Dicke Luft bei Wahl des Zweiten Bürgermeisters in Seeon-Seebruck

Der neue Bürgermeister Martin Bartlweber (links) vereidigt Norbert Maier und Dr. Christine Kosanovic als zweiten und dritten Bürgermeister der Gemeinde Seeon-Seebruck. Rasch

Schon in der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats von Seeon-Seebruck gab es dicke Luft. Die CSU konnte ihren Kandidaten für den Stellvertreterposten nicht durchsetzen. Stattdessen wurde mit Norbert Maier ein Parteifreier Vize des neuen Bürgermeisters Martin Bartlweber.

Seeon-Seebruck – Nach der verlorenen Bürgermeisterwahl im März, als der bisherrige Amtsinhalber Bernd Ruth abgewählt wurde, hat die CSU-Fraktion des Seeon-Seebrucker Gemeinderats jetzt eine weitere Niederlage hinnehmen müssen: Bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters in der konstituierenden Sitzung in der Turnhalle in Truchtlaching sind die Christsozialen als stärkste Fraktion erneut gescheitert.

Mit klarer Mehrheit wurde Norbert Maier von der Parteifreien Wählerschaft Truchtlaching (PWT) zum Zweiten Bürgermeister gewählt. Zur Dritten Bürgermeisterin wurde Dr. Christine Kosanovic von der Freien Wählergemeinschaft Seebruck (FWGS) gewählt. Die CSU, die Franz Wörndl ins Rennen geschickt hatte, fühlte sich ins Abseits gestellt und bezeichnete den Wahlausgang als eine Katastrophe. „Ich gratuliere Maier, aber ich tu mich hart, über das Ergebnis hinweg zu schauen“, sagte CSU-Gemeinderat Michael Regnauer.

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Angesichts des Versprechens, das der Erste Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) der CSU in einem Gespräch im Vorfeld der Sitzung der CSU gegeben haben soll, seiner Fraktion Franz Wörndl von der CSU als Wunschkandidat für das Amt des Zweiten Bürgermeisters vorzuschlagen, stellte Regnauer das Vertrauen in den Bürgermeister schon i nder konstituierenden Sitzung in Frage. Aus dem „vielgepriesenen Miteinander im Wahlkampf“ sei bereits in der ersten Sitzung ein „Untereinander“ geworden, kritisierte Regnauer. „Ich bin völlig schockiert und finde es zum Kotzen“ wetterte er.

Bartlweber zeigte sich ob der massiven Anschuldigungen erstaunlich gelassen und gab zu, Wörndl vorgeschlagen zu haben. „Es war mein klarerer Wunsch und das habe ich auch allen Fraktionen gesagt. Aber es ist jedermanns eigene Entscheidung“, so der Bürgermeister. Die Stimmung war ab diesem Zeitpunkt ziemlich angespannt und es brodelte gewaltig in der Turnhalle.

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Regnauer hatte Wörndl vorgeschlagen, auch vor dem Hintergrund, dass die CSU mit fünf Mitgliedern die stärkste Fraktion stellt. Wörndl hatte erklärt, dass er das Amt des Zweiten Bürgermeisters gern übernehmen wolle. Er habe sich mit Herzblut beim Neubau des Seebrucker Rathauses eingebracht und pflege auch einen sehr guten Kontakt mit der Verwaltung, sagte der 49-Jährige in einer kurzen Vorstellung.

Sein Mitbewerber, Norbert Maier, der von den Freien Wählern vorgeschlagen wurde, zeigte sich als fairer Kandidat kurz angebunden: „Wen immer ihr auch wählt von uns Zweien, es ist kein Verkehrter“.

Die bisherige Zweite Bürgermeisterin, Martha Gruber (FW) kandidierte nicht mehr. Wie sie sagte, habe sie anonyme Briefe erhalten, zu deren Inhalt sie sich nicht weiter äußerte, und wolle sich deshalb nicht mehr zur Wahl stellen.

Nach Ansicht des CSU-Fraktionsvorsitzenden Sepp Daxenberger hätten die Briefe, die aufs Schärfste zu verurteilen seien, nichts mit der gegenwärtigen Stellvertreterwahl zu tun: „Keiner weiß, was in den anonymen Briefen steht. Das jetzt einzubringen, hat damit nichts zu tun.“

Die CSU habe als stärkste Fraktion ihren Anspruch auf das Amt des Zweiten Bürgermeisters angemeldet, so Daxenberger. Gruber hingegen zog einen anderen Gesichtspunkt heran, in dem sie die Stimmen aller drei freien Wählergruppen zusammenfasste. Die CSU habe bei den Kommunalwahlen rund 13 000 Stimmen erhalten und die drei Freien Wähler mehr als 22 000 Stimmen, rechnete sie vor. „Deshalb stimmt es nicht, dass die CSU die stärkste Fraktion ist.“

Das Ergebnis der Wahl des Zweiten Bürgermeisters war für die CSU niederschmetternd: Norbert Maier erhielt elf Stimmen und Wörndl fünf.

Für das Amt des Dritten Bürgermeisters wurde mit Dr. Christine Kosanovic (FWGS) nur eine Kandidatin vorgeschlagen. Von den 16 abgegeben Stimmen entfielen zwölf auf Kosanovic, die sich eine offene und konstruktive Zusammenarbeit wünscht und als Juristin auch ihren Sachverstand mit einbringen möchte.

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Jeweils zwei Stimmen entfielen auf Michael Regnauer (CSU) und Anton Mayer von den Grünen. Mit Ausnahme von Manuela Krahl (CSU), die aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, waren alle restlichen 15 Gemeinderäte anwesend. Mit dem Bürgermeister waren es also 16 Wahlberechtigte.

Für den Fall, dass alle drei Bürgermeister verhindert wären, sollte laut Reglement das lebensälteste Gemeinderatsmitglied als Vertreter bestimmt werden. Mit 58 Jahren wäre Sepp Daxenberger dafür in Frage gekommen. Dieser verzichtete jedoch darauf. Deshalb ist dieser Posten vakant.

Vor der Wahl der Bürgermeisterstellvertreter wurden der neue Bürgermeister Martin Bartlweber und die neuen Gemeinderäte vereidigt. Die Vereidigung des Ersten Bürgermeisters nahm der bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewählte Zweite Bürgermeister Norbert Maier (60) als lebensältester Gemeinderat vor.

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