Ab 11. Januar

Mit Optimismus zu „Click and Collect“: Die Priener Kunden halten treu zu ihren Händlern

Andreas Kaiser vom gleichnamigen Sportgeschäft. Berger
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Andreas Kaiser vom gleichnamigen Sportgeschäft. Berger

Klicken und sammeln ist die neue Devise. Unter der englischen Übersetzung „Click & Collect“ beziehungsweise „Call & Collect“ ermöglicht die Bayerische Staatsregierung per Kabinettsbeschluss vom Dreikönigstag, dass Kunden unter Hygieneauflagen bestellte Ware beim Händler abholen dürfen.

Prien/Traunreut – Unsere Zeitung hörte sich bei heimischen Händlern um, wie diese Nachricht ankommt und ob sie das Angebot Click & Collect nutzen werden.

Ausgabestelle bei der dezentralen Filiale

Sport Kaiser ist ab dem erstmöglichen Tag ab Montag, 11. Januar 2021, mit dabei. Von den beiden Filialen ist jene am Mühlbach als Ausgabestelle vorgesehen. „Sie liegt nicht mitten im Zentrum, die Leute fahren gezielt dort hin“, erklärt Geschäftsleiter Andreas Kaiser. So hofft er, dem Risiko aus dem Weg zu gehen, dass sich Menschen anhäufen. Teilweise würden auch Termine mit den Kunden vereinbart, so Kaiser.Er sieht die Möglichkeit von „Click & Collect“ für den Handel positiv und hat angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen auch Verständnis dafür, dass die Regierung Maßnahmen treffen muss. Die leichte Lockerung für den Handel begrüßt er natürlich. In der Vergangenheit durfte nur ausgeliefert werden.

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Stammkunden setzen auf persönliche Beratung

Auch davon machten die Kunden rege Gebrauch, wie Kaiser berichtet. „Ich freue mich sehr, dass wir viele Stammkunden haben, die auf persönliche Beratung setzen.“ Am Telefon sei einiges verkauft worden, vor allem Winterbekleidung, Langlaufski und Ausrüstungsgegenstände, etwa Stöcke.

Verkauf mit Auslieferung lief auch schon gut im Priener Blumenladen

„Wenn wir wissen, wie die Rahmenbedingungen von Click & Collect ganz genau ausschauen, werden wir das auch machen“, sagt Darwin Kuhn vom Priener Geschäft Blumenhandwerk in der Wendelsteinstraße. Seit Beginn des Lockdowns haben Kuhn und seine Frau Veronika, die die Inhaberin des Betriebs ist, ausgeliefert – mit gar nicht so schlechter Resonanz. „Das ist bislang wirklich sehr gut gelaufen. Wir haben eine treue Kundschaft, die uns wirklich die Stange hält“, sagt Kuhn. Auch über Instagram hält er Kontakt zu seinen Kunden.

Zu schaffen macht den Floristen die unsichere Planung während der Pandemie, denn die Ware der Floristen ist schnell verderblich. „Blumen und Pflanzen sind uns leider viele kaputt gegangen, Im Dezember und im Januar werden wir um die 1000 Euro weggeschmissen haben“, sagt Kuhn. Von Click & Collect hält er viel und sieht Potenziale: „Die Leute sehnen sich doch einfach danach, mal rauszukommen und etwas anderes zu sehen.“

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Click & Collect ist eine Erleichterung für die Händler

„Wir machen mit, ich bin sehr froh und erleichtert“, sagt Susanne Sternsdorf, Inhaberin von Bücher Hartel in Prien. Bisher – wie im letzten Lockdown auch – lieferte sie viel aus. Wenn sich Kunden ihre Bücher künftig abholen dürfen, sei das eine Erleichterung. „Von 10 bis 16 Uhr können die Leute an der Geschäftstüre klopfen, dann gebe ich die vorbereitete Bestellung in der Tüte raus mit einer Rechnung.“ Den Kassiervorgang spare sie sich, damit verkürzt sich die Übergabezeit – je schneller umso sicherer.

In der Möbelbranche hat Click & Collect eine untergeordnete Bedeutung

Susanne Sternsdorf von Bücher Hartel.

Der Buchhandel profitiert in dieser Krise von einer guten Organisation im Rücken. Seit Jahrzehnten werden Bücher, die im Buchladen bis 17.30 Uhr bestellt werden, am nächsten Tag geliefert, so Sternsdorf. „Das ist schneller als bei Amazon.“ Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ihr die Stammkunden im Lockdown so gut die Treue hielten, wie sie erfreut berichtet. Positiv über Click & Collect äußert sich auch der Traunreuter Möbelhaus-Inhaber Gerhard Jobst.

Obwohl er sagt: „Für uns spielt das keine große Rolle, weil wir wegen der Größe der Möbelstücke sowieso 90 Prozent ausliefern.“ Daran werde auch Click & Collect nicht viel ändern. Der Lockdown tue dem Möbelhandel weh. „Man muss sich auf eine Couch setzen und sie ausprobieren, bevor man sie kauft.“ Aber er betont angesichts der harten Maßnahmen: „Das Wichtigste ist, dass die Menschen gesund bleiben.“ Allerdings wünscht er sich mehr Planungssicherheit und weniger kurzfristige Vorgaben von der Politik.

„Super Sache für die Händler“

Christiane Hinterholzer, Inhaberin des Kindergeschäftes „Prienatura“, nennt Click&Collect eine „super Sache“. „Das können wir im Handel gut brauchen.“ Sie macht auf jeden Fall mit. „Ich habe den Eindruck, die Kunden möchten den heimischen Handel unterstützen und auf diese Weise die Läden vor Ort erhalten. Umgekehrt wollen wir mit unserem Service für die Kunden da sein“ so Hinterholzer. „Das beruht alles auf Gegenseitigkeit.“

Kundenzuspruch trägt über die schwere Zeit

Erst am Freitag, 8. Januar 2021, erhielt sie wieder per Mail Zuspruch von einem Kunden, der zu seiner Bestellung dazu schrieb: „Wir hoffen, Ihr übersteht die Corona-Zeit gut. Wir lieben das Geschäft!“ Hinterholzer kommentiert dies sichtlich bewegt: „Das trägt einen über diese schwere Zeit hinweg.“

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