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Zwischen Dirigent Discjockey

Deshalb gibt der Leiter der Marktkapelle Grassau seinen Taktstock zwei Jahre später ab

Seinem Lieblingsinstrument will sich der scheidende Dirigent der Grassauer Marktkapelle, Stefan Fußeder, künftig wieder als Musiker in den Reihen des Ensembles widmen.
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Seinem Lieblingsinstrument will sich der scheidende Dirigent der Grassauer Marktkapelle, Stefan Fußeder, künftig wieder als Musiker in den Reihen des Ensembles widmen.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Am 26. Juni gibt der Dirigent der Marktkapelle Grassau, Wolfgang Diem, sein Abschiedskonzert. Ab dem Herbst übernimmt Stefan Fußeder den Taktstock von Diem, der sich in die Reihen der Musiker „zurückzieht“. Aber ganz geht er der Marktkapelle nicht verloren.

Grassau – Eigentlich wollte Wolfgang Diem nach 25 Jahren als Leiter der Grassauer Marktkapelle aufhören. Aber vor zwei Jahren kam es anders, als er sich vorgenommen hatte. Die Corona-Pandemie sorgte für eine Verlängerung. Der 58-Jährige wollte seine Musiker nicht im Stich lassen.

Nicht nach einem viertel Jahrhundert intensiver Erlebnisse gemeinsam mit der Marktkapelle. Diem improvisierte während der Corona-Lockdowns, ließ die Musiker am Waldrand aufspielen und organisierte Online-Proben, bei denen die Marktkapelle zu Aufzeichnungen der Berliner Philharmoniker spielte. Er sei gewissermaßen der Discjockey gewesen.

Jungen Musikern etwas bieten

1995 übernahm Wolfgang Diem die Leitung der Marktkapelle. Vorher leitete er sieben Jahre die Jugendkapelle des Musik- und Gesangvereins Grassau. Eine Herausforderung, ob der Größe des Ensembles, wie sich der heutige Leiter der Grassauer Musikschule erinnert. Zwischen 30 und 40 Kinder habe er in seiner Obhut gehabt. Aber die Aufgabe habe er gerne übernommen. Auch, um den jungen Musikern etwas zu bieten – abseits der Proben.

Übernachtungen auf einer Alm hätten ebenso zum Programm gehört wie Wildwasserfahrten. Diese Energie ließ er auch in seine Arbeit mit der Marktkapelle einfließen, als er sich für diese hinter das Dirigentenpult stellte. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass er seine Liebe zur Musik, seine Berufung, wie er sagt, schon in jungen Jahren gefunden hat. Geboren in Traunstein wohnte er mit seinen Eltern zunächst in Kienberg, bevor es für die Familie nach Grassau ging. 1975, mit elf Jahren, kam er das erste Mal an die Musikschule.

Berufswunsch Posaunist

Nach eher ernüchternden anderthalb Jahren in einer Jugendkapelle. „Ich wollte da nicht mehr spielen. Das war fürchterlich für mich, das reinste Chaos“, erinnert sich Diem. Der Funke für die Musik zündete schließlich durch seinen Vorgänger als Musikschulleiter Hans-Josef Crump, dem Diem eine fantastische Jugendarbeit attestiert.

„Damals bin ich voller Freude mit dem Fahrrad vom Unterricht nach Hause gefahren“, berichtet er, wie erfüllend seine Erfahrungen mit der Grassauer Musikschule gewesen seien. Und als er mit 14 Jahren eine Schallplatte der „Slokar Trombones“ geschenkt bekommen hatte, war für ihn klar: Er will Posaunist werden. Als „Berufungserlebnis“ bezeichnet er diese Zeit, nach der er sich keine Gedanken mehr darüber machen musste, wohin es ihn beruflich verschlagen würde.

Zweimal Bundessieger bei „Jugend musiziert“

Die kommenden Erfolge haben diesen Wunsch vielleicht noch beflügelt: Mit 15 ist er Bundessieger bei „Jugend musiziert“, zwei Jahre später wird ihm diese Auszeichnung erneut zuteil. 1980 war er Gründungsmitglied des Grassauer Blechbläserensembles und spielte zudem im Bayerischen Landesjugendorchester.

Die Posaune schätzt Diem, weil sie in allen Stilrichtungen daheim sei: Jazz, Klassik, Barock. „Gerade bei der Kammermusik für Blechbläser ist die Posaune fantastisch“, schwärmt Diem. Nach dem Abitur kam der Wehrdienst, den er beim Musikkorps in Garmisch absolvierte. Erneut nicht vergnügungssteuerpflichtig, wie er fand. Denn: „Marschmusik war nicht so mein Ding“. An der Musikhochschule München studierte er bei Dankwart Schmid Posaune.

Viele glückliche Momente

Warum es ihn nicht in München gehalten hat? „Ich hatte die große Entscheidung zu treffen, ob ich Orchestermusiker werden soll oder aufs Land gehe und Musiklehrer werde“, sagt Wolfgang Diem. In München hat der zudem die sogenannte Alexander-Technik kennengelernt. Eine Methode, die helfen soll, Körper und Verstand besser zu gebrauchen. Darüber habe er gemerkt, dass er mit Musikunterricht den Schülern zeigen könne, wie sie nicht nur mit ihrem Instrument, sondern auch mit sich selbst besser umgehen können.

Seinem Nachfolger Stefan Fußeder wünscht er, genauso viele glückliche Momente, wie sie ihm mit der Marktkapelle zuteilgeworden seien. Daran hegt Diem jedoch keine Zweifel: „Mit solchen Menschen, die sehr gut musizieren zu arbeiten, das ist für jeden Dirigenten eine Erfüllung.“

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