Eine Seite restauriert

Warum der „Knubbel“, ein Traktor-Oldtimer von Deutz, aus Breitbrunn zwei Gesichter hat

Halbe Sache machten die Bastler der Bulldogfreunde mit der Restaurierung dieses alten Deutz ganz bewusst, um dem Originalzustand gegenüber zu stellen.
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Halbe Sache machten die Bastler der Bulldogfreunde mit der Restaurierung dieses alten Deutz ganz bewusst, um dem Originalzustand gegenüber zu stellen.

Die Bulldogfreunde Breitbrunn/Gstadt haben ein wahrscheinlich einzigartiges Projekt auf sich genommen.

Breitbrunn – Fast ein wenig stolz steht Thomas Schneider vor dem Uralt-Traktor „Deutz 15“, Jahrgang 1952, in Kennerkreisen wegen seiner kurzen Motorhaube auch als „Knubbel“ bekannt. Das wäre eigentlich nicht erwähnenswert, hätte das Vehikel nicht nur eine zur Hälfte restaurierte Seite.

Der Oldtimer war ein Geschenk

Der Knubbel sei dem Verein kurz nach der Gründung im Jahr 2000 von einem Mitglied geschenkt worden, erinnert sich der gelernte Mechaniker im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Nachdem er in einem äußerst desolaten Zustand war, beschloss die Vereinsspitze, „ihn erst einmal bei einem Mitglied auf Halde zu stellen“. Die Idee, ihn später nur halb zu restaurieren, hatten die Protagonisten allerdings schon länger im Hinterkopf.

Erst einmal ein paar Jahre in einer Halle abgestellt

„Beim Bulldogtreffen 2010 erstmals ausgestellt, sorgte das Platzen eines Hinterreifens mit einem gewaltigen Knall gleich für Furore“, amüsiert sich der 51-Jährige noch heute. Danach verschwand das Gefährt wieder für circa fünf Jahre beim „Beyn Schorsch“ in einer Halle, bevor er erneut ans Tageslicht kam. Jetzt musste zuerst ein Kollateralschaden am Motor in Angriff genommen. Als Ersatzteile sollten Kolben, Zylinder und Zylinderkopf von einem ebenfalls alten Traktor der Marke Aicher dienen.

Mit Reparatur von Hinterreifen und Bremsen wieder fahrbereit gemacht

Nach dem Aufziehen eines neuen Hinterreifens und dem Instandsetzen des Bremsgestänges war der Oldtimer vorerst wieder fahrbereit, erklärt der leidenschaftliche Schrauber. Im Herbst 2019 wurde mit der eigentlichen Renovierung begonnen. Schneider konnte seine Mitstreiter schnell davon überzeugen, nur eine Seite neu aufzubauen und die andere möglichst im Originalzustand zu belassen.

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Schrauber-Stammtisch stürzt sich in die Arbeit

Nach längerem hin und her entschieden sich die Akteure für die linke Seite und begannen damit, den baufälligen Dieselschlepper zu zerlegen. Dazu trafen sich die Bastler fast jeden ersten Mittwoch im Monat zu einem sogenannten Schrauber-Stammtisch. Im Team dabei waren neben Schneider noch Vorsitzender Stefan Fritz, sein Vize Paul Stettner, Schorsch Wäsler, Rudi Enzinger, Franz Friedrich, Andreas Jell, Karl Stettner, Andreas Plank, Mathias Wankner und Reinhard Krug. „Einen maroden Bulldog nur halb zu restaurieren macht aber nicht halb sondern doppelt so viel Arbeit“, weiß Schneider im Nachhinein.

Gebrauchte Teile aus dem eigenen Fundus

„Das wurde uns nicht erst beim Abschleifen bewusst. Man muss alles genau bis zur Hälfte von Hand reinigen, reparieren und abschleifen“, erklärt der Bastler. Aufgrund des desolaten Zustands war es manchmal äußerst schwierig, gab es da elementare Bauteile, die kaum mehr zu verwenden waren. In Schneiders ergiebigem Privatfundus befanden sich aber dann doch „die einen oder anderen gebrauchten Teile, die glücklicherweise passten“, freut sich der Praktiker.

500 Stunden und 1000 Euro investiert

500 Stunden und einige tausend Euro später steht nun der kleine Deutz 15, halbseitig restauriert, vor der Truppe. Als einzigartiges Anschauungs-Objekt zeigt es dem Interessierten, was alles machbar ist. Gleichzeitig lässt es den Betrachter mutmaßen, „was der kleine Knubbel schon alles mitgemacht hat“.

Für den Verein war die Arbeit eine Bereicherung, stärkt sie doch die Zusammengehörigkeit, Geselligkeit und das Ziel der Erhaltung alter landwirtschaftlicher Gerätschaften, resümiert Thomas Schneider. Der Vorsitzende Stefan Fritz ergänzt: „Ich finde das Projekt super und einzigartig.“ Den halb restaurierten Knubbel werden die Bulldogfreunde auf diversen Bulldogtreffen und landwirtschaftlichen Schauen präsentieren – sobald diese wegen Corona überhaupt wieder stattfinden können.

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