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Mit 89 Jahren in den Ruhestand

Dienstältester freier Mitarbeiter der Chiemgau-Zeitung: Hans Thümmler sagt nach 60 Jahren Servus

In seiner 60-jährigen Dienstzeit als freier Mitarbeiter für die Chiemgau-Zeitung hat Hans Thümmler alleine in Rimsting vier Bürgermeister erlebt. Der 89-jährige Priener steckte sein ganzes Herzblut in die Zeitungsarbeit, wofür ihm großer Dank und Respekt gebührt. Neues Foto von Berger
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In seiner 60-jährigen Dienstzeit als freier Mitarbeiter für die Chiemgau-Zeitung hat Hans Thümmler alleine in Rimsting vier Bürgermeister erlebt. Der 89-jährige Priener steckte sein ganzes Herzblut in die Zeitungsarbeit, wofür ihm großer Dank und Respekt gebührt. Neues Foto von Berger
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Sein Kürzel „th“ begleitete Generationen von Lesern der Chiemgau-Zeitung: Hans Thümmler berichtete 60 Jahre lang unermüdlich aus der Chiemseegemeinde Rimsting, später auch aus Gstadt, Breitbrunn und von den Inseln. Jetzt geht der 89-jährige Prienerin den Ruhestand.

Prien – Der Verlag OVB Heimatzeitungen und insbesondere die Chiemgau-Redaktion danken ihm für sein leidenschaftliches, langes und zuverlässiges Engagement als Berichterstatter vor Ort. Der Abschied, das gibt er zu, ist ihm schwergefallen. Der 89-Jährige, der so lange über andere schrieb, musste erst überredet werden, selbst ein Interview zu geben. Beim Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung sitzt der zweifache Vater und dreifache Opa am Tisch in seinem Wohnzimmer, neben sich die Gemeindechronik von Gstadt und maschinenbeschriebene Seiten mit Berichten, die er verfasst hat. An seinen ersten Bericht, den er für die Chiemgau-Zeitung geschrieben hat, kann sich der gebürtige Rimstinger nicht mehr erinnern. Nur eines betont er immer wieder: „Ich habe schon immer gerne Zeitung gelesen.“

1961 als freier Mitarbeiter beworben

Seine große Leidenschaft für die lokalen Geschehnisse waren es dann auch, die ihn veranlassten, sich 1961 auf eine Annonce in der Chiemgau-Zeitung hin als freier Mitarbeiter zu bewerben. Das Antwortschreiben hat er heute noch. Darin heißt es: „Bezugnehmend auf Ihre Bewerbung bitten wir Sie, vorerst probeweise ab sofort für uns die Lokalberichterstattung von Rimsting und Umgebung zu übernehmen.“

Folgende Anweisungen gab der Verlag Oberbayerisches Volksblatt gleich mit auf den Weg: „Die Veranstaltungstermine erfahren Sie in der Gemeindekanzlei, ebenso alle Sterbefälle, Beerdigungen, Altersjubilare, Goldene Hochzeiten und so weiter.“ Verbunden war damit noch die Bitte, sich „zuallererst“ dem damaligen Herrn Bürgermeister Josef Mayer senior vorzustellen. Ferner sei es notwendig, Rimstings Pfarrherrn, Monsignore Dr. Höck, einen Besuch abzustatten. Verbunden damit waren noch einweisende Worte in das journalistische Texten.

Unermüdlich politisches Geschehen und die Vereine begleitet

Über 60 Jahre sind seit dieser Vereinbarung vergangen und Hans Thümmler hat zuverlässig und unermüdlich aus Gemeinderatssitzungen, Veranstaltungen und von Ereignissen berichtet. Würde man die beschriebenen Seiten aneinanderreihen, ergäbe sich ein kilometerlanger Streifen Papier – bei angenommenen fünf beschriebenen DIN-4-Seiten im Monat. Es waren aber weit mehr.

Hauptberuflich war Hans Thümmler in die Fußstapfen seines Vaters getreten und Fahrdienstleiter bei der Eisenbahn geworden. „Mit den Zeitungsberichten habe ich mein geringes Gehalt aufgebessert“, erinnert er sich. Hauptsächlich angetrieben hat ihn aber die Leidenschaft für die Sache. „Die Zeitung ist immer vorgegangen“, wirft seine Frau Katharina im Hintergrund ein. Die Urlaube in Südtirol oder ans Meer fanden immer erst dann statt, wenn im Gemeindeleben möglichst wenig los war.

Allgemeines Vertrauen erworben

In seiner sympathischen Art, mit seiner Heimatverbundenheit und Zuverlässigkeit erwarb er sich allgemeines Vertrauen. So brachten es die Jahre mit sich, dass er auch aus den Nachbargemeinden gebeten worden war, zu berichten. Selbst zu den Gemeinderatssitzungen der Gemeinde Chiemsee ist er laut eigener Auskunft 20 Jahre gefahren. Da sie auf der Fraueninsel stattfinden, musste er mit dem Boot hinüberfahren und bekam dafür sogar eigens eine Genehmigung für ein Motorboot.

„Ich war gerne Berichterstatter, ich habe das geliebt“, sagt Hans Thümmler im Gespräch. Das Zeitungsschreiben fehle ihm und halb ernst, halb mit Humor, meint er, sich einen anderen Nebenjob suchen zu wollen. Seine Frau im Hintergrund schüttelt ob dieser Aussage seufzend den Kopf und erinnert ihn an sein Alter.

Beim Weggang von Dr. Höck geweint

Thümmler ist seiner Arbeit immer gewissenhaft nachgekommen und nahm die Aufgabe sehr ernst, die Leser der Chiemgau-Zeitung sachlich und wahrheitsgemäß zu informieren. Das hat ihm hohe Wertschätzung sowohl bei den Lesern als auch bei den Verantwortlichen in Politik und den Vereinen eingebracht.

Auf besonders herausragende Ereignisse angesprochen, will er keines hervorheben, nicht einmal den Bau des Chiemsee-Ringkanals in den 80er-Jahren, der als Jahrhundertbauwerk gilt. Nur an eines erinnert er sich: Als der frühere Monsignore Dr. Höck Mitte der 60er Jahre die Pfarrgemeinde Rimsting verließ, habe er aus Traurigkeit geweint, so Thümmler. Überhaupt ist ihm das Kirchenleben ein großes Anliegen.

Technischen Wandel mühelos mitgegangen

Thümmler erlebte nicht nur 60 Jahre Entwicklung der Chiemseegemeinden hautnah mit, sondern auch den technischen Wandel in der Zeitungsbranche. In seinen Anfangszeiten waren die von ihm auf der Schreibmaschine getippten Berichte noch täglich mit dem Bahnexpress nach Rosenheim ins Verlagshaus geschickt worden. Beides hat sich durch Computer und Internet längst erledigt, Thümmler hielt immer Schritt mit der Zeit.

Nur eines ist damals wie heute gleich geblieben – in Zeiten der zum Teil unergründbaren Informationsflut im Internet hat es wahrscheinlich noch mehr an Bedeutung gewonnen, nämlich dass Journalisten Informationen und deren Quellen sortieren und prüfen, Hintergründe und Zusammenhänge darstellen, kritisch nachfragen und die Leser nach besten Wissen und Gewissen sachlich und wahrheitsgemäß informieren.

Freien Mitarbeiter leisten engagierte und zuverlässige Arbeit

So hat es Hans Thümmler 60 Jahre lang gehalten und so halten es unsere freien Mitarbeiter in allen Orten, für deren zuverlässige und gute Arbeit sich die OVB Heimatzeitungen an dieser Stelle bedanken. Sie stecken viel Zeit und Engagement in ihre Arbeit.

Der Dank gilt vor allem auch allen Familienangehörigen, die manches Mal zurückstehen müssen – so wie es Katharina Thümmler 60 Jahre lang geduldig und nachsichtig hingenommen hat.

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