Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Krieg in der Ukraine: Regionale Unternehmen spüren unterschiedliche Auswirkungen

Die heimische Wirtschaft spürt Evakuierungen und Preis-Explosionen

Müllermeister Hans Gfaller von der Kunstmühle Haslach in Traunstein, hier vor einem seiner sieben Walzenstühle, beobachtet das neue Allzeithoch von 400 Euro pro Tonne Weizen mit Sorge. Durch den Ukrainekrieg sind die internationalen Märkt in Turbulenzen geraten.
+
Müllermeister Hans Gfaller von der Kunstmühle Haslach in Traunstein, hier vor einem seiner sieben Walzenstühle, beobachtet das neue Allzeithoch von 400 Euro pro Tonne Weizen mit Sorge. Durch den Ukrainekrieg sind die internationalen Märkt in Turbulenzen geraten.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
    schließen

Der anhaltende Angriffskrieg von Russland in der Ukraine mit zunehmenden Zerstörungen bereitet auch den Unternehmen in Südostbayern große Sorgen.

Rosenheim/Traunstein – Sämtliche Transportwege in und aus dem Krisengebieten sind inzwischen abgeschnitten oder zu riskant. Logistik- und Transportunternehmen stöhnen zudem unter dem Wegfall von zum Militärdienst eingezogenen Lastwagen-Fahrern aus der Ukraine. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich bei regionalen Unternehmen über die Situation umgehört.

Auslieferung liegt erst einmal auf Eis

„Der überraschende Kriegsausbruch in der Ukraine hat uns alle tief betroffen und sprachlos gemacht“, sagt Daniel Caspary. Er ist Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers von Brauanlagen für Gasthaus-, Craftbier- und Industriebrauereien in Chieming, der weltweit exportiert. Gegründet wurde das Familienunternehmen bereits 1788.

Noch wenige Tage vor der Invasion habe man per Videokonferenz mit einem Mitarbeiter aus Russland die aktuellen Pläne für eine dort geplante Anlage besprochen, sagt Caspary. Spätestens bis Herbst sei die Auslieferung geplant gewesen. Jetzt sei alles erst einmal auf Eis gelegt. Da die Produktionskosten und ein Vorschuss schon bezahlt seien, habe man zwar kein Geld verloren, bange aber trotzdem mit den Menschen in der Ukraine.

Das könnte Sie auch interessieren: OVB-Themenseite Wirtschaft in der Region

Für den Mitarbeiter aus Russland sei die Situation „extrem unangenehm“ gewesen. Generell, so Caspary, sei das Russlandgeschäft bei einem Jahresumsatz von vier Millionen Euro in den letzten Jahren „eher klein und sehr schwankend“ gewesen.

Lieferungen bis auf Weiteres eingestellt

Mit einer Niederlassung in Moskau ist auch der Maschinenhersteller Brückner aus Siegsdorf vom Krieg Russlands gegen die Ukraine betroffen. Zu laufenden Projekten und Embargos, der Mitarbeitersituation oder Umsatzausfällen nehme das Unternehmen generell keine Stellung, sagt Pressesprecher Karlheinz Weinmann. Er ergänzt: „Aufgrund der aktuellen Situation in Russland und Belarus dürfen bis auf Weiteres keine Lieferungen in diese Länder mehr durchgeführt werden sowie keine neuen Verträge mit Bezug zu diesen Ländern abgeschlossen werden. Wir werden die Entwicklung laufend verfolgen und zu gegebener Zeit neu beurteilen.“

Das neue Allzeithoch beim Weizenpreis beobachtet Hans Gfaller mit Sorge. Er ist in vierter Generation Müllermeister und betreibt mit fünf Mitarbeitern die Kunstmühle Haslach in Traunstein. Aktuell sei der Preis für eine Tonne Weizen – nicht zuletzt auch durch Spekulationen an den Warenterminbörsen – auf über 400 Euro hochgeschnellt, nach 230 Euro im März 2021 und 180 Euro im März 2020. Die Achterbahnfahrt der Preise lähme aktuell den Handel.

EU ist mit Weizen gut selbst versorgt

Trotzdem sei durch den sofortigen Exportstopp aus Russland und der Ukraine aktuell „weder mit einer Hungersnot noch mit Lieferengpässen bei uns zu rechnen“, weil die EU einen hohen Selbstversorgungsgrad bei Weizen aufweise, erläutert Gfaller. Die Ukraine und Russland stellen aber fast ein Drittel der weltweiten Weizenexporte. Diese Mengen würden jetzt fehlen und die Länder, die bisher von dort beliefert worden sind, fragen nun bei der EU nach. Das lässt die Getreidepreise nach oben schießen, was weitere Preiserhöhungen bei Mehl und den daraus hergestellten Produkten nach sich ziehen wird. Während in den Kriegsgebieten Ackerbau und Ernten stark beeinträchtigt werden, sei hingegen in der EU mit üblichen Getreidemengen zu rechnen.

Unterstützung für die ukrainischen Beschäftigten

Von der rechtzeitigen Evakuierung von zehn europäischen Monteuren von einer Baustelle in der Westukraine berichtet Ingrid Reuschl, Kommunikationschefin der Krones AG aus Neutraubling. Das Unternehmen mit weltweit 16 500 Mitarbeitern, das Anlagen für die Getränke- und Nahrungsmittelindustrie herstellt, betreibt auch in Rosenheim einen Produktionsstandort. Krones unterstütze seine Beschäftigten in der Ukraine und deren Familien nach Kräften, sagte Reuschl. Vergangenen Montag wurde 22 Menschen die Ausreise ermöglicht. Reuschl: „Anders als in der Automobilindustrie hat dieser Krieg derzeit noch keinen Einfluss auf die Produktion von Krones, da wir völlig andere Fertigungsprozesse und Durchlaufzeiten haben.“ Insgesamt beobachte man die Situation aber mit Sorge.

Lastwagen stranden in Schweden

Von in Schweden gestrandeten Lastwagen aus Weissrussland, die nicht mehr per Fähre transportiert werden, Lieferengpässen bei Lkw und explodierenden Preisen für Gebraucht-Lkw berichtet Thomas Eberl. Er ist Geschäftsführer des gleichnamigen Speditions- und Logistikunternehmens aus Aiging bei Traunstein mit 300 Mitarbeitern und 70 Millionen Euro Jahresumsatz. Angesichts von mehr als 60 000 Lkw-Fahrern, die letztes Jahr in der Logistikbranche fehlten, verschärfe sich das Problem jetzt durch ukrainische Lkw-Lenker, die zum Kriegsdienst eingezogen werden.

„Wir sind froh, dass unsere Fahrer aus Russland und der Ukraine deutsche Pässe haben.“ Problematisch sei auch der steigende Spritpreis.

Aktuelle Infos und Taskforce der Industrie- und Handelskammer (IHK):

Rund 1000 bayerische Unternehmen sind in Russland tätig und 500 machen Geschäfte mit der Ukraine. Sie alle sind aktuell neben den von den westlichen Staaten verhängten Sanktionen auch von gestörten Transportwegen und Lieferketten sowie erhöhten Sicherheitsrisiken betroffen. An vielen Standorten wurde deshalb die Produktion beziehungsweise die Geschäfte ausgesetzt. „Ein Krieg ist keine Basis für wirtschaftlich tragfähige Beziehungen“ sagte dazu Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. Das derzeit größte Risiko für die bayerische Wirtschaft sei die Sicherheit der Energieversorgung. 36 Prozent der Erdöl- und Erdgasimporte stammten aus Russland. Im letzten Jahr stand die russische Staatenförderation für 1,6 Prozent (3,1 Milliarden Euro) der bayerischen Exporte und drei Prozent (6,3 Milliarden Euro) der Importe. Die Ukraine machte 0,3 Prozent des bayerischen Außenhandels aus. Die Top-3-Exportgüter in beide Länder sind Autos und -teile, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Die IHK warnt im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg ebenso vor einer wachsenden Gefahr von Cyber-Attacken auf Unternehmen. Über die wichtigsten Fragen bayerischer Unternehmen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg informiert eine neue eingerichtete Task-Force der IHK unter der Nummer 089/5 11 60 oder auf dieser Internetseite. Hauptsorge waren bisher vor allem legale Zahlungsabwicklungsmöglichkeiten für Altverträge mit russischen Zulieferern. Am Donnerstag, 10. März wird zudem ein kostenfreies Webinar zu aktuellen Entwicklungen angeboten.

Kommentare