LEBEN MIT MUSIK

Den Ziachspieler von Rimsting, Thomas Oberloher, hört man oft im Freien üben

Thomas Oberloher musiziert gerne an schönen Stellen in der Umgebung.
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Thomas Oberloher musiziert gerne an schönen Stellen in der Umgebung.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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„Warum spielen Sie hier?“ fragen ihn seine Zuhörer oft – Thomas Oberloher aus Rimsting übt einfach gern draußen an der frischen Luft. Denn Ziachspielen will gelernt sein, Fingerfertigkeit ist gefragt. Wenn er in der Natur sein Instrument auspackt, gesellt sich oft ein zufälliges Publikum dazu.

Rimsting– Ein freies Stündchen am Tag, ein Sonnenstrahl. Und seine Ziach. Mehr braucht Thomas Oberloher aus Rimsting nicht, um seiner großen Leidenschaft nachzugehen: dem Harmonika-Spiel unter freiem Himmel. Mag sein, dass seine Freundin das jetzt nicht so gern liest. „Sie hat aber viel Verständnis für mein Hobby, auch wenn ich deswegen oft nicht daheim bin“, schmunzelt der 34-Jährige. Seit gut zwei Jahren verbringt der junge Mann, der auf der Ratzinger Höhe daheim ist, so viel Zeit wie möglich in der Natur. Nicht, ohne sein geliebtes Instrument mitzunehmen: „Zum Ziachspielen braucht´s viel Fingerfertigkeit, also muss man täglich üben.“

Er findet immer wieder Publikum

Das macht Oberloher dann draußen, auf einem der schönen Aussichtspunkte in seinem Heimatort oder auch mal auf einem Berg in der Nähe. Da bleibt es nicht aus, dass er die Aufmerksamkeit von Spaziergängern und Wanderern auf sich zieht, so wie die von Dr. Jörg Buse aus Breitbrunn. Für ihn, der Oberlohers Spiel vor Kurzem lauschte, war dies eine willkommene Abwechslung für „coronamüde Spaziergänger“.

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„Ich spiele gern ausgefallene Lieder oder komponiere selbst welche“, erzählt Oberloher, der unter der Woche in einem Metallbaubetrieb arbeitet. Zuhause auf dem elterlichen Bauernhof habe er auch schon mal für die Gäste gespielt. Seine Ziach ist etwas ganz Besonderes für ihn: Vom renommierten „Ziach Kaiser“ aus Niclasreuth sollte sie sein, als er vor zwei Jahren seinen Traum von der eigenen Harmonika wahr machte. Monatelang habe er auf das handgefertigte Stück gewartet, erzählt er, und dass er großen Wert darauf gelegt habe, dass sein Instrument aus Nussbaumholz und mit Ebenholzknöpfen gefertigt werde. Der Balk, der die Ziach zusammenhält, sollte aus Seide sein.

Den Preis hat er nicht bereut

Den Harmonikabauer Quirin Kaiser bewundert der Rimstinger für seine Handwerkskunst, aber auch für sein Ziachspiel. Kaiser, von Berufs wegen Schreiner, ist nämlich selbst aktiver Musikant: „Durch meine langjährige Erfahrung weiß ich selbst aus erster Hand, wie wichtig es ist, den richtigen Ton zu treffen.“ Und, dass die Ziach ihre Spieler oft das ganze restliche Leben lang begleiten – deshalb wundert es ihn auch nicht, wenn seine Kunden mit speziellen Wünschen kommen, wie dem, dass das Holz für das Instrument beispielsweise vom Apfelbaum des Großvaters stammen soll.

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So ein Unikat hat seinen Preis. Auch Thomas Oberloher hat für seine Harmonika eine vierstellige Summe hin- geblättert – bereut hat er das noch keinen Tag.

Dabei, muss erwähnt werden, ist der Landwirtssohn kein Profimusiker: „Ich habe mir alles selbst beigebracht. Notenlesen ist nicht so mein Ding. Aber ich habe ein gutes Gehör und kann Lieder sehr schnell nachspielen.“ Fast genauso autodidaktisch hat er sich auch das Klavierspielen beigebracht: „Ich habe eine Zeit lang eine Musikschule besucht, aber am Ende hat es mir mehr getaugt, mich allein mit dem Instrument zu befassen.“ Offenbar hat das seinem Spiel nicht geschadet, denn die Menschen hören ihm gern zu. „Wenn ich draußen spiele und sich Zuhörer dazu gesellen, kommt oft die Frage: `Warum spielen Sie denn hier?´“ Darüber muss Oberloher etwas lachen. „`Sie gehen gern hier spazieren, ich spiele eben gern meine Ziach´, antworte ich dann“, erzählt er amüsiert.

Zu viel Sonne mag die Ziach nicht

Im Sommer nutze er dafür die ruhigen Abendstunden, im Winter auch mal die Mittagspause. Dabei mache dem Instrument die Kälte eher nichts aus: „Schädlicher ist da schon Hitze, weil der Stimmzug mit Wachs befestigt ist.“ Schlimmstenfalls könne sich dieses verflüssigen. Diese Gefahr ist jahreszeitlich bedingt nun erst einmal gebannt. Selbstredend, dass Oberloher weiter jede Gelegenheit nutzen will, weiter im Freien auf seiner Harmonika zu üben. Mit seiner Freundin, wenn sie Lust hat, mitzukommen. Oder allein. Aber erfahrungsgemäß bleibt es nicht lange dabei.

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