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Managementplanung „Natura 2000“

„Die Almwirtschaft erhalten“ - So wollen die Bauern es trotz Herausforderungen schaffen

Bürgermeister Josef Loferer (Mitte) begrüßt auf der Hinterdalsen-Alm die Teilnehmer des Treffens.
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Bürgermeister Josef Loferer (Mitte) begrüßt auf der Hinterdalsen-Alm die Teilnehmer des Treffens.
  • VonSybilla Wunderlich
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Almbauern, Grundeigner, Behörden und Fachleute im Gespräch: Managementplanung „Natura 2000“ für das Gebiet Geigelstein stand im Mittelpunkt, denn die Almwirtschaft steht vor großen Herausforderungen.

Schleching – Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein (AELF) hatte zu einem „Runden Tisch“ zum Entwurf der Managementplanung „Natura 2000“ für das Gebiet „Geigelstein und Achentaldurchbruch“ eingeladen. Das Treffen fand auf der Hinterdalsen Alm statt und wurde moderiert von Dominik Zellner, Gebietsbetreuer „Wald Natura 2000“ am AELF Traunstein. Grundstückseigentümer, private Bürger, Verbände und Kommunalvertreter können am Runden Tisch ihre Belange und Interessen einbringen.

Herausforderungen durchzunehmenden Tourismus

Schlechings Bürgermeister Josef Loferer begrüßte unter anderem Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern, Unteren- und Oberen Naturschutzbehörde, das Kartierteam AELF Ebersberg, Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten sowie betroffene Almbauern. Loferer betonte, dass nach jahrelanger Erfahrung mit dem Thema „Naturschutzgebiet“ jetzt noch weitere Herausforderungen durch den ansteigenden Tourismus zu berücksichtigen seien. Jeder könne den Entwurf des Managementplans einsehen. Er wünsche sich eine sachliche Diskussion darüber und eine gesamtheitliche Betrachtung, „damit im nächsten Jahrzehnt und Jahrhundert die Almwirtschaft weiter bestehen kann“, sagte Loferer.

In den Fachvorträgen ging es unter anderem bei dem Vortrag von Johannes Buhl (Kartierteam) um Lebensraumtypen und Arten im Wald in diesem Gebiet. In der Bewertung bezeichnete er den Bergmischwald über 1550 Hektar hier in einem günstigen Erhaltungszustand. Beeinträchtigung sah er durch Wildverbiss und schlug eine Reduktion vor, aber als allgemeines Fazit nannte er ein „weiter so“.

Zu dem Thema „Lebensraumtypen und Arten im Offenland“ referierte Albert Lang (Büro Naturschutz und Mediation). Dazu gehören die Almgebiete, Felsen, Schuttbereiche, Moore, Fluss- und Bachbette und steile Lawinenrasen. Als besonders wertvoll bezeichnete er die ausgedehnten von vielen seltenen und gefährdeten Arten bereicherten alpinen Kalkrasen. Zu finden sind laut Lang auch Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden, die einen überlebenswichtigen Lebensraum für diverse Vogelarten wie die Raufußhühner bieten.

Jörg Oberwalder (coopNATURA) referierte zum Thema „Vogelschutzgebiet Geigelstein“. Er verwies auf einen Lebensraum für 19 Vogelarten, wie beispielsweise die besonders störempfindlichen Birk-, Hasel- und Auerhühner oder für Felsbrüter wie den Steinadler, in Baumhöhlen brütende Waldarten wie Spechte (Totholzbereiche) und Käuze oder spezialisierte Vögel der Almen wie Bergpiper und Zitronenzeisig.

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Kritik kam in der Diskussionsrunde unter anderem von Franz Wörndl, Besitzer der Hinterdalsen Alm, den indirekt den Managementplan infrage stellte. Im Jahr 1990 sei besprochen worden, dass die Almen vor dem Massentourismus geschützt werden sollen, heute wäre der Tourismus aber trotzdem fünfmal so hoch. Außerdem komme aus dem Wald – für den der Forst zuständig sei – das Ungeziefer und „es drohen weitere Probleme mit dem Wolf und dem Biber“.

Auf das Wasser-Problem hingewiesen

Josef Loferer verwies in seiner Eigenschaft als Almbauer auf das Wasser-Problem im Geigelsteingebiet hin, „dort werden neue Quellfassungen dringend gebraucht“. Eine große Erschwernis sei besonders, dass es auf das 1700 Meter hoch liegende Gebiet keine Zufahrt gibt, ergänzte ein weiterer Almbauer. „Die Viecher verdursten bei Trockenheit. Die Weide in Zukunft so zu erhalten wird unmöglich.“ Ziel sollte hier sein, die Beweidung auszubauen, damit die Almweide nicht weiter verbuscht und die seltenen Pflanzen und Tiere keinen Lebensraum mehr finden.

Kompromisse finden

„Es ist unser oberstes Ziel, die Almwirtschaft zu erhalten“, war der Tenor der Antworten aus dem Kreis der Fachleute. Es müssten Kompromisse und ein neuer Weg gefunden werden.

Almbesitzer Franz Wörndl.

Ein Bauer monierte, dass er bei einer geplanten Veränderung einer Tränke von einem Behördenmitarbeiter zum nächsten geschickt worden sei, weil sich keiner zuständig fühlte. Die Almfachberater Christian Tegethoff (Rosenheim) und Alfons Osenstätter (Traunstein) boten sich als Ansprechpartner an, um gegebenenfalls die richtige Stelle bei den Behörden ausfindig zu machen.

Maria Stöberl (Verband der Forstberechtigten) sprach die „unklar formulierten Punkte im Managementplan“ an, wie den Ausdruck „gelegentliche Beweidung“ und welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, wenn das Wasser ausgeht; sie wünschte sich klarere Formulierungen.

Die Antwort hierauf war, dass der Plan extra nicht so fixiert wurde, damit Anpassungsmöglichkeiten vorgenommen werden können. Außerdem klang durch, dass den Bauern genügend Sachverstand für die richtigen Entscheidungen unterstellt wurde.

Dominik Zellner forderte die Almbauern dazu auf, in den nächsten 14 Tagen Themen einzureichen, die im Managementplan fehlen.

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