Lernen im Lockdown

Distanzunterricht im Alltag: Die Priener Grundschüler sind mit Eifer bei der Sache

Die Grundschule in Prien ist wie alle andere Schulen derzeit verwaist. Unterricht findet digital statt und verlangt allen viele Anstrenungen ab. Doch klappt das Homeschooling inzwischen ziemlich gut.
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Die Grundschule in Prien ist wie alle andere Schulen derzeit verwaist. Unterricht findet digital statt und verlangt allen viele Anstrenungen ab. Doch klappt das Homeschooling inzwischen ziemlich gut.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Videokonferenzen, Apps, Mails – bisher waren das Begriffe, die den Arbeitsalltag von Erwachsenen prägten. In Zeiten von Corona und Homeschooling haben auch die Grundschulkinder gelernt, E-Mails zu schreiben, im Internet zu recherchieren oder mit Lernplattformen zu arbeiten.

Prien – Auch wenn Mama oder Papa da und dort noch unterstützen, so ist diese Art des Lernens für die Priener Grundschüler fast zu eine Selbstverständlichkeit geworden. Dies schildern Rektorin Claudia Decker als auch die Klassenlehrerinnen Iliare Piper und Sandra Spötzl im Online-Interview mit unserer Zeitung.

Lehrer und Kinder haben sich gut eingefunden

Nicht nur die Kinder, auch die Eltern und die Lehrer haben im Umgang mit der digitalen Technik gehörig dazu gelernt. „Intensive“ Fortbildungen sind für die Lehrer an der Tagesordnung, erklärt Decker.

Iliare Piper mit ihrer Ukulele bei der Videokonferenz. Sie singt mit ihren Schülern das Lied der Woche..

Piber zum Beispiel unterrichtet 27 Kinder der Klasse 1a. „Ich bin ganz überrascht, wie gut das Homeschooling funktioniert“, sagt sie. Die Internetseite der Schule dient als zentrale Plattform. Dort stellen die Lehrer die Inhalte für den täglichen Unterricht und freiwillige Zusatzaufgaben ein. „Für Lernhungrige und Knobeltiger“ nennt das zum Beispiel Piber. Dazu gibt es ein Lied der Woche und Sportübungen.

Lehrer produzieren ihre eigenen Lernvideos

Grundschulrektorin Claudia Decker.

Die Unterlagen sind als schriftliche Dateien hinterlegt, weiter stellen die Lehrer selbst produzierte Audio-Dateien und Videos zur Verfügung. Statt ihren Unterricht im Klassenzimmer vor den Kindern zu halten, das Gesagte aufzunehmen, ist für viele Neuland. „Ich musste hineinwachsen“, erzählt Piber. Doch mache ihr das inzwischen großen Spaß. Die Kinder begriffen erstaunlich gut, berichtet sie weiter. Von Vorteil sei gewesen, dass die Kinder zu Beginn des Schuljahres für einige Wochen noch im Schulhaus anwesend waren. Die Kinder wüssten vom Prinzip her, wie sie zum Beispiel die Aufgaben mit einem neuen Buchstaben lernen sollten.

Regelmäßig persönlicher Kontakt über Videokonferenzen

Da es ganz ohne persönlichen Kontakt dann doch nicht geht, gibt es zusätzlich Videokonferenzen. „Da singen wir erst miteinander ein Lied und manchmal packe ich auch meine Ukulele aus“, so Piber. „Dann gehen wir gemeinsam die Arbeiten vom Tag durch.“ Die Kinder haben die Möglichkeit, selbst etwas einzukreisen oder zu schreiben. „Im Vordergrund steht bei diesen Konferenzen aber das Socialising, also der persönliche Kontakt. Ich bin total platt, wie gut das funktioniert. Die Kinder sind fit und diszipliniert.“

Sandra Spötzl ist die Lehrerin von 21 Kindern der Klasse 2c. Auch sie erzählt: „Bei uns funktioniert das alles wirklich gut. Man lernt mit den Herausforderungen.“ Die Eltern seien eine große Unterstützung.

Sandra Spötzl, Klassenlehrerin der 2c.

Die Lehrer sind mit Feuereifer dabei

„Das gesamte Lehrerkollegium erstellt mit Feuereifer und viel Liebe analoges und digitales Arbeitsmaterial für die Kinder und hält intensiven Kontakt, denn Unterricht ist immer auch Beziehungsarbeit“, ergänzt Rektorin Decker. Sie führt weiter aus: „Ich bin wirklich sehr stolz aus unsere Schulfamilie, dass in dieser für alle völlig neuen Krisensituation so viele Hand in Hand arbeiten – Eltern und Kinder zu Hause, Lehrer in der Schule und im Hintergrund die Gemeinde und die IT-Fachleute.“ Distanzunterricht sei für alle Neuland und bedeute einen erheblichen Mehraufwand und ein großes Maß an gegenseitigem Verständnis.

Geld aus dem Digitalpakt geht ins Glasfasernetz und leistungsstarkes WLAN

Das digitale Lernen will sie auch in Zukunft weiter ausbauen. Aktuell wird Geld aus dem Digitalpakt II zum Beispiel in das Glasfasernetz, neue Router und in eine leistungsstarke WLAN-Verbindung investiert.

Investitionen in die digitale Ausstattung

Im vergangenen Jahr seien alle Klassenzimmer mit Beamer, Lehrercomputer und Dokumentenkamera ausgestattet worden. Die Grundschule erprobt eine digitale Tafel, 25 000 Euro werden jetzt noch in digitale Endgeräte investiert. Außerdem konnten aus einem Sonderbudget 20 Laptops als Leihgeräte für Schüler gekauft werden.

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Weiter neun Geräte folgen und 14 Dienstgeräte für Lehrer sind genehmigt. Die Rektorin wünscht sich vom Kultusministerium in puncto Digitalisierung ein breit aufgestelltes und Gesamtkonzept als Blaupause. Damit hätten alle Schulen das gleiche Ausstattungsniveau, Fördergelder würden direkt umgesetzt und alle Beteiligten in den Schulen könnten sich über die selben Systeme austauschen.

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