Gedenken zum 100. Geburtstag

Der Mann, der Kugeln mit den Zähnen fing – Ralf Bialla aus dem Chiemgau zauberte in New York

Ralf Bialla mit der Nummer, die ihn weltbekannt machte: Als lebende Zielscheibe fing der Magier mit den Zähnen ein auf ihn abgefeuertes Projektil auf. Nicht immer zielten die Schützen genau und verletzten ihn im Gesicht. Im Mund trug er einen speziellen Gebiss-Schutz. Oberkandler
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Ralf Bialla mit der Nummer, die ihn weltbekannt machte: Als lebende Zielscheibe fing der Magier mit den Zähnen ein auf ihn abgefeuertes Projektil auf. Nicht immer zielten die Schützen genau und verletzten ihn im Gesicht. Im Mund trug er einen speziellen Gebiss-Schutz. Oberkandler
  • vonKlaus Oberkandler
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Der Wahl-Chiemgauer Magier Ralf Bialla hatte Anfang der 1970er eine eigene Show in New York und genoss weltweiten Ruhm. Bekannt wurde er durch eine riskante Nummer, bei der er auf sich schießen ließ. Rästelhaft bleibt sein Tod auf der Kampenwand.

Traunstein – Neben Siegfried und Roy mit ihren weißen Tigern und Löwen hatte ein weiterer Künstler aus dem Chiemgau einst in den USA umjubelte Auftritte: Der Magier und Zauberkünstler Ralf Bialla, der in Traunstein gelebt hat und in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden wäre. Der in Dresden geborene Illusionist und begeisterte Bergsteiger kam nach dem Zweiten Weltkrieg in den Chiemgau.

Er lebte zunächst in Grassau und später an der Wiesenzeile in Traunstein, von wo aus er mit seiner Frau Inge, zugleich seine Assistentin, zu seinen gefeierten Auftritten in aller Welt aufbrach.

„Schießen Sie auf mich, aber zielen Sie genau!“ – so leitete Bialla bei seinen Auftritten den Höhepunkt der Show ein. Das mit dem guten Zielen gelang nicht allen Schützen.

Zauberei statt Unternehmertum

Die Spuren diverser Fehlversuche sah man dem Gesicht des Künstlers an. Narben an der Lippe, der Wange und an der Nase waren bleibende Spuren von Schüssen, die nicht genau trafen, und die ihn genausogut das Leben hätten kosten können.

Geboren wurde der Künstler als Sohn eines wohlhabenden Dresdner Fabrikbesitzers und Kleiderfabrikanten. Mit 14 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für Zauberei und beschloss nach kurzer Kriegsgefangenschaft 1945 – die Bombardierungen und die Enteignungen durch die Sowjets hatten das Familienunternehmen zunichte gemacht –, die Zauberei zum Beruf zu machen. Nach der Hochzeit 1946 zogen er und seine Frau wegen ihrer Liebe zu den Bergen nach Grassau. Bialla begann als Hilfsarbeiter und zeigte seine Kunststücke abends vor amerikanischen Soldaten. Die Karriere nahm Fahrt auf. Es folgten gefeierte Auftritte in England, Frankreich und Südamerika. 1955 zogen die Biallas mit ihrer Tochter nach Traunstein.

Er wurde bekannt als Magier mit Bällen, ließ auf der Bühne einen Papagei und ein musikspielendes Radio verschwinden und verblüffte das staunende Publikum noch mit mehreren anderen Tricks.

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Vor dem Erfolg eine lange Durststrecke

Aber schon bald entwickelte er die Nummer, die ihn zum Weltstar werden ließ. Er stellte die Munition, mit der er auf sich schießen ließ, selbst her, ließ sich ein Spezialgebiss mit Stahlplatte anfertigen und fing damit die Kugel auf. Die Durchschlagskraft des Projektils war durch die Dosierung des Schießpulvers reduziert, und wurde noch durch eine Plastikscheibe gebremst, durch die der Schütze feuern musste.

Die letzten großen Auftritte hatte er 1974 und 1975 im Madison Square Garden in New York. Davor allerdings mussten er und seine Frau Inge, die zugleich seine Assistentin war, eine längere Durststrecke durchleben. Das lag daran, dass sich kaum noch jemand fand, der sich traute, mit dem Gewehr auf ihn zu schießen. Inge Bialla dürften die ausbleibenden Engagements nur recht gewesen sein, denn sie lebte in ständiger Angst um ihren Mann, der sich als lebende Zielscheibe präsentierte. „Die Konkurrenz ist groß. Wer nicht untergehen will im Showgeschäft, muss etwas Besonderes bieten“, war dagegen die Überzeugung ihres Mannes.

Im August 1972 hatte Bialla zwei Auftritte im Rahmen der Olympischen Spiele in München. Im Olympischen Dorf durfte einer der besten Sportschützen, die an den Spielen teilnahmen, auf ihn schießen. Die Folge waren die Engagements in New York, zugleich der abschließende Höhepunkt seiner Laufbahn.

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Sein Tod wird nie geklärt werden

So spektakulär wie seine Shows war auch Biallas Abgang. Am 29. Juli 1975 kehrte er von einer Bergtour nicht zurück. Tags darauf fanden Helfer der Bergwacht seine Leiche 150 Meter unterhalb des Kampenwand-Hauptgipfels.

Spekulationen und Gerüchte über einen gewaltsamen Tod oder Suizid machten die Runde. Biallas Rucksack lag noch auf dem Gipfel. Die Polizei ging deshalb von einem Unfall aus, denn der Künstler soll schon seit Längerem immer wieder Schwindelanfälle gehabt haben.

Deren Auslöser waren womöglich die Verletzungen, die er bei seinen Auftritten erlitten hat. Die Urne mit der Asche wurde auf dem Traunsteiner Waldfriedhof beigesetzt, die seiner 1997 verstorbenen Frau Inge ebenfalls.

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