Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Mehr Silphien für die Region

Hohe Biosgasausbeute und bienenfreundlich: Umweltausschuss im Kreis Traunstein will mehr Dauerkultur von dieser Pflanze

So sehen Silphien aus, die unter anderem zwischen Mais als Dauerkultur angepflanzt werden. Auch Bienen und Hummeln mögen sie.
+
So sehen Silphien aus, die unter anderem zwischen Mais als Dauerkultur angepflanzt werden. Auch Bienen und Hummeln mögen sie.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
    schließen

Über Umweltthemen wird sonst eher gestritten. Bei der Silphie ist sich der Traunsteiner Umweltausschuss im Kreistag aber ganz einig: Die Pflanze ist ein echter Alleskönner.

Traunstein – Die „Silphie perfoliatum“, auf Deutsch „Durchwachsene Becherpflanze“, war früher auf Äckern im Landkreis Traunstein nicht zu finden. Erst seit 2018 wird sie als Ergänzung zu Mais als Biomassepflanze angebaut, vor allem im Nordwesten des Kreisgebiets mit mehr Biogasanlagen als im Süden.

Markus Breier, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, informierte den Ausschuss für Umwelt und Abfallwirtschaft unter Vorsitz von Vize-Landrat Sepp Konhäuser (SPD) über eine regelrechte Erfolgsgeschichte seither.

Hohe Ausbeute an Biogas

2017 hatte CSU-Kreisrat Josef Mayer aus Chieming den Umweltausschuss auf die Energiepflanze und ihre besonderen Vorzüge überhaupt erst aufmerksam gemacht. Die Silphie steht für hohe Biogasausbeute und kann zwischen Mais als Dauerkultur bis zu 15 Jahre auf den Feldern bleiben.

Testpflanzungen 2018

Mit finanzieller Unterstützung des Landkreises Traunstein und tatkräftiger Hilfe der Maschinenringe erfolgten 2018 Testpflanzungen. Markus Breier sprach im Ausschuss von einem „tollen Auftakt“ mit damals 25 Landwirten, die auf 54 Feldstücken mit einer Fläche von 63 Hektar die Silphie zwischen Mais aussäten. Je nach Bodenbeschaffenheit, geografischer Lage und Vorbereitung des Bodens durch die Landwirte seien die Keimraten sehr unterschiedlich gewesen.

Lesen Sie auch: „Haben Wohnungsmangel“: In Traunstein kündigt sich Zweitwohnungssteuer an

Aufgrund der Wetterbedingungen 2018 mit Trockenheit und Hitze sei die Saat vielerorts gar nicht gekeimt. Auf anderen Flächen habe sich die Silphie „perfekt etabliert“. In den Landkreisen Berchtesgadener Land und Rosenheim seien 2018 beziehungsweise 2020 ebenfalls Versuche gestartet worden. Aktuell arbeiteten 32 Landwirte im Landkreis Traunstein mit der Pflanze auf 79 Feldstücken mit fast 92 Hektar Fläche.

Kosten von 1.700 Euro je Hektar

Heuer profitiere der Anbau von der vielen Feuchtigkeit. Seit 2019 übernehme, so Markus Breier weiter, der Landkreis über sein Regionalmanagement für Neueinsteiger und neue Flächen die Technikkosten, also Aussaat- und Maschinenkosten. Die Kosten für das Saatgut von rund 1.700 Euro je Hektar müssten die Landwirte selbst tragen. Ziel sei, etwa zehn Hektar Fläche zusätzlich pro Jahr für den Silphien-Anbau zu gewinnen.

Lesen Sie auch: Stechmückenbekämpfung am Chiemsee: Erst kein Bescheid, jetzt kein Gift

Isabella Amann von der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft berichtete über Ertragsmessungen bei der Ernte zusammen mit dem Maschinenring Traunstein. Im November 2020 habe man Bodenproben genommen.

Unter wissenschaftlicher Begleitung vorgenommene Untersuchungen hätten ergeben: „Die Silphie könnte in Trinkwassereinzugsgebieten angebaut werden.“ Außerdem eigne sie sich eventuell zur Papierherstellung.

Bienen lieben Silphien

„Bienen sind total begeistert von der Silphie“, berichtete stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber (CSU), dem Umweltausschuss. Sie sei anfangs skeptisch gegen die neue Pflanze gewesen. Sehr positiv sei, dass sie zum Beispiel auch auf kleinen Flächen angebaut werden könne, die sich für Mais nicht rentieren.

Auf Fragen erwiderte Markus Breier, die Silphie trage zur Bodenverbesserung bei, etwa durch mehr Regenwürmer. Sie wachse von allein, müsse nicht gespritzt werden. Und weiter: „Auch für Wildschweine ist die Silphie nicht interessant.“

Zellulose für Papierherstellung?

Geerntet werde zum Ende der Blütezeit. Dazu Josef Mayer: „Die Ernte ist relativ spät. Da fliegen keine Bienen mehr.“ Zum Thema Verfütterung ergänzte Breier, der Futterwert sei sehr gering.

Ein neues Projekt sei jedoch die Papierherstellung: „Dann kann man erst das Methan in der Biogasanlage, dann die Zellulose für Papier nutzen.“ Im eigenen Garten baut ÖDP-Kreisrätin Dr. Ute Künkele die Silphie an. Sie habe anfangs befürchtet, dass die Silphie als Neophyt die heimische Vegetation beeinflusse. Inzwischen habe sie festgestellt: „Die Pflanze wuchert nicht, wächst schön und zieht viele Insekten an.“

Zu Wort kam auch Raphael Röckenwagner vom Maschinen- und Betriebshilfsring Traunstein. Er hob zum Thema „Ernte“ heraus, die Landwirte hätten technisch aufgerüstet. Auch er sei begeistert von dem Silphien-Anbau. Der Landkreis habe „großartig angeschoben“.

Mehr zum Thema

Kommentare