuschneemassen eingestürzt war (wir berichteten). An gleicher Stelle wird der Rinderzuchtverband eine neue Bergehalle, Stallungen und einen unterkellerten Versteigerungsraum errichten.

Sobald alles in Betrieb genommen werden kann, soll die Chiemgauhalle abgerissen werden. An ihrer Stelle sollen Parkplätze für Marktbeschicker und Kunden entstehen. Die Arbeiten sollen zeitlich so gestaltet werden, dass die 14-tägigen Kälbermärkte und der monatliche Großviehmarkt auch während der Bauphase uneingeschränkt abgehalten werden können. Der Rinderzuchtverband rechnet damit, dass das gesamte Vorhaben mehrere Millionen Euro kosten wird.

Eins der modernsten Bauwerke in der Stadt

Für die OVB-Heimatzeitung standen die drei Männer an der Spitze des Zuchtverbandes Rede und Antwort: Verbandsverwalter Bernhard Reiter, Vorsitzender Hubert Hartl und Zuchtleiter Dr. Rudolf Maierhofer.

Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Chiemgauhalle, die 1975 errichtet wurde und die damals mit ihrer kühnen Holzkonstruktion eins der modernsten und markantesten Bauwerke in der Großen Kreisstadt war. 4,2 Millionen D-Mark hat der Neubau damals gekostet.

Markttage wie ein Volksfest

Die Markttage waren für viele bäuerliche Familien ein kleines Volksfest. Oft fuhren sie mit nur ein oder zwei Kälbern nach Traunstein, verfolgten die Auktionen, bei denen Versteigerer Stefan Waltl aus Langmoos wortgewaltig die Preise in die Höhe trieb und kehrten anschließend in den Chiemgaustuben ein, die im Hallentrakt bei guter Küche zum Verweilen einluden. Bis zu 1300 Besucher hatten auf den Rängen Platz, und meist war die Halle an den Markttagen gut gefüllt.

Obwohl die Zahl der vermarkteten Tiere nur leicht zurückgegangen ist, ging die Zahl der Bauern, die zum Markt kamen, über die Jahrzehnte deutlich zurück. Deshalb, so Vorsitzender Hubert Hartl, habe man sich entschieden, den neuen Auktionsraum deutlich kleiner zu bauen. Er wird für nur 199 Personen zugelassen sein. Die krumme Zahl kommt daher, dass ab 200 Personen verschärfte Brandschutzbestimmungen gelten, welche den Neubau deutlich verteuern würden.

Damals war es jedoch richtig und sinnvoll, die Halle in dieser Größe zu bauen. Davon haben nicht nur die Landwirte, sondern die ganze Region und vor allem die Stadt Traunstein profitiert. Die Halle entwickelte sich nämlich schnell zu einem begehrten Veranstaltungszentrum, das Jahr für Jahr an bis zu drei Dutzend Terminen von Künstlern, Vereinen und Verbänden genutzt wurde.

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Der Stallgeruch war das große Manko an der Halle. Besonders bei festlichen Terminen, bei Opern- oder Operettenaufführungen oder den Chiemgaufestspielen unter Hans Leonhard beeinträchtigten die Gerüche den Kunstgenuss. Comedy-Star Dieter Hallervorden brachte einst das Publikum unter anderem mit der Bemerkung zum Lachen, dass das eine sehr schöne Turnhalle sei mit allerdings untypischem Ausdünstungsgeruch.

Nina Hagen brachte der Chiemgauhalle bundesweit Schlagzeilen ein, weil sie hier während eines Interviews einem Lokalreporter eine Ohrfeige verabreichte.

Die Führungsspitze des Rinderzuchtverbandes Traunstein präsentiert die Pläne für den Neubau an der Siegsdorfer Straße (von links): Verbandsverwalter Bernhard Reiter, Vorsitzender Hubert Hartl und Zuchtleiter Dr. Rudolf Maierhofer.

Auch für politische Veranstaltungen wurde die Liegenschaft genutzt. 1978 sprach hier zum Beispiel Ministerpräsident Franz Josef Strauß bei einer Wahlveranstaltung.

Zweck der Halle über alles gestellt

Mit all dem wird es voraussichtlich ab übernächstem Jahr vorbei sein. „Wenn der Neubau fertig ist, kommt die alte Halle weg“, sagt Geschäftsführer Bernhard Reiter und präsentiert zusammen mit Vorsitzendem Hubert Hartl und Zuchtleiter Dr. Rudolf Maierhofer die Pläne für den Neubau. Die drei betonen, dass man bei all den anderen Veranstaltungen immer den ursprünglichen Zweck der Halle über alles gestellt habe: die Vermarktung der Tiere aus den Betrieben des über 1900 Mitglieder zählenden Verbandes.

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