Der Fürstbischof und die Weltkriege – Die bewegte Amtszeit des Prieners Adam Hefter

Erzbischof Adam Hefter mit Prinzessin Helmtrud von Bayern, die in Wildenwart lebte. Dort war Hefter auch 1871 zur Welt gekommen. Hötzelsperger
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Erzbischof Adam Hefter mit Prinzessin Helmtrud von Bayern, die in Wildenwart lebte. Dort war Hefter auch 1871 zur Welt gekommen. Hötzelsperger

Der einstige Fürstbischof der Diözese Gurk-Klagenfurt Professor Dr. Adam Hefter starb vor 50 Jahren in Otterkring. In Prien geboren und in Rimsting verstorben, hatte er ein bewegtes Leben und eine teils dramatische Amtszeit bewältigt, die just in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen fiel.

Von Toni Hötzelsperger und Elisabeth Sennhenn

Rimsting/Prien/Klagenfurt– Noch dürfte es Rimstinger geben, die sich an Adam Hefter erinnern, seines Zeichens Doktor der Philosophie und Doktor der Theologie. Vor 50 Jahren starb er im Ortsteil Otterkring. Und mit ihm eine hohe kirchliche Persönlichkeit: Er war von 1914 bis 1939 Fürstbischof der Diözese Gurk-Klagenfurt.

Zur Welt kam Hefter am 6. Dezember 1871 auf dem Martlhof in Stetten, damals Gemeinde Wildenwart, heute Gemeinde Prien. Zwischen der Geburt und dem Tod im 99. Lebensjahr lagen für diesen außergewöhnlichen Geistlichen bewegte Zeiten.

Frühes Priestertum und akademische Würden

Nachdem Hefter in Rosenheim das Gymnasium abgeschlossen und das Knabenkonvikt des Erzstiftes Sankt Peter in Salzburg absolviert hatte, lernte er 1890 den Fürstbischof Dr. Josef Kahn aus der Diözese Gurk kennen, der ihn beim Priesterstudium förderte.

Mit erst 22 Jahren, am 22. Juli 1894, erhielt Hefter bereits seine Priesterweihe. 1901 promovierte er zum Doktor der Philosophie in Innsbruck; 1914 wurde er vom österreichischen Kaiser Franz-Joseph zum Fürstbischof von Gurk-Klagenfurt ernannt.

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Recherchen führen nach Rimsting

Seine Amtszeit fiel in die dramatischen Zeiten zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Hefter prägte diese fast 25 Jahre vor allem durch karitative Tätigkeiten. So sorgte er sich sehr um das Schicksal der zu Waisen gewordenen Kinder in Österreich. Nach Recherchen von Ulrich Kogler für seine Diplomarbeit zum Magister in Theologie an der Karl-Franzens-Universität Graz aus dem Jahr 2016, rief Hefter katholische Familien dazu auf, Kriegswaisen in ihre Obhut zu nehmen.

Der heutige Theologe Kogler hielt sich vor rund vier Jahren im Chiemgau und speziell in Rimsting auf, um mehr über Hefters Leben in Erfahrung zu bringen. Der Bischof hat demnach auch Verwundete in den Lazaretten besucht, in seiner Residenz ein Notlazarett eingerichtet und geistlichen Beistand im Feld geleistet.

Aus seiner eigenen Sicht zu Unrecht in die Kritik geriet Hefter 1938, als er bei einem Besuch Adolf Hitlers in Klagenfurt dabei fotografiert wurde, wie er dem Führer die Hand reicht.

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Während ihm Medien eine „Sympathie für den Nationalsozialismus“ unterstellten, beharrte Hefter stets darauf, dass es sich nur um eine förmliche Begrüßung gehandelt habe, so Ulrich Kogler. Dessen Recherchen kommen zu dem Schluss, dass sich Hefter während der Zeit des Nationalsozialismus eher zurückhaltend gezeigt habe.

Katholiken-Frage: Hitler wies den Bischof ab

Davon ausgenommen ist eine Episode aus dem Jahr 1939: Der Fürstbischof wollte sich für die Katholiken in seinem Zuständigkeitsbereich einsetzen und reiste im Zug nach Berlin, um mit Hitler persönlich zu sprechen – dieser sagte den Termin jedoch kurzerhand ab und ließ Hefter unverrichteter Dinge zurückreisen.

Im selben Jahr schließlich gewährte Papst Pius XII. Hefter den Ruhestand und ernannte ihn zum Titularerzbischof. Daraufhin kehrte Hefter in seine Chiemgauer Heimat zurück und fand in Otterkring in Rimsting seine gewünschte Bleibe. Soweit es seine Kräfte erlaubten, war er noch seelsorgerisch tätig.

Ministrant des Fürstbischofs

1970 starb Hefter. Die Trauerfeier vor der Überführung zur letzten Ruhestätte im hohen Dom von Klagenfurt fand in der Priener Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ statt. Unter den vielen Trauer-Gästen befanden sich Vertreter aus Kirche, Adel und Politik.

Einer, der sich noch gut persönlich an Fürstbischof Hefter erinnern kann, ist der Priener Ehrenbürger Michael Anner senior. In den 1950er Jahren, die er im Studienseminar in Traunstein verbrachte, bekam er in den Ferien öfters den Auftrag, nach Otterkring zu den dortigen Hauskapellen-Gottesdiensten mit Bischof Hefter und Salesianer-Pater Körner zum Ministrieren zu gehen.

„Für mich war dies immer ein besonderes Erlebnis mit dem positiven Nebeneffekt, dass es ab und zu auch ein kleines Taschengeld gab“, amüsiert er sich heute über die damaligen Ministrantendienste beim Bischof.

Dr. Adam Hefters Geburtshaus, der Martlhof in Prien-Stetten. Der Vater verkaufte den Hof in Hefters Kindheit.

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