Deutschlands beste Schultanzgruppe kommt aus Prien: Auszeichnung vom Tanzsportverband

Die Mädchen der ausgezeichneten Tanz-AG mit gebührendem Abstand und (von rechts) Trainerin Jasmin Striffler (mit Blumen), Direktorin Kerstin Haferkorn (mit Urkunde) sowie Michael Braun und Christopher Neumeyer vom Vorstand des Bayerischen Landestanzsportverbands.
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Die Mädchen der ausgezeichneten Tanz-AG mit gebührendem Abstand und (von rechts) Trainerin Jasmin Striffler (mit Blumen), Direktorin Kerstin Haferkorn (mit Urkunde) sowie Michael Braun und Christopher Neumeyer vom Vorstand des Bayerischen Landestanzsportverbands.

„Unfassbar stolz“ war Kerstin Haferkorn, die Direktorin der Chiemsee-Realschule Prien, als ihre Tanz-AG den deutschen Meistertitelan den Chiemsee holte. Jetzt gabs zur Goldmedaille noch eins oben drauf: Die 25 Mädels wurden vom Deutschen Tanzsportverband mit Ehrennadeln ausgezeichnet.

Von Dirk Breitfuß

Prien – „Für besondere und hervorragende Verdienste um den Amateur-Tanzsport“ haben am Dienstag 25 junge Damen der Chiemsee-Realschule bronzene Ehrennadeln des deutschen Tanzsportverbands verliehen bekommen. Es war das erste Mal überhaupt in Bayern, dass diese Auszeichnung an eine Tanzformation aus einer Schule ging.

Die Ehrung war ein nachträglicher Lohn für den überraschenden Gewinn der deutschen Meisterschaft im Schultanzsport 2019 in Bad Kreuznach. Damals hatten die Schützlinge von Sportlehrerin Jasmin Striffler die Seriensiegerinnen aus Aschaffenburg mit ihrer Darbietung zu „This is me“, einem Song aus dem Kinohit „The Greatest Showman“, überlegen auf Platz zwei verwiesen. Fünf der sieben Wertungsrichter hatte die Prienerinnen auf Platz eins gesetzt, verriet bei der Preisverleihung Michael Braun, Jugendwart des Landestanzsportverbands Bayern. Im bayerischen Landesfinale hatten die Mädchen vom Chiemsee noch gegen Aschaffenburg des Kürzeren gezogen.

Zwangspause nach sechs Monaten Training

Heuer war Strifflers Truppe heiß auf die Titelverteidigung. Ein halbes Jahr hatten sie ihre Choreografie zum Hit „Wie schön du bist“ von Sarah Connor trainiert – vier Tage vor der ersten Hürde, dem Bezirksfinale, kam der Corona-Lockdown und die Absage. Seitdem haben sich die 25 deutschen Meisterinnen hauptsächlich mit Home-Trainings-Videos ihrer Lehrerin fit gehalten. Sportunterricht und Tanztraining gab es seitdem nicht mehr.

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Umso wehmütiger sahen viele bei der Preisverleihung noch einmal ein Handyvideo, das einer der mitgereisten „Fans“ aus Müttern und anderen Verwandten seinerzeit in Bad Kreuznach von der Tribüne der Sporthalle aufgenommen hatte. Ein gutes Dutzend

Für 17 der 25 deutschen Meisterinnen war dieser Triumph der letzte Wettkampf im Schultanzsport. Sie waren heuer Zehntklässlerinnen und beenden mit der Mittleren Reife ihre Laufbahn an der Chiemsee-Realschule.

Aber Prien könnte trotzdem eine Hochburg des Tanzsports an Schulen bleiben. Striffler jedenfalls ist optimistisch: „Da kommt einiges Gutes nach“, sagte sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Neben ihrer Siegertruppe aus den höheren Jahrgangsstufen haben sich an der Chiemsee-Realschule inzwischen zwei weitere Formationen zusammengefunden. Die 210-köpfige Treppe aus den sechsten bis achten Klassen trainiert Strifflers Sportlehrerkollegin Franziska Hierold, 28 Mädchen aus den fünften Klassen hat wiederum Striffler unter ihre Fittiche genommen.

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Alle drei Formationen wollten in diesem Schuljahr um Titel tanzen. Jetzt hoffen alle, dass nach den Sommerferien wie geplant wieder Sport- und damit Tanzunterricht möglich ist. Im September wird Tanzen an der Chiemsee-Realschule noch aus einem anderen Grund weiter an Bedeutung gewinnen: Vergleichbar unter anderem Bläserklassen an anderen Schulen mit Schülern verschiedener Blasinstrumente wird es im nächsten Schuljahr eine „Profil-Klasse Tanzen geben, kündigte Direktorin Kerstin Haferkorn bei der Preisverleihung an.

Bevor die 25 Tänzerinnen aus der Meistermannschaft in der Aula mit alkoholfreiem Sekt anstieß, flossen ein paar Tränchen. Als Teamkapitänin Juliane „Jule“ Schnaiter Striffler zum Dank einen Blumenstock überreichte, war die frühere Eiskunstläuferin sichtlich gerührt. „Es war eine unfassbar geile Zeit“, dankte Schnaiter der Lehrerin für die tollen Erfahrungen und schönen Momente der vergangenen Tanz- und Schuljahre.

Mischung aus Ehrgeiz, Erfahrung, Spaß und Disziplin

Schnaiter, Magdalena Scheck und Charlotte Amberger beschrieben im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung Strifflers Erfolgsgeheimnis als Mischung aus Ehrgeiz, Erfahrung, Spaß und Disziplin. Sie hat es offenbar geschafft, „ihre“ Mädchen immer zu fördern, zu lenken und bei Laune zu halten. Die Lehrerin hatte schon bei der Gründung der Chiemsee-Realschule vor knapp zehn Jahren eine Tanz-AG ins Leben gerufen. Den ersten Auftritt hatten ihre damaligen Schützlinge bei der Feier zur Namensgebung der Schule 2013.

Was mit den Ehrennadeln geschieht, war gestern noch nicht so klar. Die eine Tänzerin will sie zu einem Ohrring umgestalten, die andere an einem angemessenen Platz zuhause an die Wand pinnen. Darüber werden sich die Mädchen beizeiten den Kopf zerbrechen.

Bei der Preisverleihung hatten mindestens 17 von ihnen andere Prioritäten. Schließlich stand nach dem kleinen Sektempfang am Nachmittag für die Zehntklässlerinnen noch die Notenbekanntgabe von den Abschlussprüfungen auf dem Programm.

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