„Die fetten Jahre in Gstadt sind vorbei“ – Gemeinde stellt Haushalt vor

Viele Touristen lockt die Idylle am Chiemsee,, doch die Gewerbesteuer ist stark eingebrochen.
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Viele Touristen lockt die Idylle am Chiemsee,, doch die Gewerbesteuer ist stark eingebrochen.

Einbrüche bei der Gewerbesteuer und vorsichtige Investitionen –die Corona-Pandemie macht auch vor Gstadt nicht Halt. Mit welchem Haushalt Bürger in diesem Jahr rechnen müssen.

Von Hans Thümmler

Gstadt/Breitbrunn– „Die fetten Jahre“ sind vorbei, so kommentierte Bürgermeister Bernhard Hainz den Haushalt 2020, der Corona bedingt, erst jetzt, in Höhe von 5,2 Millionen Euro einstimmig vom Gemeinderat in der Chiemseehalle Breitbrunn verabschiedet wurde.

Trotz des massiven Rückgangs bei der Gewerbesteuer auf 1,4 Millionen Euro habe die Gemeinde ihre wichtigsten Ziele in allen Bereichen erfüllen können. Die vergangenen Jahre gestatteten der Gemeinde einen Aufbau der Rücklagen auf jetzt 3,2 Millionen Euro, was den Haushalten der kommenden Jahre zugutekommen werde, so Hainz.

Wegen Corona werden die Reserven angepackt

Für die Finanzierung des Haushaltes 2020 in Höhe von 3,87 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt (eine Mehrung von 5,18 Prozent) und 1,3 Millionen Euro im Vermögenshaushalt (eine Minderung von 37, 9 Prozent, gegenüber dem Vorjahr) muss die Gemeinde auf ihre Rücklagen zugreifen: Der geplante Rücklagenstand zum Jahresende beläuft sich auf rund 2,5 Millionen Euro im Haushalt.

Ferner stehen dem Vermögenshaushalt nicht verbrauchte Investitionen aus den Vorjahren von 572 000 Euro und ein Überschuss aus dem Vorjahr von 413 600 Euro zur Verfügung.

Drastische Einbrüche

Die Hebesätze der Gemeindesteuern bleiben gleich und ein Kredit braucht nicht aufgenommen werden. Thomas Wagner, Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft, erläuterte den Haushalt, dem wie er betonte, ein drastischer Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen getroffen habe. So seien jetzt nach einer einmaligen Nachzahlung im Haushaltsjahr 2020, ab dem Jahre 2021 nach aktuellem Kenntnisstand Gewerbesteuereinnahmen von nur noch 400 000 Euro jährlich zu erwarten.

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Dadurch könne in den kommenden Jahren planmäßig keine Pflichtzuführung zum Vermögenshaushalt mehr erwirtschaftet werden. Durch den vorausschauenden Aufbau von Rücklagen könne jedoch, so Wagner, der Zeitraum niedriger Gewerbesteuereinnahmen überbrückt werden. Ziel müsse es aber sein, mit einer Verbesserung der Einnahmeseite und Reduzierung der freiwilligen Ausgaben, langfristig wieder eine möglichst hohe Zuführung an den Vermögenshaushalt erwirtschaften zu können.

Zweitwohnsteuer und höhere Gebühren

Wagner erklärte, dass die bereits beschlossene Einführung der Zweitwohnungssteuer ab 2021 und kostendeckende Gebühren im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung ab 1. Januar 2021 die ersten Schritte in dieser Richtung seien. Dies solle erst noch beschlossen werden.

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Sämtliche Personalausgaben betragen 415  800 Euro, das sind 10,74 Prozent des Verwaltungshaushaltes. An Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft sind 339 000 Euro zu entrichten, 8,76 Prozent des Verwaltungshaushaltes.

Hohe Kreisabgabe

Die wichtigsten Einnahmen sind nach der Gewerbesteuer in Höhe von 1,4 Millionen Euro, der Anteil an der Einkommenssteuer mit 550000 Euro und an der Umsatzsteuer von 120 000 Euro. Die Grundsteuern bringen fast 200 000 Euro.

Die Kreisumlage verschlingt dagegen 1,15 Millionen Euro und an Umlage aus der verminderten Gewerbesteuer sind immerhin noch 155 000 Euro fällig..

Vorsichtige Investitionen in 2020

Die Gemeinde war 2020 sehr sparsam mit den Investitionen, wie der Bürgermeister hervorhob. So wurde die geplante Wasser- und Kanalsanierung des Ortsteiles von Loiberting zurückgestellt.

Eine größere Ausgabe verschlang die Anschaffung eines Drehkreuzes um damit die Automatisierung der bisher kostenlosen Benutzung der Toiletten im Verkehrsbüro zu ermöglichen. Der Inselweg wurde ausgebaut und notwendige Straßenausbesserung vorgenommen. Gollenshausen erhielt eine neue, sparsame Straßenbeleuchtung.

Beschlossen wurde auch die Investitionsplanung. Diese sehe 2021 auch Ausgaben für das geplante Einheimischen-Baugebiet am Maierholz vor. Ein Dank galt Kämmerer Wagner für die sorgfältige und vorsichtige Aufstellung des Haushaltes.

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