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Künstlerin Moni Stein

Der verschwundene „Missbrauchsbischof“ ist aufgetaucht - Diskussion um Zukunft der Kirche

Künstlerin Moni Stein und Galeristin Marah Strohmeyer-Haider (von links) vor der Skulptur „Kirche am Abgrund“. Die Ausstellung ist inzwischen beendet. Jetzt sind Skulpturen, Gemälde und Installationen von Corinna Brandl und Eva Dahn-Rubin unter dem Titel „...und hätte der Liebe nicht ...“ in der Galerie Marah ART in Bernau zu sehen. Das ist eine Zeile aus dem Hohen Lied aus der Heiligen Schrift.
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Künstlerin Moni Stein und Galeristin Marah Strohmeyer-Haider (von links) vor der Skulptur „Kirche am Abgrund“. Die Ausstellung ist inzwischen beendet. Jetzt sind Skulpturen, Gemälde und Installationen von Corinna Brandl und Eva Dahn-Rubin unter dem Titel „...und hätte der Liebe nicht ...“ in der Galerie Marah ART in Bernau zu sehen. Das ist eine Zeile aus dem Hohen Lied aus der Heiligen Schrift.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Moni Stein drückt in mehreren Skulpturen ihr Unverständnis über die katholische Kirche aus, mit dem Missbrauchsskandal umzugehen. Offenbar spricht die Unterwössenerin mit ihren Werken anderen Menschen aus der Seele. Sie hat viele lange Gespräche geführt. Übrigens ist die verschwundene Bischofsfigur wieder aufgetaucht - woher, das bleibt wohl ein Geheimnis.

Bernau/Unterwössen/Traunstein – Viele Menschen sind tief erschüttert und haben großen Redebedarf zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Diese Erfahrung machten jedenfalls die Bernauer Galeristin Marah-Strohmeyer-Haider und die Unterwössener Künstlerin Moni Stein. Letztere hatte, wie berichtet, mit einer Protestaktion vor der Traunsteiner Stadtkirche ihren Protest zum Ausdruck gebracht. Die im Zuge dieser Aktion noch in der gleichen Nacht verschwundene Bischofs-Skulptur ist übrigens wohlversehrt wieder aufgetaucht. Wer sie an sich nahm, kann keiner so recht beantworten.

Verschwinden der Figur bleibt ungelöst

Stein hat den „Missbrauchsbischof“ im Traunsteiner Pfarrbüro St. Oswald bei Mitarbeiterin Monika Dufter abgeholt. Über den vorherigen Verbleib hüllen sich alle in Schweigen. Auch eine Rückfrage bei der Verwaltungsleitung brachte keine Aufklärung. Moni Stein hat ihre Skulptur auf jeden Fall unversehrt zurückbekommen, wie sie gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Sie sei von der Pfarrei St. Oswald angerufen worden.

Sehr großen Zuspruch habe sie nicht nur für die Protestaktion, sondern auch für ihre Kunstwerke bei ihrer Ausstellung in der Galerie Marah ART in Bernau erfahren. Dort stand sie am letzten Ausstellungstag für persönliche Gespräche zur Verfügung und die Nachfrage nach Terminen war groß wie Strohmeyer-Haider berichtet: „Die Leute haben sich die Klinke in die Hand gegeben.“ Da wegen Corona immer nur drei bis vier Leute eingelassen worden seien, sei auch genug Raum für Gespräche geblieben.

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Besonders das Objekt „Kirche am Abgrund“ sei im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestanden, so Strohmeyer-Haider: „Eine Gruppe stand eine ganze Stunde lang vor dem Objekt und wir haben darüber gesprochen.“

Die Besucher seien aus Bernau, der Umgebung und bis aus Wasserburg und München gekommen. Sie hätten ihre eigene Betroffenheit zum Missbrauchsskandal geäußert und seien bewegt gewesen, von der drastischen Darstellung der Skulptur. Sie hätten das Bedürfnis gehabt, darüber zu reden, das sei den ganzen Nachmittag hindurch zu spüren gewesen, beschreibt Strohmeyer-Haider. Sie selbst sieht das tiefe Tal, das die katholische Kirche momentan durchschreitet, als Chance für einen Neubeginn.

Gemeindereferentin will bewusst weiterhin in der Kirche wirken

Unter den Gästen in der Galerie befand sich auch Cornelia Gaiser. Sie ist im Pfarrverband Westliches Chiemseeufer und Bad Endorf seit sieben Jahren Gemeindereferentin und seit über zwei Jahren Gemeindeleiterin in Bernau. Sie würde Moni Steins Kunstwerke gerne zu einer Ausstellung in die Kirche holen, weiß aber noch nicht, ob es klappt, erzählt sie auf Nachfrage. Zwar gebe es Unterstützer, aber auch kritische Stimmen in der Kirchengemeinde. Sie selbst habe sich von Moni Steins Kunstwerk „Kirche am Abgrund“ sehr stark angesprochen gefühlt, berichtet Gaiser. Vor allem da die Künstlerin selbst als Katholikin in der Kirche verwurzelt sei: „Man spürt in der Skulptur, wie sie der Missbrauchsskandal umtreibt und so geht es mir und vielen Kirchenmitgliedern ja auch.“

Die Frage sei, ob man der Kirche den Rücken kehren wolle – wie die dargestellten Figuren an der Skulptur – oder ob man bewusst da bleibe, weil einem die Kirche wichtig sei. In Bernau engagierten sich an die 120 Personen ehrenamtlich in der katholischen Kirche – von den Ministranten über die Bürgerhilfe bis zum Pfarrgemeinderat und in der Kirchenverwaltung.

„In der Kirche passiert auch viel Gutes“

„Es ist entsetzlich, was passiert ist“, fährt Gaiser über den Missbrauchsskandal fort: „In der Kirche muss sich etwas ändern, dass so etwas nicht mehr geschieht.“ Dennoch sagt sie auch: „Aber in der Kirche passiert auch viel Gutes.“ Sie selbst erfüllt ihren Beruf „mit Herzblut“ – auch in wogenden Zeiten wie diesen. Ihr lägen die Menschen vor Ort am Herzen. Sie wolle das, was Jesu vorgelebt habe, an sie weitergeben: „Nämlich die Welt menschlich zu halten, zu zeigen, dass Jeder wichtig ist und man sich um Jeden kümmern muss.“

Künstlerin Moni Stein erklärt ihre Protestaktion für beendet. Sie habe in erster Linie ihr eigenes Unverständnis zum Ausdruck bringen wollen, wie die Kirche mit dem Missbrauchsskandal umgehe. In ihrer Kunst könne sie sich am besten ausdrücken: „Ich trenne klar zwischen der Institution Kirche und dem Glauben.“ Als „schön“ bezeichnet sie es, wenn sie Gespräche anstoßen habe können: „Mehr kann ich nicht erreichen.“

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