FASCHING – ZWISCHEN AUSGELASSENHEIT UND ABSTINENZ

Der Unsinnige Donnerstag hat sich in Prien als Hochburg des närrischen Treibens etabliert

Das „Ringkanal-Komitää“ ging beim Leiterwagerlrennen 1985 an den Start, als der Chiemsee-Ringkanal noch in Planung war.
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Das „Ringkanal-Komitää“ ging beim Leiterwagerlrennen 1985 an den Start, als der Chiemsee-Ringkanal noch in Planung war.

Der Fasching wurzelt im christlichen Brauchtum und beginnt am 11. November. Sein Höhepunkt liegt vor dem Beginn der Fastenzeit. An den Tagen vor Aschermittwoch brechen die Menschen aus dem Alltag aus und zelebrieren ihre Ausgelassenheit – so auch in der Marktgemeinde Prien.

Prien – Vor mehr als 270 Jahren lebte in Prien ein Mann, dem das Faschingstreiben ein Dorn im Auge war. Der kinderlose Josef Lechner betrieb eine Weißgerberei. Er bot 1751 der Kirche 1000 Gulden an, mit der Auflage, in dem Zeitraum von Samstag bis zum Faschingsdienstag ein 40-stündiges Gebet abzuhalten.

Priens bisher letztes Prinzenpaar beim Showtanz im Jahr 2020.

Daraus entwickelten sich strenge Gebetstage, die bis Anfang der 1970er Jahre einen festen Platz im Jahreskreis der Pfarrei Mariä Himmelfahrt hatten. Erst unter Pfarrer Josef Preis wurde abgestimmt und mit einem Votum von 72 Prozent das Gebet verschoben. Seit 1990 findet es am ersten Fastenwochenende statt.

Coronabedingt heuer Faschingspause

So ist es wohl dem „Weißgerberer“ zu verdanken, dass am „Unsinnigen Donnerstag“ Prien als Faschingshochburg etabliert hat. Nur selten wurde an diesem Tag in Prien nicht gefeiert. „Zuletzt fiel der Fasching 1991 aufgrund des Nah-Ost-Krieges aus“, berichtet Andi Rohnke, Pressesprecher der Faschingsgesellschaft Prienarria. 2021 ist Corona bedingt erstmals in der Geschichte der neu gegründeten Prienarria eine Faschingspause einzulegen.

Für Andi Rohnke bedeutet der Priener Fasching und die Mitgliedschaft bei der Prienarria Freude am Leben, Traditionspflege und Freundschaft.

Der Priener Bankkaufmann ist seit 1992 Mitglied bei der Faschingsgesellschaft und begann 1994/95 seine aktive Vereinszeit als Elferrat und Beirat. Rohnke regierte 1996/97 als Faschingsprinz in der Seegemeinde. Laut den Nachforschungen der Prienarria gab es 1958 erstmals eine „Priener Garde“, das sogenannte Priener Brummer-Regiment mit dem ersten Prinzenpaar. 1960 wurde die Prienarria gegründet und sorgte mit den Priener Vereinen bis zur Vereinsauflösung 1976 für zahlreiche Faschingsumzüge und Faschingsbälle in der Marktgemeinde.

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„Nach Auflösung der Prienarria gab es zwar noch Faschingsveranstaltungen in den Gaststätten, den klassischen Fasching mit Prinzenpaar und Garde — den gab es nicht mehr“, erklärt das langjährige Mitglied der heutigen Prienarria. „1992 erinnerte man sich an die alten Zeiten.“ Am 18. Mai 1992 erfolgte die Vereinsgründung. Neben Faschingsveranstaltungen, wie dem Kanapeerennen am Eglwies, Faschingshochzeiten, Faschingsumzügen und Faschingskranzln der Priener Vereine, findet die Chiemseer Ballnacht mit der Inthronisation der Priener Prinzenpaare und der Gildeball der Prienarria statt.

Das Modell König Ludwig machte beim Goaßlschlittenrennen im Priener Fasching 1981, also vor 40 Jahren, eine gute Figur.

Am Unsinnigen Donnerstag kostümieren sich viele Priener Unternehmen und Geschäfte zu einem Thema und laden das „närrische Volk“ in ihre dekorierten Räume ein. Das bunte Treiben endet meistens auf dem Wendelsteinparkplatz, wo ein Festzelt steht.

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