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Einer der schönsten Arbeitsplätze

Der Chiemsee-Fährmann Florian Pertl bringt Feuerwehr und Müllabfuhr über den See

Mit dem Fernglas kann Pertl sehen, ob schon wieder Passagiere am Hafen Gstadt warten oder ob er noch auf den Postboten, der noch nicht von seiner Runde auf der Insel zurück ist, warten kann.
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Mit dem Fernglas kann Pertl sehen, ob schon wieder Passagiere am Hafen Gstadt warten oder ob er noch auf den Postboten, der noch nicht von seiner Runde auf der Insel zurück ist, warten kann.
  • VonElisabeth Kirchner
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Von der Brücke auf der Fähre aus hat Florian Pertl die beste und schönste Aussicht auf den Chiemsee und die Bergkulisse. Tagein, tagaus bringt er mit der Lastenfähre Fahrzeuge übers Wasser, die Lieferungen oder Dienstleistungen auf der Fraueninsel zu erledigen haben. Seinen Job möchte er nicht missen.

Chiemsee – Seit 2017 ist Florian Pertl der Fährmann für die Gemeinde Chiemsee. Hin und her pendelt er mit der 140 PS starken Fähre jeden Vormittag, und in Ausnahmefällen ist er auch nachmittags und am Wochenende zwischen Gstadt und der Fraueninsel unterwegs. Routine, das ja, aber immer mit bester Aussicht.

Der Insulaner ist eigentlich gelernter Heizungsbauer, war nur ab und an Urlaubsvertretung für den vorherigen Fährmann, doch seit vier Jahren hat er dessen Aufgaben übernommen. Vor allem vormittags ist die Fraueninsel II immer gut unterwegs auf den knapp 900 Metern zwischen Gstadt und dem Steg am Nordende der Fraueninsel.

Platz für fünf kleine Lieferwagen

45 Euro kostet die Überfahrt zur Kernzeit regulär, in der Nebenzeit werden 75 Euro pro Fahrzeug fällig. Platz ist für vier oder fünf kleine Lieferwagen. Der Postbote kommt meist um 9.30 Uhr, der Bio-Gemüsehändler aus Kirchweidach, der einmal die Woche seine Gemüsekisten für den Tante-Emma-Laden auf der Insel anliefert, stellt seine Kisten an die Rampe am Gstadter Hafen.

Nach kurzem „Servus“ lädt Pertl routiniert die Kisten auf die Sackkarre und schiebt sie auf seine Fähre. Ob Müllabfuhr oder Wäschedienst für das Kloster, der immer dienstags kommt, nur bei Feiertagen verschiebt sich das um einen Tag nach vorn und nach hinten: Pertl hat alle „Stundenpläne“ der Lieferanten und Serviceleister im Überblick.

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Passagiere nimmt er nicht mit: „Wir sind ja keine Konkurrenz zum Fessler“, sagt er. Auch auf der Strecke Herreninsel und Urfahrn gibt es eine Fähre. Die Lastenfähre der Schlösserverwaltung habe viel höhere Tarife, weiß er, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Die Herreninsel sei ja kaum bewohnt, da brauche es auch weniger Lastenfährverkehr.

Anders dagegen „seine“ Insel. 180 Einwohner gibt es auf der Fraueninsel, mit seiner Frau und seinen drei Kindern macht das schon mal fünf Bewohner. Die Insulaner sind eine eingeschworene Gemeinschaft, da halten alle zusammen, das müssen sie auch. Wenn es brennt, muss erst mal die Insel-Feuerwehr ran. Eine Überfahrt aus Gstadt könnte im äußersten Notfall zu lange dauern.

Insulaner müssen sich einbringen und zusammenhelfen

Da ist es nicht verwunderlich, dass alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren bei der Feuerwehr oder anderweitig im Gemeindeleben einbringen müssen.

Er selbst sei seit 20 Jahren Mitglied im Gemeinderat, und jetzt als Fährmann selbstständiger Unternehmer. Die Fähre ist – anders als die Vorgängerin Kampenwand – im Eigentum der Gemeinde Chiemsee. Das heißt, sie betreibt den Lastenfährbetrieb als Regiebetrieb im Rahmen des kommunalen Haushaltes und steuerrechtlich als Betrieb gewerblicher Art.

Die Rechnungen kommen vom Rathaus

Florian Pertl notiert alle Fahrzeugnummern, die er übersetzt, im Laptop. Anhand seiner Daten verschickt das Rathaus dann einmal im Monat die Rechnungen. Lieferungen für den täglichen Bedarf wie Post oder Lebensmittel oder wenn es um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung geht, übernimmt die Gemeinde, alles andere wird abgerechnet.

Trotzdem sieht man Privatautos auf der Fähre eher selten, denn erstens kann man auf der zwölf Hektar großen Insel eigentlich alles zu Fuß machen und zweitens gilt dort verkehrsberuhigte Zone mit Höchstgeschwindigkeiten von vier bis sieben Stundenkilometern.

Gemeinderat erhöhte Fährpreise

Der Gemeinderat hat kürzlich die Beförderungsentgelte für den Lastenfährbetrieb erhöht: Nach 2016 und 2019 ist das die dritte Erhöhung. Bürgermeister Armin Krämer (FWG) begründete die Erhöhung damit, dass der Lastenfährbetrieb steuer- und haushaltsrechtlich eine dauerdefizitäre selbstständige Einrichtung darstelle. Trotzdem brauche es die Fähre als gemeindliche Serviceleistung, sagt Pertl.

Er jedenfalls möchte seinen Job nicht missen. Vormittags ist er Fährmann, nachmittags beim Bauhof, das sei sehr praktisch: „Da muss ich nicht mehr weg.“ Tagein, tagaus, die gleiche Strecke, doch jeden Tag präsentiert sich der Chiemsee anders.

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