Fahrlehrer in Sorge

Die Folgen des Lockdowns für die Fahrschulen: Riesenandrang nach der Schließung?

Nichts geht mehr: Nach dem Lockdown ruht aktuell auch der Betrieb in den Fahrschulen der Region, hier in Grabenstätt. Im Frühjahr folgte der erzwungenen Schließung ein extremer Andrang und Arbeitsanfall, der manche Fahrschule zum Aufnahmestopp gezwungen hat.
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Nichts geht mehr: Nach dem Lockdown ruht aktuell auch der Betrieb in den Fahrschulen der Region, hier in Grabenstätt. Im Frühjahr folgte der erzwungenen Schließung ein extremer Andrang und Arbeitsanfall, der manche Fahrschule zum Aufnahmestopp gezwungen hat.
  • vonAxel Effner
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Nicht nur an öffentlichen Schulen brauchen Pädagogen und ABC-Schützen während der Corona-Pandemie starke Nerven. Spätestens seit Mitte Dezember hieß es mit der nochmaligen Verschärfung des Lockdowns auch bei den Fahrschulen: Nichts geht mehr. Fahrlehrer aus Traunstein, Grabenstätt und Prien sprechen über ihre Sorgen.

Traunstein/Grabentsätt/Prien – Spätestens mit der nochmaligen Verschärfung des Lockdowns auch bei den Fahrschulen heißt es: Nichts fährt mehr. Weder Übungsfahrten noch praktische Prüfungen dürfen im Moment durchgeführt werden. Selbst Fahrschüler, für die der Führerschein bereits in Reichweite war, müssen sich erneut in Geduld üben. Ob der Fahr- und Prüfungsbetrieb nach Januar wieder aufgenommen werden kann, darüber zeigten sich Fahrschulinhaber aus der Region gegenüber den OVB-Heimatzeitungen skeptisch.

„Wir mussten quasi im laufenden Übungsbetrieb schließen, und zwar aufgrund der hohen Inzidenzzahlen bereits am 8. Dezember“, berichtet Timo Lochner. Die Kapazitäten der vier fest- und drei geringfügig angestellten Fahrlehrer seien dabei auch im Vollbetrieb nicht beliebig erweiterbar. „Ich bin mir sicher, dass die Situation erneut zu langen Wartezeiten für Neuschüler führen wird“, sagt Lochner.

Azubis haben es besonders schwer

Gerade Auszubildende, die noch bis Jahresende den Führerschein machen wollten, stünden durch den abrupten Prüfungsstopp vor einem Problem. Ihnen fehlten die Mitfahrgelegenheiten bei Kollegen, die in Kurzarbeit geschickt wurden. Wie Lochner berichtet, hätten bereits im Juni und Juli eine ganze Reihe von Fahrschulen keine neuen Schüler mehr aufgenommen. Da es nicht genügend Fahrlehrer gebe, sei der Markt stark umkämpft. Umgekehrt werde bei einigen Kollegen auch durch die Kurzarbeit die Situation schwierig. „60 oder – mit Kind – 67 Prozent des Gehalts zu bekommen, damit kommt man ein oder zwei Monate zurecht. Bei drei, vier oder mehr Monaten wird es bei den meisten eng.“ Er hoffe, dass nach dem Lockdown noch alle Kollegen einsatzbereit seien.

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„Die Stimmung ist sehr durchwachsen“, ergänzt Lochners Kollege Josef Heindlmeier aus Prien. Der Fahrschulinhaber betreibt Zweigstellen in Rimsting und Eggstätt. Nach der Schließung im Frühjahr sei der Andrang „extrem und fast nicht zu stemmen“ gewesen, berichtet er. Bis aus Kiefersfelden, Bruckmühl oder Wasserburg hätten Eltern ihre Kinder zu ihm in die Fahrschule gebracht. „Wir standen kurz vor dem Aufnahmestopp.“ Mit online verfügbaren Testfragen und Videos könnten sich die rund 300 Fahrschüler übergangsweise auf die Theorieprüfung vorbereiten, sagt Heindlmeier.

Die Praxis bereitet Vielen Probleme

Was die Fahrpraxis betrifft, so ist diese nicht nur durch Corona erschwert: Schon seit gut zehn Jahren beobachtet der Fahrlehrer gewisse Problemfelder bei den jungen Fahrschülern: Zu Schwächen mit der Feinmotorik und Sehproblemen, die er allgemein bei ihnen feststelle, dazu kämen zunehmend Schwierigkeiten bei der Gefahreneinschätzung im Verkehr.

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Die Vermutung: Die häufige Nutzung sozialer Medien, Smartphone & Co. sorgen für eine verminderte Konzentrationsfähigkeit. Das bestätigt auch Sören Heinze vom Autoclub Europa (ACE): „Viele Führerschein-Anwärter tun sich in Zeiten von Instagram und Internet schwerer mit dem Lernen.“ Die Quote derer, die bei der Prüfung durchfallen, ist in den vergangenen Jahren laufend gestiegen. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts lag die Durchfallquote in der theoretischen Prüfung in Deutschland zuletzt bei rund 36 Prozent, in der praktischen Prüfung bei rund 30 Prozent. Dazu kommt, sagt Heindlmeier: Durch die Verzögerungen der Lockdowns könne die durchschnittlich drei bis viermonatige Fahrschulausbildung bis zur Prüfungsreife schnell doppelt so lange dauern. „Sowas nagt auch an der Motivation der Schüler.“

In Hamburg wurde weiter unterrichtet

Die erzwungene Arbeitspause verdrießt auch Peter Haller, der in Traunstein, Bergen und Siegsdorf mit einem Kollegen Fahrschulunterricht anbietet. „Ich rechne je nach Infektionszahlen damit, dass wir nicht vor Februar oder März wieder aufsperren können.“ Er versteht nicht, dass ausgerechnet Fahrschulen dichtmachen mussten, obwohl hier kein Infektionsrisiko bekannt wurde. In Hamburg und Baden-Württemberg durften die Fahrschulen nach dem Lockdown noch weiter unterrichten.

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