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Niederländisches Ehepaar wurde grausam ermordet

Der ganze Chiemgau sucht diesen Mann – Fall Langendonk seit 25 Jahren ungeklärt

Nach diesem Mann sucht die Polizei noch heute: Der mutmaßliche Täter ließ sich per Taxi in die Nähe des Tatorts fahren.
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Nach diesem Mann sucht die Polizei noch heute: Der mutmaßliche Täter ließ sich per Taxi in die Nähe des Tatorts fahren.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Viele Chiemgauer bekommen heute noch eine Gänsehaut: Am helllichten Tag wurde bei Traunstein ein niederländisches Ehepaar grausam ermordet. Die Tat jährt sich heuer zum 25. Mal. Und immer noch ist der Täter unbekannt.

Chiemgau – Sabrina Setlur führt Anfang Juni 1997 die Charts mit ihrem Lied „Du liebst mich nicht“ an und gerade ist die „Bullyparade“ auf Pro Sieben gestartet. Der als „Monaco Franze“ bekannt gewordene Schauspieler Helmut Fischer stirbt in diesem Frühsommer 1997. Und im Chiemgau ereignet sich ein schweres Verbrechen, das viele Menschen in der Region noch heute zutiefst erschüttert.

Am 7. Juni 1997 wurde das niederländische Ehepaar Truus (61) und Harry Langendonk (63) in der Nähe von Litzlwalchen im Gemeindebereich von Nußdorf im Landkreis Traunstein ermordet aufgefunden. Heuer jährt sich das Verbrechen zum 25. Mal. Doch trotz der langen Zeit ist eine Aufklärung immer noch nicht in Sicht.

„Eines der brutalsten Verbrechen, das je im Dienstbereich der Polizei Traunstein begangen wurde“, schreibt sogar die Polizei selbst. Aber von vorne: Im Frühsommer 1997 reist das niederländische Ehepaar die Alpenstraße entlang. Nach einem Ausflug auf die Herreninsel am Freitag, 6. Juni 1997, war das Ehepaar einen Tag später Mittagessen im „Wirtshaus zum Schlossberg“ in Marquartstein. Heute existiert dieses Restaurant, das auf dem Weg zur Burg liegt, nicht mehr.

Am Burgberg in Marquartstein kehrte das Paar am Tag des Verbrechens mittags noch ein. Das Restaurant ist inzwischen geschlossen.

Ein letztes Telefonat in Siegsdorf

Gegen 14.30 Uhr halten die Langendonks mit ihrem Wohnmobil im Siegsdorfer Zentrum. Von einer Telefonzelle an der ehemaligen Post rufen die Langendonks ihre Angehörigen in den Niederlanden an. Zum letzten Mal, aber das wissen sie an diesem sonnigen Urlaubstag noch nicht. Das Paar fährt nach Litzlwalchen und hält dort auf einer abgelegenen Wiese am Ende eines Feldwegs. Der Tatort ist nur wenige Hundert Meter von der viel befahrenen Bundesstraße entfernt, die von Traunstein über Matzing nach Traunreut führt.

Sie machen dort Pause, sitzen auf ihren Campingstühlen. Bis der Mörder kommt. Gegen 18 Uhr schießt ein Unbekannter von hinten auf Truus und Harry Langendonk. Doch damit nicht genug, beiden schneidet er die Kehle durch. Ob er das wegen eines Defekts an der Waffe macht, oder ob es sich um sogenanntes Overkilling handelt, ist unklar. Forensiker bezeichnen mit diesem Begriff eine Tötung, die durch einen Exzess des Täters gekennzeichnet ist.

Am helllichten Tag

Nur wenige Meter entfernt hören Menschen die Schreie des Ehepaars und die Schüsse, können sie jedoch nicht richtig einordnen. Wer denkt auch, dass so etwas passiert – am helllichten Tag, mitten im Chiemgau.

Gegen 20 Uhr fährt das Wohnmobil vom Tatort weg.

Was nun folgt, irritiert die Ermittler. Rund 300 Kilometer entfernt, auf einem Waldparkplatz in der Nähe von Nürnberg, brennt noch in der gleichen Nacht das Wohnmobil der Langendonks aus.

Kurz nach der Tat wird nach zwei Russen gefahndet, die aus der JVA Traunstein entflohen waren. Auch die OVB-Heimatzeitungen berichten damals darüber. und verbreiten den Zeugenaufruf. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellt.

Mit diesem Wohnmobil waren die beiden unterwegs, als der Mörder auf sie in der Nähe von Traunstein traf.

Denn zwei Nürnberger Taxifahrer berichten von einem mysteriösen Fahrgast. Nicht weit entfernt vom Ort des Wohnmobilbrandes steigt gegen 2 Uhr ein Unbekannter in ein Taxi ein. Er lässt sich zum Hauptbahnhof fahren. Allerdings offenkundig nur, um umzusteigen. Dort sucht sich der Mann ein anderes Taxi und lässt sich von Nürnberg in den Chiemgau fahren. Offenkundig ist der Fahrgast ortskundig, zuerst will er nach Marquartstein, dann lotst er den Fahrer ganz in die Nähe des Tatorts.

Für 500 Euro mit dem Taxi durch die Nacht

An der Bundesstraße zwischen Aiging und Matzing lässt der Mann sich absetzen. Wer die Gegend kennt, weiß, dass dort kaum Häuser sind. Was um aller Welt macht man dort um fünf Uhr morgens? Auffällig ist auch, dass der Mann die rund 500 Euro teure Fahrt wie auch die vorherige mit fremden Währungen bezahlt.

Truus und Harry Langendonk waren auf der Deutschen Alpenstraße unterwegs, bevor sie ermordet wurden.

Die Polizei geht davon aus, dass dieser Mann der Täter war. Sein Phantombild hat wohl jeder Chiemgauer schon mal gesehen. Und doch ist bis heute unklar, wer der Mann ist. Ein Rätsel bleibt zudem das Motiv. für den Mord. Bringt man zwei Menschen mit einer Wafffe um und schneidet ihnen zusätzlich die Kehle durch, wenn es nur um Geld geht? Warum reist der mutmaßliche Täter ausgerechnet mit einem Taxi wieder zurück an den Tatort?

Aktenzeichen XY und Fall-Analyse

Trotz intensiver Recherchen der Polizei, die den Fall nicht einfach zu den Akten gelegt hat, ist der Täter bis heute nicht gefasst. Von der Sendung „Aktenzeichen XY“ bis zur Fall-Analyse mit einem Profilerteam hat man in alle Richtungen ermittelt. Auf Anfrage bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd heißt es knapp: „Da gibt es nix Neues.“ Der damalige Ermittler ist längst in Rente, aber noch heute erhalten die Polizisten Hinweise zu dem Cold Case. Die Töchter von Truus und Harry Langendonk, die Polizei und viele Menschen im Chiemgau hoffen, auch 25 Jahre später, auf einen Durchbruch. Um endlich eine Antwort auf die Frage zu erhalten, warum das Ehepaar sterben musste.

Auch die OVB-Heimatzeitungen berichteten 1997 mehrfach über den Mord und die Ermittlungen.

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