AUS DEM GEMEINDERAT

Der Kiebitz musste im Landkreis Rosenheim Federn lassen

Zwei Kiebitz-Küken und zwei noch nicht ausgebrütete Eier in einem Maisfeld.
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Zwei Kiebitz-Küken und zwei noch nicht ausgebrütete Eier in einem Maisfeld.

Der bedrohte Kiebitz erhält breite Unterstützung aus verschiedenen Chiemseegemeinden. In seiner jüngsten Sitzung war sich nun auch der Breitbrunner Gemeinderat einig, die Bürger zu Beginn der Brutzeit ab Anfang März für das Thema sensibilisieren zu wollen.

Breitbrunn/Bernau – Zugrunde lag ein Antrag des bayernweiten Biotopverbundes BayernNetzNatur-Projekts „Netzwerke für den Kiebitz“. Ein Beschluss war nicht zu fällen. Breitbrunns Bürgermeister Anton Baumgartner (Parteifreie/ÜWG) informierte in der Sitzung, dass sich die Zusammenarbeit mit den Landwirten in der frühen Bewirtschaftungsphase erfolgreich gestalte. „Gegen die Raubvögel wurden mit Einverständnis der Bauern Elektrozäune für insgesamt 21 Gelege errichtet.“ Wander- und Spazierwege sind davon nicht betroffen. Das Projekt läuft nach Auskunft des Landratsamts schon mehrere Jahre.

Mehrere Schutzgehege in den Maisfeldern

Im Gespräch mit dem Breitbrunner Gemeinderat (Parteifreie/ÜWG) und Landwirt Karl Stettner (53) bestätigte der Ökonom eine problemlose Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk für den Kiebitz“. Bei der Bestellung von Maisfeldern kann man schon aus entsprechender Entfernung ein Gelege erkennen, „da die Kiebitzeltern mit viel Getöse über den Nestern kreisen“, weiß der Bauer.

Landwirte erhalten eine kleine Entschädigung für ihre Rücksichtnahme

Und da die Tiere Traktoren scheinbar nicht als Gefahr sehen, weichen sie kaum von der Stelle, so die Erfahrung von Stettner. Erfreulich sei auch ein kleiner Obolus „als Anerkennung für die Rücksichtnahme auf die Gelege in den Maisfeldern“, so der Landwirt über die Wertschätzung. Nach kurzer Beratung unterstützt der Gemeinderat, das BayernNetzNatur-Projekt mit Öffentlichkeitsarbeit.

Kiebitzbestände gingen in Deutschland um fast 90 Prozent zurück

Die Nachbargemeinde Bernau und mehrere Landwirte unterstützen das Kiebitz-Projekt seit vergangenem Jahr im Irschener Winkel. Dort weisen Informationstafeln darauf hin, die Trampelpfade im südlichen Bereich bis Ende Juni nicht zu benutzen. Seit Ende der 90er-Jahre brüten im Irschener Winkel keine Kiebitze mehr, erklärt Chiemsee-Gebietsbetreuer Dirk Alfermann. In ganz Deutschland seien die Kiebitzbestände seitdem um fast 90 Prozent zurückgegangen. Am Chiemsee kennt er nur noch einzelne Brutstätten, zum Beispiel in der Schöneggart bei Übersee, im Grabenstätter Moos oder in Seebruck.

Spaziergeher sollen den Irschener Winkel von März bis Juni meiden

Da die Kiebitze durch Fußgänger und Hunde aufgeschreckt werden, sollen sie den Irschener Winkel während der Brutzeit meiden. Landwirte erklärten sich zudem bereit, dort Flächen extensiv zu bewirtschaften und dem Kiebitz artenreiche Streuwiesen zu überlassen. Sie verpflichteten sich zum Teil im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim.

Spaziergänger sollen den Irschener Winkel zur Brutzeit meiden

Ziel ist laut Alfermann, in dem etwa 50 Hektar großen Gebiet zwischen Autobahn, Birkenallee, Chiemseerundweg und Bahnlinie wieder Kiebitze zur Brut anzulocken. Im vergangenen Jahr gelang dies noch nicht, doch ist Alfermann für heuer positiv gestimmt, dass es mit der Ansiedlung klappt. „Ganz wichtig ist allerdings, dass das Areal in der Brutzeit gemieden wird.“

Landkreise unterstützen mit Blühflächen

Im Rahmen des BayernNetzNatur-Projektes „Netzwerke für den Kiebitz“ werden in den Landkreisen Rosenheim, Altötting und Traunstein feuchte Senken und Blühflächen angelegt und gefördert, informiert das Landratsamt Rosenheim. Die Blühflächen sollten mit heimischen Arten wie Margeriten, Wiesensalbei und Wiesenknopf angesät werden.

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