Gemeinderat sagt Nein

Der Bernauer Gemeinderat sind 23 Meter Garagenmauer in der Gedererstraße zu massiv

Die Mehrfamilienhäuser in der Gedererstraße 8 und 8a sind in Bau. Dort wo der Kran steht, soll ein weiteres solches entstehen. Wegen der 23 Meter langen Garage ging der Bauantrag nicht durch.
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Die Mehrfamilienhäuser in der Gedererstraße 8 und 8a sind in Bau. Dort wo der Kran steht, soll ein weiteres solches entstehen. Wegen der 23 Meter langen Garage ging der Bauantrag nicht durch.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Einstimmig lehnte der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag nach angeregter Diskussion die Tekturplanung für einen 23 Meter langen Garagenriegel an der Gedererstraße ab.

Bernau – Für den Bauherrn zieht das weite Kreise: Weil damit die gesetzlich geforderten Stellplätze nicht mehr nachgewiesen werden können, ist auch der Bauantrag zur Errichtung eines dritten Mehrfamilienhauses mit fünf Wohnungen hinfällig. Beides bedingt sich und so waren die beiden unterschiedlichen Angelegenheiten in einem Beschluss zusammengefasst – was manch Gemeinderat bedauerte.

Gleiches Recht wie in der Nachbarschaft

Wegen der gesetzlichen Frist müsse abgestimmt werden, erklärte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU). Innerhalb von zwei Monaten muss eine Gemeinde nämlich über einen Bantrag entscheiden, sonst gilt er automatisch als genehmigt. Der Bauantrag betrifft laut ihren Ausführungen ein Grundstück in der zweiten Baureihe, auf dem bislang ein Einfamilienhaus stand. Bisher lautete die Adresse Hochgernstraße 5. Durch die neue Erschließung über die Gederer-Stichstraße ist es künftig dort zugehörig Haus Nummer 8b.

Für eine Tiefgarage ist der Boden laut Bauherr „zu schlecht“

Der Antrag für das neue Mehrfamilienhaus orientiere sich an den bereits genehmigten, gleichen Nachbargebäuden in der Gedererstraße 8 und 8a. Diese sind in Bau. Die Wandhöhe betrage 7,20 Meter. Eine Tiefgarage will der Bauherr wegen des „schlechten Bodens“ nicht errichten, wie er dem Gremium in der Sitzung schilderte. „Mit dem Garagengebäude steigt die Versiegelung“, erklärte Geschäftsleiterin Irmgard Daxlberger.

SPD-Gemeinderätin wünscht sich erschwingliche Mietwohnungen statt Komfortimmobilien

Katrin Hofherr (SPD) hatte sich im Vorfeld mit einem Schreiben an Bürgermeisterin und Gemeinderatskollegen gewandt. Sie wohnt in der Nachbarschaft, kritisiert die „massive“ Bebauung durch das dritte Wohnhaus. Sie fordert von dem einheimischen Bauherrn soziale Verantwortung ein. Anstelle von „Komfortimmobilien“ wünscht sie sich für die Einheimischen erschwingliche Mietwohnungen. Hofherr fragte ihn in der Sitzung, wie viele der bereits verkauften Wohnungen an Einheimische gingen. Er antwortete: „Mindestens acht von zehn.“ Pia Ostler (Grüne) befürchtet, dass der Ortsteil Eichet durch das „maximal mögliche“ Haus sein Gesicht verliere.

Schraubt sich die Baudichte in Bernau immer weiter nach oben?

Peter Steindlmüller (CSU) dagegen sagte, ihm gefiele die Gestaltung des Hauses gut. Kritisch sehe er die Dichte der Bebauung, er befürchtet ebenso wie Matthias Vieweger (CSU) eine „Spirale“ nach oben. „Da kommen wir nicht mehr raus.“ Bürgermeisterin Biebl-Daiber antwortete: „Das werden wir so nicht mehr in den Griff bekommen.“

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Sie möchte in einer Klausurtagung mit dem Gemeinderat grundsätzlich über dieses Thema sprechen. Ein Termin war im November bereits angesetzt, musste aber wegen Corona auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Peter Pertl (CSU) meinte: „Uns beschäftigt schon einige Zeit, wie die Dorfentwicklung weitergehen soll.“ Er forderte ein Gesamtkonzept.

Mit dem Bebauungsplan fehlt ein wichtiges, rechtliches Instrument

Daxlberger kehrte zum Bauantrag zurück und sagte, es gehe beim Einfügen des Gebäudes in die Umgebung darum, was das Auge wahrnehme. Die „Garagensituation“ wäre über einen Bebauungsplan „in den Griff“ zu bekommen. Einen solchen gibt es aber nicht.

Neue Lösung könnte den Bauantrag retten

Michaela Leidel (BL) erklärte, ihr gefalle die Optik des Hauses, mit dem „massiven“ 23 Meter langen Garagengebäude könne sie sich „überhaupt nicht“ anfreunden. Zweiter Bürgermeister Gerhard Jell (CSU) sah es ebenso und forderte: „Die Garage muss anders werden.“ Er bedauerte, dass er wegen der Garage im zusammengefassten Beschluss auch gegen das Haus stimme.

Wegen des Rettungsweges musste die Garage umgeplant werden

Severin Ohlert (Grüne) erkundigte sich, ob die Zufahrt mit der Feuerwehr abgesprochen sei. Biebl-Daiber erwiderte, dass wegen des Rettungsweges die Garage in der jetzigen Form neu geplant worden sei. Daxlberger erklärte, bei weniger Stellplätzen müssten weniger Wohnungen geplant werden.

Mit neuer Planung eine neue Chance schaffen

Hofherrs Vorschlag von Duplex-Garagen lehnte der anwesende Bauherr ab. Er verwies auf das barrierefreie Konzept in der Anlage. Als die Würfel mit der Abstimmung gefallen waren, sagte Bürgermeisterin Biebl-Daiber: „Man muss für die Garage eine andere Lösung finden.“ Dann gibt es eine Chance für einen neuen Bauantrag.

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