Die bewegte Geschichte der Kriegsopferglocke von Breitbrunn

Die neue Gedenktafel (vorne Mitte) für den Glockenstuhl, bei dessen Errichtung Veteranen-Vorsitzender Wolfgang Lorenz selbst Hand angelegt hatte.
+
Die neue Gedenktafel (vorne Mitte) für den Glockenstuhl, bei dessen Errichtung Veteranen-Vorsitzender Wolfgang Lorenz selbst Hand angelegt hatte.

Allerheiligen und der November sind die Zeit des Gedenkens. Dafür gibt es verschiedene Symbole – auch Kirchenglocken. Der Breitbrunner Dorfarchivar Franz Burghardt hat für die sogenannte Kriegsopferglocke der Pfarrkirche St. Johannes eine Gedenktafel erstellt und an die Breitbrunner Veteranen übergeben. Die Glocke steht am Kriegerdenkmal.

Breitbrunn – Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung berichtet der Dorfarchivar über die bewegte Geschichte.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges benötigte man zur Produktion von Waffen jegliche Art von Metall. 1917 wurden zwei von drei Glocken aus dem Breitbrunner Kirchturm konfisziert und eingeschmolzen.

140 Bürger spendeten 1917 für die Glocke

Trotz größter Not beschloss die Gemeinde drei Jahre nach Kriegsende eine neue Glocke zu beschaffen. Dafür spendeten 140 Bürger, meist Kriegsveteranen, teils erhebliche Summen.

Diese Messingglocke für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs – 190 Kilogramm schwer – bekam die Inschrift „Gedenket der Opfer des Krieges 1914 – 1918“.

Die damalige Inflationtrieb den Kaufpreis von 3900 Mark bei Vertragsabschluss auf 360 000 Mark.

Den Glockenstuhl aus gespendetem Eichenholz erneuerte Johann Fuchs, Zimmermeister aus Urfahrn (später Lausch), weiß Wolfgang Lorenz, Vorsitzender des Veteranenvereins. Im März 1923 wurde die Glocke geweiht und in den Glockenstuhl gehievt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gab es eine ähnliche Situation: Die Machthaber zogen zwei Glocken vom Breitbrunner Kirchturm zur Waffenherstellung ein. Nur die Kriegsopferglocke blieb unbehelligt.

1949 beschloss die Kirchengemeinde, Neuauflagen der annektierten Glocken in Auftrag zu geben – wegen Messingmangels allerdings aus Euphonbronze, einer Kupfer-Zink-Legierung.

Als das Glockenläuten 1968 von mechanisch auf elektronisch umgestellt werden sollte, musste der hölzerne Glockenstuhl einer Stahlkonstruktion weichen. Bei dieser Gelegenheit sollte die „Kriegsopferglocke“ umgegossen werden, da man auch der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gedenken wollte. Weil die Klangfarben von Messing und Euphonbronze allerdings zu unterschiedlich sind, wurde eine neue Glocke in Auftrag gegeben. Sie wurde 1971 geweiht. Die alte Glocke verschwand im Glockenturm. Sie sollte zwischendurch ssogar einmal „für soziale Zwecke verkauft werden sollte“, wie Lorenz weiß.

Zum 175. Gründungsjubiläum der Veteranen 2013 tüftelte der jetzige Vorsitzende einen freistehenden Glockenstuhl, den er in Zusammenarbeit mit dem mittlerweile verstorbene Zimmermeister Stefan Lausch in die Tat umsetzte.

Nach Rücksprache mit der Gemeinde Breitbrunn wurde das Konstrukt nun vor dem örtlichen Kriegerdenkmal aufgestellt. Mit dem Aufstellen der Gedenktafel schießt sich nun der Kreis um die Geschichte der Kriegsopferglocke.

Karl Wastl

Kommentare