Die Bienen hungern: Heuer ist für Imker im Chiemgau kein Honigschlecken

Gerhard Lackner bei seinen Bienen in der Gemeinde Nußdorf. Bedauernd schaut er auf die Waben, in denen sich nicht ein Tropfen Honig befindet.
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Gerhard Lackner bei seinen Bienen in der Gemeinde Nußdorf. Bedauernd schaut er auf die Waben, in denen sich nicht ein Tropfen Honig befindet.

Ertrag an Wald- und Blütenhonig liegt weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Gründe sind vielfältig – meist war das Wetter schuld. Bienen müssen gefüttert werden, damit sie nicht verhungern.

Von Klaus Oberkandler

Traunstein –In diesem Jahr wird es so gut wie keinen Waldhonig geben. Auch der Ertrag beim Blütenhonig in der Region liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Für die Imker in der Region ist es kein gutes Jahr. Je nach Standort der Bienenvölker liegt der Ertrag nur bei zehn bis 30 Prozent dessen, was ein Volk in „normalen“ Jahren einträgt. Mancherorts konnten Imker überhaupt keinen Honig schleudern. Sie müssen zufüttern, damit ihre Bienen nicht verhungern.

„Die Blütezeit ist vorbei, und der Wald honigt heuer nicht“, so Luise Mitterreiter, die Gesundheitswartin des Kreisverbandes Traunstein im Verband bayerischer Bienenzüchter. Sie ist auch Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Nußdorf-Traunwalchen-Chieming.

Bienen brauchten in der Kaltphase ihren Honig selbst

„Es ist heuer kein einfaches Bienenjahr. Durch das trockene Frühjahr war der Blütenhonig spärlich, außer bei Standorten mit viel Ahorn. In der anschließenden Kaltphase verbrauchten die Bienenvölker das meiste selbst und durch den vielen Regen sind die Honigtau-Erzeuger verschwunden. Die Völker brauchen jetzt Futter, damit sie Brutnester anlegen und damit eine große Zahl von Winterbienen vorhanden ist. Außerdem schläft die Varroamilbe nicht.“ Das Jahr sei für Imker „kein Honigschlecken“. Wetterbedingt, so sagt sie, fällt die Honigernte buchstäblich ins Wasser. Oft reiche der gesammelte Honig für die Völker kaum zum Überleben.

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Die Heimatzeitung startete eine Umfrage bei Imkern in der Region. Sie berichten ebenfalls von schlechten Erträgen, aber dass die Ernte ganz ins Wasser gefallen sei, wollen sie nicht bestätigen.

Günther Roßmanith aus Trostberg spricht von einer halbwegs zufriedenstellenden Ausbeute beim Blütenhonig. Danach habe es aber so gut wie nichts mehr gegeben, also keinen Waldhonig. Auf etwa fünf Kilo schätzt er den durchschnittlichen Ertrag pro Volk. In guten Jahren sind es 30 bis 35 Kilo. Er betreut acht Bienenvölker.

„Es ist halt ein schlechtes Jahr“

Gerhard Lackner aus Aiging bei Nußdorf hat etwa 40 Völker und betreibt die Imkerei gemeinsam mit seinem Sohn Christian. Seine Bienen auf dem Westerbuchberg hätten noch das beste Ergebnis gebracht: rund 15 Kilo Blütenhonig. In Aiging seien es zwölf bis 14 gewesen, in Wang und Nußdorf konnte er gar nicht ernten. Beim Waldhonig sehe es schlecht aus.

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Hans Kröger, der in Kammer knapp 20 Völker betreut, hatte eine Ausbeute von etwa fünf Kilo Blütenhonig pro Volk, also auch nur einen Bruchteil der normalen Ernte. Und für den Waldhonig hat er keine Hoffnung mehr. „Es ist halt ein schlechtes Jahr“, stellt er bedauernd fest.

Und was sagt Hans Ziller aus Lauter, einer der „Altmeister“ unter den heimischen Imkern? Er hat sich durch eine Reihe von Fachveröffentlichungen einen Namen gemacht und betreibt das Hobby seit 57 Jahre, „aber ein Jahr wie heuer habe ich noch nicht erlebt“, gesteht er. Die Ausbeute beim Blütenhonig lag bei durchschnittlich zwölf Kilo pro Volk. An seinem zweiten Standort bei Großgmain nahe Salzburg waren es sogar mehr als 20 Kilo. Und jetzt seien dort schon wieder an die zehn Kilo in jedem Stock. Er vermutet, dass der von den Linden stammt.

Erträge in Salzburg gut, in Traunstein aber eher schlecht

Die guten Erträge in Salzburg führt er auf die nassen Böden zurück. „Aber hier in Traunstein gibt’s heuer kein Tröpferl Waldhonig“, bedauert Zillner. Noch in den 1970er-Jahren hätten die Imker ihren Honig nur einmal pro Jahr geschleudert, heute tun sie das zweimal: Im Juni gewinnen sie so den Blütenhonig, anschließend den Waldhonig. Früher war es ein Mischhonig, den man geschleudert und zum Verkauf angeboten hat.

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Luise Mitterreiter empfiehlt den Imkerkollegen angesichts der außergewöhnlichen Situation, die überwiegend leeren Honigräume abzunehmen, mit der Einfütterung zu beginnen und die Varroa-Behandlung zu starten. Denn wenn die Bienenvölker durch den Futtermangel schon geschwächt sind, hat die Milbe leichtes Spiel.

„Unser Ziel sind starke, gesunde Völker. Sie werden gut über den Winter kommen. Vielleicht wird ja nächstes Jahr ein besseres Honigjahr“, hofft sie.

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