Hunger und Elend in der ganzen Welt gelindert

Die Siegsdorferin Christa Einsiedler und ihre tiefe Sehnsucht nach dem, was trägt

Schwester Dominica und Christa Einsiedler bei einem Gottesdienst im Kloster der Franziskanerinnen von Au am Inn. Einsiedler hat eine Gruppe gegründet, um franziskanische Spiritualität im Alltag zu leben.
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Schwester Dominica und Christa Einsiedler bei einem Gottesdienst im Kloster der Franziskanerinnen von Au am Inn. Einsiedler hat eine Gruppe gegründet, um franziskanische Spiritualität im Alltag zu leben.

Christa Einsiedler ist eine Suchende. Die 58-Jährige aus Maria Eck will mehr finden im Leben als Wohlstand und Vergnügen. Ihr Lebensweg führte die examinierte Krankenschwester durch die halbe Welt. Ein Besuch bei den Franziskanerinnen hat bei ihr Grundstein gelegt für den „Franziskanischen Aufbruch“.

Siegsdorf/Au am Inn – Die examinierte Krankenschwester arbeitete auf dem Notärzte-Rettungsschiff Cap Anamur, war im Einsatz im von Hungersnöten geplagten Äthiopien, half in Uganda, leitete Projekte in Kolumbien und auf Haiti. Hat Hunger, Not und Elend gesehen und versucht zu bekämpfen. Zurückgekehrt in ihre Heimat Maria Eck/Siegsdorf (Kreis Traunstein) gründete sie in Surberg eine Praxis als Heilpraktikerin. Weil sie ein spiritueller Mensch ist, belegte sie außerdem Seminare zum einfachen Leben in der katholischen Landvolkshochschule Petersberg im Kreis Dachau. Immer auf der Suche nach dem, was „trägt“ im Leben, „wie man Spiritualität zeitgemäß leben kann“.

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Wie alles begann: Bei einem Einkehrtag vor sechs Jahren wird der Grundstein gelegt für den „Franziskanischen Aufbruch“ – eine Gruppe von Männern und Frauen, die nach franziskanischen Tugenden leben wollen. Damals im Bildungshaus der Franziskanerinnen in Kloster Armstorf in Dorfen (Kreis Erding), lässt ein Gedanke Christa Einsiedler nicht mehr los: „Was bleibt von diesen Orten, wenn all das einmal nicht mehr ist, weil es zu wenige Schwestern und Brüder gibt, die solche Orte und ihre Spiritualität weitertragen und beleben?“

Wo können die Menschen auftanken

Die Vorstellung, dass geistliche Gemeinschaften still und leise verschwinden, treibt sie seither um. Wo können dann Menschen wieder auftanken? Wie können die Botschaften des Ordensgründers Franz von Assisi, der aus reichem Elternhaus stammte und sich für ein Leben in Armut entschied, für die Öffentlichkeiten präsent bleiben? „Wir verlieren schleichend unsere Kraftorte“, bedauert Christa Einsiedler.

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In Pfarrer Josef Mayer, den Leiter vom Petersberg, und Schwester Dominica Eisenberger, der Generaloberin der Franziskanerinnen von Au, findet sie zwei religiöse Weggefährten, die mit ihr den „Aufbruch“ wagen. Es soll eine neue Bewegung entstehen, angesiedelt zwischen Orden, Priestern und Laien.

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Dort sollen sich Menschen treffen, die sich sorgen um die Welt, um die Zukunft der Kirche und der Schöpfung. Losgelöst von jeglichem Ständedenken, frei von hierarchischer Bürokratie. Sie laden Menschen ins Kloster Au am Inn ein, zu den Franziskanerinnen, deren Zahl von Jahr zu Jahr abnimmt und die immer älter werden. Zu den „Offenen Treffen“, die für gewöhnlich sechsmal im Jahr stattfinden, kommen bis zu 40 Frauen und Männer, alte wie junge. Sie sprechen mit den Ordensfrauen über ihr Leben und ihren Glauben, beten zusammen, teilen ihr mitgebrachtes Essen, feiern Gottesdienst.

Die Institution Kirche wird von der Gründerin des „Aufbruchs“ durchaus kritisch betrachtet. Kirche erreiche mit ihrer Sprache die Menschen heute nicht mehr. Auch ein Priestertum, das auf klerikale Männer begrenzt ist, hält sie nicht für zeitgemäß. Aber: Christa Einsiedler will keine Trennung, sondern Veränderung innerhalb der Kirche. Deswegen hält sie auch nichts von einer Unterscheidung zwischen Progressiven und Traditionalisten. „Es ist ein Weg jenseits aller Stände“, sagt sie. „Eine Bewegung des Herzens.“

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Hier wächst eine Gemeinschaft zusammen, die sich hilft. „Mitglieder des ,Franziskanischen Aufbruchs‘ übernehmen auch mal den Dienst an der Pforte oder helfen im Garten“, berichtet Pfarrer Mayer, der als geistlicher Begleiter fungiert. Doch es ist so viel mehr: ein gelebter „Traum einer bunten und vielfältigen Gemeinschaft“, die nach der franziskanischen Idee leben. Mayer sieht es als eine Chance auch für die Zukunft der Orden.

Inzwischen ist aus dem „Franziskanischen Aufbruch“ mehr als eine unverbindliche Gemeinschaft geworden. Kürzlich haben sich sieben Frauen in einem feierlichen Akt an die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Au am Inn gebunden.

Einfachheit, Verbundenheit und Hingabe

Christa Einsiedler hat als Gründerin das Versprechen der „Einfachheit, Verbundenheit und Hingabe“ an Generaloberin Schwester Dominica abgegeben. Sechs weitere Frauen verpflichteten sich darüber hinaus zunächst auf drei Jahre. Einfaches Leben, das heißt für Einsiedler, sich bei jeder Anschaffung fragen: „Brauch ich das wirklich?“ Und dann bleibt der schöne Pullover eben im Laden liegen, weil sie genug warme Kleidung im Schrank hat.

Ein banales Beispiel, doch diese Begrenzung auf das Notwendige mache frei. Neben der Einfachheit haben die Frauen Verbundenheit versprochen mit Gott, Menschen und der Schöpfung. Und die Hingabe an den Ruf Gottes „in meinem Leben zu leben“.

Mayer hofft, dass sich auch Männer künftig verbindlich ihrer Gemeinschaft anschließen. Die Frauen haben es vorgemacht.

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