Was ist der Grund?

Magdalena Neuner und andere Sportler sind keine Botschafter für Irmengardhof in Gstadt mehr

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  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Das Erholungsheim für schwerkranke Kinder in Gstadt steckt selbst in einer schweren Krise: Der Irmengardhof der Björn Schulz Stiftung steht ohne seine Botschafter da. Bisher waren Magdalena Neuner, Steffi Böhler und Tobias Angerer die Gesichter des Hofs, rührten die Werbetrommel für Spenden. Im Vorstand kann man sich nicht erklären, warum sie ohne Erklärung ihre Ämter nieder gelegt haben.

Gstadt – Was ist los am Irmengard-Hof? Nicht nur ist der Erholungsort für schwerkranke Kinder und ihre Familien, getragen von der Berliner Björn Schulz-Stiftung, wegen Corona heuer zum zweiten Mal geschlossen. Nun wurde auch bekannt, dass es in den vergangenen Monaten intern zahlreiche Veränderungen gegeben hat. Wie die Chiemgau-Zeitung erfahren hat, wurden die Hauseltern Monika und Jochen Frank betriebsbedingt gekündigt. Die langjährige Leiterin des Hofs, Marjon Bos, ging in den Vorruhestand – neue Leiterin ist nun Renate Zahnbrecher. Sie ist bereits seit vier Jahren im Haus, hat zuvor den Sozialpädagogischen Bereich geleitet.

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Die Sportler schweigen

Was den Hof laut Stiftung besonders schwer trifft: Quasi über Nacht sind alle drei Botschafter abgesprungen – wie sich erst jetzt herausstellte, bereits im Sommer. Die beliebten Sportler-Persönlichkeiten Magdalena Neuner, Steffi Böhler und Tobias Angerer. Neuner war seit 2016 Schirmherrin des Hofs.

Nur bei ihr findet sich auf Facebook die knappe Nachricht: „Aus persönlichen Gründen habe ich dieses Amt nun niedergelegt und freue mich auf neue Aufgaben.“ Auf die Anfrage unserer Zeitung reagiert Neuner gar nicht, Böhler und Angerer richten aus, sich dazu nicht äußern zu wollen. Auch bei der Gemeinde Gstadt kennt man die Gründe nicht. Die Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Rosenheim, Daniela Ludwig, gehört zwar zu den Repräsentanten der Stiftung, will sich aber zu den Geschehnissen in Gstadt ebenso nicht äußern, weil sie selbst keine Botschafterin des Hofs sei. Bei der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, welche die Stiftung beaufsichtigt, hat man laut Sprecher Michael Reis „keine Erkenntnisse“ in puncto Botschafter.

Möglicherweise Gerüchten aufgesessen?

Wer sich zu Wort meldet, ist Bärbel Mangels-Keil aus Berlin, Vorständin der Björn Schulz-Stiftung. Unserer Zeitung erklärte sie, dass auch die Stiftung der Rückzug von Schirmherrin und Botschaftern „kalt erwischt“ habe: „Wir wussten nichts davon, bis ich eines Morgens eine E-Mail von Frau Neuner bekam, sie lege das Amt aus persönlichen Gründen ab. Es folgte keine weitere Begründung, keine Verabschiedung, nichts.“ Böhler und Angerer wären ihr sofort gefolgt in der Entscheidung. „Ich habe allen Dreien daraufhin einen Brief geschrieben“, erzählt Mangels-Keil. Der Brief an Magdalena Neuner liegt auch unserer Redaktion vor. Die Sportler ermutigt das Schreiben, sich offen zu äußern: „Es könnte ja sein, dass sie irgendwelchen Gerüchten aufgesessen sind.“ Gerüchte, wie sie sich bei einer Stiftung womöglich um das Thema Spendengelder drehen könnten. Aber diesbezüglich gebe es nichts zu beanstanden, versichert die Vorständin: „Wir sind zertifiziert, dürfen das als besonders streng geltende DZI-Spendensiegel tragen.“

Laut Senats-Sprecher Reis seien der Stiftungsaufsicht im Zusammenhang mit der Mittelverwendung „keine Umstände bekannt geworden, die ein aufsichtsrechtliches Einschreiten veranlasst hätten“.

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Bis heute seien die Sportler ihr eine Antwort auf die Briefe schuldig geblieben. Mangels-Keil sagt, sie bedauert das sehr: „Wir können nichts gegen die Entscheidung tun. Aber wie sie sich verhalten, ist ungut, weil wir den Spendern verpflichtet sind.“

Betreuung auch ohne Hauselternpaar

Gerade jetzt hätte der Hof jede Unterstützung nötig: „Das Haus wird nur über Spenden finanziert, und wegen Corona haben viele Familien im Sommer ihren Urlaub abgesagt.“ Die finanzielle Situation sei angespannt. Die neun Mitarbeiter seien in Kurzarbeit.

Allerdings kann Mangels-Keil die personellen Veränderungen im Haus erklären: 2019 habe sie einen Unternehmensberater beauftragt, zu prüfen, inwieweit das Haus ausbaufähig sei: „Die Familien kommen überwiegend in den Ferien, wir brauchen aber dringend auch außerhalb dieser Zeiten verlässliche Einnahmen.“ Sie hofft, weitere Zielgruppen für einen Urlaub auf dem Hof anzusprechen. Der Berater indes sei zu dem Schluss gekommen, dass die Betreuung der Gäste auch ohne das Hauselternpaar gewährleistet sei. Ihre weitere Beschäftigung sei für das Haus zu teuer gewesen.

Es geht um den Erhalt des Erholungsheims

Dass Leiterin Bos während des ersten Lockdowns in den Vorruhestand ging, sei Zufall: „Sie hatte das schon lange geplant“, sagt die Vorständin dazu.

Im Moment beherbergt der Hof laut Renate Zahnbrecher nur vereinzelt Familien, und auch nur in sehr begründeten Fällen. Wann wieder mehr Gäste aufgenommen werden dürfen, muss die Stiftung abwarten. „Dem Hof geht es momentan nicht gut“, resümiert Mangels-Keil, „aber wir geben ihn auf keinen Fall auf. Wir stehen zum Standort und tun alles dafür, dass wir ihn fortführen können.“ Noch sei nicht der richtige Zeitpunkt gekommen, um nach neuen Botschaftern zu suchen.

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