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Bäume umzäunt

Der Biber nagt sich um den Tüttensee – Helfen Schutzgitter?

Gut einen Meter hohe Schutzgitter sind in den letzten Wochen und Monaten an rund 100 ausgewählten Laubbäumen rings um den Tüttensee angebracht worden.
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Gut einen Meter hohe Schutzgitter sind in den letzten Wochen und Monaten an rund 100 ausgewählten Laubbäumen rings um den Tüttensee angebracht worden.
  • VonMarkus Müller
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Ein Störenfried oder eine Tierart, die geschützt werden muss? Am Biber scheiden sich die Geister. Warum am Tüttensee jetzt rund 100 Bäume wegen der vermeintlich putzigen Nager eingezäunt werden mussten.

Grabenstätt/Traunstein – Biber haben hierzulande kaum natürliche Feinde und können sich deswegen relativ gut vermehren und ausbreiten. Auch im Chiemgau ist dies der Fall. Speziell am Tüttensee sind in diesem Winter zahlreiche in Ufernähe wachsende Laubbäume von Bibern mehr oder weniger stark beschädigt worden: Alte Bäume wurden bis zu einem Meter Stammhöhe teilweise komplett entrindet, jüngere Exemplare erheblich angenagt oder gleich ganz gefällt.

Überpopulation oder notwendiger Schutz?

Zum Jahreswechsel war in den heimischen Medien von einer größeren Biberfamilie die Rede, die dort lebe und ihren Hunger jahreszeitentypisch mit Rinde stille. Manch einer sprach auch schon von einer Überpopulation. Im Gemeinderat hatte Rat Andreas Danzer schon öfters auf die Biberproblematik am Tüttensee verwiesen und angemahnt, dass die Tiere den Einlauf mit ihren Dämmen aufstauen würden.

Trotz der entstandenen Schäden am Laubbaumbestand rings um den idyllisch gelegenen und weithin bekannten Moorsee darf der Biber auch dort nicht entnommen werden, denn er steht unter strengem Schutz. Von Behördenseite könnten nur dann Ausnahmen zugelassen werden, „wenn dies zur Abwendung ernster forstwirtschaftlicher Schäden oder sonstiger ernster wirtschaftlicher Schäden notwendig ist und zumutbare Alternativen nicht gegeben sind“, heißt es vonseiten der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Traunstein.

So weit sei es aber am Tüttensee noch nicht. Stattdessen hat die Naturschutzbehörde mit ihren ehrenamtlichen Biberberatern in den vergangenen Monaten an ausgewählten Bäumen rings um den See gut einen Meter hohe Schutzgitter angebracht. Auch der Grabenstätter Bauhof beteiligte sich zuletzt an einer Einzäun-Aktion.

Buchen, Birken und Erlen

Seit Beginn der präventiven Schutzmaßnahmen vor rund fünf Monaten sind am Tüttensee bereits circa 100 Laubbäume mit Schutzgittern versehen worden, darunter vor allem Buchen und Birken, aber auch einzelne Erlen. „Eingezäunt wurden schwerpunktmäßig landschaftsprägende Bäume und Bäume, die aufgrund der Biberaktivität auf den Weg fallen könnten“, so die Untere Naturschutzbehörde.

Rundum tief geringelte Bäume seien mangels Überlebenschance nicht mehr geschützt worden. Sie müssten gefällt werden. Die Behörde schließt derzeit nicht aus, noch weitere Bäume einzuzäunen. Die weitere Entwicklung müsse genau beobachtet werden, heißt es.

Es wird aber davon ausgegangen, dass die Nagetätigkeiten in den kommenden Monaten mit der einsetzenden Vegetation spürbar nachlassen, da sich der Biber dann von Gräsern, Schilf, Kräutern und ähnlichem ernähre und nicht mehr von Rinde. Die Kosten für die Einzäunung werden größtenteils durch staatliche Fördermittel finanziert.

Wiederansiedlung vor 55 Jahren

In Bayern hat sich der Biber seit seiner Wiederansiedlung vor rund 55 Jahren fast jeden geeigneten Wasserlauf zurückerobert – mit Begleiterscheinungen wie gefällte, Nutzholz, untergrabenen Dämmen, Deichen und flussnahen Äckern, aufgestaute Entwässerungsgräben und Schäden an Feldfrüchten. Für die Eigentümer oder Anlieger kann dies ziemlich teuer werden. Ein Ausgleichsfonds hilft, finanzielle Schäden zu mindern.

Doch es entstehen nicht Schäden durch den Biber. Er wird auch als eine Art Landschaftsgestalter gesehen, in dem er ökologisch wertvolle Biotope wie Tümpel, Teiche, Röhrichte und Nasswiesen schafft, wovon unter anderem Amphibien, Libellen und Fische profitieren. Auch selten gewordene Tier- und Pflanzenarten, die oft nur noch in Naturschutzgebieten vorkommen, können sich dort wieder ansiedeln und die Artenvielfalt steigt. Aktive Biber unterstützen insgeheim sogar Ziele der Wasserwirtschaft, denn ihre Dämme halten Schwebstoffe zurück und tragen somit zur Wasserreinigung bei.

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