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Regionalwährung gewinnt an Stärke

Der „Chiemgauer“ wächst in der Pandemie – Freude in Prien über Rekord-Umsatz

Bei den Neuwahlen des Regionalwährungs-Vereins Chiemgauer in Prien (von links): Der Vorstand mit Christophe Levannier (zweiter Vorsitzender), Petra Reszat (Schatzmeisterin), Stefan Schütz (erster Vorsitzender) und Elke Boehringer ( Schriftführerin)
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Bei den Neuwahlen des Regionalwährungs-Vereins Chiemgauer in Prien (von links): Der Vorstand mit Christophe Levannier (zweiter Vorsitzender), Petra Reszat (Schatzmeisterin), Stefan Schütz (erster Vorsitzender) und Elke Boehringer ( Schriftführerin)
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Selbst die Deutsche Bundesbank zeigt die Regionalwährung Chiemgauer in ihrer diesjährigen Sonderausstellung und wissenschaftliche Experten würdigen die nachhaltige Art zu zahlen. Wie der jüngst in seinem Amt bestätigte Vorstand des Vereins in Prien mitteilte, exstiert längst auch eine digitale Version – man hält Schritt mit der Zeit.

Prien – „Die Chiemgauer Regionalwährung hat sich im vergangenen Jahr trotz der Covid-Pandemie überraschend gut entwickelt“, ist das erfreuliche Fazit von Stefan Schütz. Der Erste Vorsitzendes des Regionalwährungs-Vereins Chiemgauer zeigte sich beim Jahrestreffen, für das Prien als Veranstaltungsort ausgesucht wurde, sichtlich zufrieden.

Im Mittelpunkt stand die Entwicklung des Vereins. „Der mit dem Chiemgauer erzielte Umsatz ist um acht Prozent auf über sechs Millionen Euro gewachsen“, führte Schütz den Teilnehmern die bislang erreichte Dimension der beliebten Regionalwährung vor Augen: „Über 50 000 Chiemgauer konnten 2020 an die geförderten Vereine ausgeschüttet werden.“ Der Verein geht mit der Zeit: Stieg in der Pandemie die Lust an der Online-Bestellung, so gibt es inzwischen auch eine digitale Version des Chiemgauers.

Der Chiemgauer in Frankfurt

„Sie kommt bei den Bürgern und Unternehmen immer besser an“, so Schütz, „doch auch das Chiemgauer Bargeld zählt weiterhin viele treue Fans.“ Weiter Grund zur Freude war, dass sogar die Deutsche Bundesbank in ihrer aktuellen Sonderausstellung „Die Geldmacher“ im Frankfurter Geldmuseum Exponate des Chiemgauer zeigt.

In wissenschaftlichen Konferenzen äußern sich zwischenzeitlich sogar Experten der Europäischen Zentralbank positiv zum Ansatz des Regionalgeldes, weil dadurch der regionale Umsatzmultiplikator vervielfacht wird. Der amerikanische Professor James Stodder, der an der Universität Boston Ökonometrie lehrt, weist in einer Studie nach, dass ein in Chiemgauer getauschter Euro einen dreifachen Multiplikator aufweist und dadurch die regionale Wertschöpfung erhöht. An der Studie hat auch Chiemgauer-Gründer Christian Gelleri mitgewirkt, der in einem Forschungsprojekt an der Universität Würzburg zu Regionalwährungen forscht.

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„Im Zuge der Covid-Pandemie wurde ein spezieller Corona-Solidarfonds eingerichtet, um betroffenen Chiemgauer-Unternehmen zu helfen“, berichtete Schütz weiter. Mehr als 30 Unternehmen hätten davon Gebrauch gemacht. Gespeist, so Schütz, wird der Fonds durch 60 Bürger, die Euro in Chiemgauer tauschen und davon drei Prozent dem Solidarfonds zugutekommen lassen.

Ausführlich berichtet wurde über das Projekt „Klimabonus“, das über einen Zeitraum von drei Jahren vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Besonders stolz verweist Schütz auf ein Förderprojekt der Stadt Traunstein, um einen Beitrag zu den Klimaschutzzielen der Kommune zu leisten: „Wer Solaranlagen auf sein Dach installiert oder sein Haus energetisch saniert, erhält einen Klimabonus zwischen 500 und 5 000 Chiemgauer ausgezahlt.“ Auf diese Weise seien bereits viele hundert Tonnen CO2 eingespart worden.

Neues Projekt mit Tirolern

Die Besonderheit des Klimabonus ist die Verknüpfung mit der Regionalwährung Chiemgauer und die ausschließlich regionale Verwendung von Ausgleichszahlungen für CO2-Emissionen: „Damit verwirklicht der Chiemgauer seinen Vereinszweck der Nachhaltigkeit.“

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Außerdem besteht seit eineinhalb Jahren eine intensive Kooperation mit dem Unterguggenberger-Institut in Wörgl in Tirol. Namensgeber Michael Unterguggenberger hatte 1932 „Das Wunder von Wörgl“ initiiert. In der damaligen Depression konnte die Arbeitslosigkeit mithilfe von umlaufgesichertem Freigeld um 16 Prozent gesenkt werden und das in einer Zeit der Wirtschaftsdepression und sehr hoher Arbeitslosigkeit. Anknüpfend an diese Idee hat der Chiemgauer e. V. mit der österreichischen Partnerorganisation ein Interreg-Kleinprojekt zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit durchgeführt. Ziel ist die Schaffung eines grenzüberschreitenden Kompetenzzentrums für Regionalgeldentwicklung. Verhandlungen mit einer Hochschule als drittem Projektpartner sind im Gange.

Am Kassenbericht, den die scheidende Schatzmeisterin Susanne Leitner als ihre letzte Amtshandlung durchführte, gab es nichts zu bemängeln und so konnte der alte Vorstand entlastet werden. Wiedergewählt wurden für zwei Jahre der erste Vorsitzende Stefan Schütz, der zweite Vorsitzende Christophe Levannier und die Schriftführerin Elke Boehringer. Neu gewählt wurde die Schatzmeisterin Petra Reszat aus Kolbermoor. Verabschiedet wurde auch der langjährige Rechnungsprüfer Rudi Heitauer aus Inzell. Als Rechnungsprüfer kandidierten Konrad Sauro und Martin-Christoph Ziethe, beide aus Prien.

Erfahrungen der Priener Geschäfte

In der Marktgemeinde selbst nehmen zahlreiche Geschäfte den Chiemgauer an, die Erfahrungen vor Ort sind gemischt: Von Anfang an dabei war zum Beispiel Intersport Kaiser. „Bei uns kaufen besonders zur Saison viele Touristen ein, der Chiemgauer ist aber eher was für einheimische Kunden“, bemerkt Geschäftsleiter Andreas Kaiser, „da ist es zuletzt etwas ruhiger geworden um den Chiemgauer.“ Die Idee sei grundsätzlich gut, „nur für ein Fachgeschäft wie unseres ist es schwer, weil wir den Chiemgauer nicht in Umlauf bringen können, etwa bei unseren Lieferanten. Wir müssen ihn am Ende umtauschen, nehmen ihn natürlich trotzdem gern an“, ergänzt dazu Evi Kaiser. Ihr gefällt, dass der Chiemgauer-Trägerverein zum Beispiel regionale Vereine fördere.
Seit es die digitale Version mit der Chiemgauer-Karte gibt, so Michaela Haberhauer von Edeka Kaltschmid, „läuft es richtig gut.“ Mehrmals in der Woche würden Kunden auf diese Weise bezahlen. Einem modernen Kartenlesegerät sei Dank.

Priener Annahme- und Ausgabestellen

Unter anderem kann man in folgenden Priener Geschäften mit dem Chiemgauer bezahlen: Im Priener Regional- und Biomarkt, im Fahrradhaus Prien, bei der Priener Solargesellschaft, bei „Werners Naturalien“ und in der Waldorfschule, in der Buchbinderei „Bindewerk“, im Café Schiller, in denn´s Biomarkt, bei Dr. Michael Golenhofen, Edeka Kaltschmid, exaktaktiv Prien, Foto Richter, bei Haider Damen- und Herrenmode, im Hofladen des Wastlhofs, im Hotel Westernacher, bei Intersport Kaiser, bei Loferer Haustechnik GmbH, Patricia Schuster Immobilien, Branche Kinderbekleidung, Spielwaren Prienatura, Schuh Huber GmbH, LederHandWerk Sidaya, TCM Chiemgau, Trachten Bartl und ZMS Zentrum für Medizin und Sport.

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