Klinikseelsorgerin

Wie Christine Wackerbarth in Prien Menschen durch Trauer, Trauma und Vergebung begleitet

Christine Wackerbarth, evangelische Pfarrerin aus Prien, ist seit gut zwölf Jahren auch Seelsorgerin der vier lokalen Krankenhäuser und der Klinik Roseneck. Hier ist sie in ihrem Seelsorgebüro, wo sie sich mit Klienten trifft.
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Christine Wackerbarth, evangelische Pfarrerin aus Prien, ist seit gut zwölf Jahren auch Seelsorgerin der vier lokalen Krankenhäuser und der Klinik Roseneck. Hier ist sie in ihrem Seelsorgebüro, wo sie sich mit Klienten trifft.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Christine Wackerbarth ist nicht nur evangelische Seelsorgerin für die Priener Kliniken, sondern auch noch Ansprechpartnerin für die Mitglieder ihrer Kirchengemeinde. Mit viel Engagement schafft sie es, Brücken zwischen beiden Klientengruppen zu bauen – zum Beispiel an Weihnachten.

Prien – Sie hat die Zeit, die Menschen in Ausnahmesituationen dringend brauchen: Christine Wackerbarth ist Klinikseelsorgerin in Prien und führt intensive, therapeutische Gespräche mit Erkrankten. Die Spiritualität kommt dabei, sofern vom Patienten erwünscht, nicht zu kurz: Wackerbarth, 61 Jahre, ist evangelische Pfarrerin und hat mehrere Jahre an der Seite ihres Mannes, Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth, gearbeitet. Bis 2008: „Da wurde die Stelle als Klinikseelsorgerin frei, die Kinder waren aus dem Gröbsten heraus, und ich wollte die Aufgabe übernehmen“, erinnert sich die vierfache Mutter.

Nicht immer sind die Klienten evangelisch

Zeit ist freilich nicht das einzige, was sie dafür braucht. Die Pfarrerin ist therapeutisch ausgebildet, beispielsweise für den Umgang mit Trauer, Traumata, Schuld und Vergebung. Hauptsächlich ist Wackerbarth in den Kliniken St. Irmingard, Roseneck und in der Romed Klinik tätig, auf Anfrage der Patienten auch im Medical Park .

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So hat sie überwiegend mit Menschen zu tun, die psychosomatisch erkrankt sind, an Krebs leiden oder zur längeren Reha in Prien sind. „Nicht alle sind evangelisch, das ist auch kein Muss für die Zusammenarbeit“, stellt sie klar. Oft suchten Andersgläubige ganz bewusst den Kontakt zu ihr, obgleich es auch eine katholische Seelsorgerin in Prien gibt: „Im Krankenstand haben viele erstmals Zeit, sich mit Spiritualität auseinanderzusetzen und möchten etwas Neues ausprobieren.“

Gespräche nicht nur am Krankenbett

In „ihren“ Kliniken hält Wackerbarth Andachten ab, zu denen jeder kommen kann, und ist meist schon eine Weile vorher da: „So können mich die Menschen zwanglos ansprechen. Oft merkt man dann erst, dass ein Bedarf da ist.“ Auch durch ihre Flyer werden Menschen auf sie aufmerksam. Nur bei den evangelischen Krankenhauspatienten des Romed-Klinikums habe sie eine Liste mit Namen. Bei den Patienten der anderen Häuser sitze sie jedoch nicht mehr am Bett: „Überwiegend finden die Gespräche am Telefon, per Mail, oder in meinem Seelsorgebüro im evangelischen Gemeindehaus statt.“

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Dass sie dieses nach Jahren ohne einen festen Arbeitsplatz bekommen hat, darüber freut sie sich immer noch. Hier kann sie ganz in ihrer seelsorgerischen Arbeit aufgehen, ihre „Leidenschaft“, wie sie sagt. Und besondere Rituale mit ihren Klienten durchführen, ein wichtiger Baustein in der Heilungsarbeit.

Ob ihre Arbeit fruchtet, erfährt Wackerbarth nicht immer: „Es gibt Menschen, da habe ich nach einem Gespräch das Gefühl: Das war es, was derjenige in diesem Moment gebraucht hat und es hat auf Anhieb geholfen. Manche aber brauchen Begleitung über einen langen Zeitraum, bisweilen über Jahre.“

Heilsame Rituale an Weihnachten

Wackerbarth ist auch Seelsorgerin für die Mitglieder ihrer evangelischen Gemeinde. Sie trennt diese Gruppe nicht von den Patienten, baut vielmehr Brücken: So organisiert sie seit Jahren eine Waldweihnacht für Klienten und jeden, der teilhaben möchte: „Dadurch gibt es gegenseitige Kontakte, es sind Freundschaften entstanden.

Wir gehen zu einem Schafstall, dort erwarten uns der Posaunenchor und ein Lagerfeuer“, schwärmt Wackerbarth. Sie hat erlebt, dass dieses Erlebnis einen heilsamen Effekt auf die Klienten hat: „Einmal hat es ordentlich geschneit. Ein Patient stand abseits von der Gruppe und telefonierte mit Verwandten. `Es ist genau so, wie ich mir Weihnachten immer vorgestellt habe´, hat er ins Handy gerufen, das hat auch mich glücklich gemacht.“

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