"Dauerhaft auf dem Zahnfleisch"

Mit deutlichen Worten hat Bürgermeister Jürgen Seifert in der Bürgerversammlung im großen Kursaal die personelle Situation in Teilen der Gemeindeverwaltung beschrieben. In manchen Sachgebieten würden "grenzwertige Zustände" herrschen.

Prien - Die angespannte Lage betrifft wohl vor allem Bauamt und Bauverwaltung. Deshalb könnten auch nicht alle wünschenswerten Projekte gleichzeitig in die Tat umgesetzt werden, warb Seifert für Verständnis. "Langsam kommen wir an Leistungsgrenzen. Alles zusammen geht halt nicht."

Seit einem Jahr sucht der Markt Prien nach dem Auscheiden von Christian Fellner, der auf eigenen Wunsch in die freie Wirtschaft gewechselt war, erfolglos nach einem Nachfolger für die Stelle des Bauingenieurs im Rathaus. Einen Strich durch die Rechnung macht der Kommune die gute konjunkturelle Lage in der Baubranche. "In der freien Wirtschaft wird zuviel gezahlt", stellte der Bürgermeister fest, dass die Gemeinde, die an feste Tarife gebunden ist, mit Angeboten auf dem freien Markt nicht mithalten kann.

Zum 1. Dezember hat der Markt Prien mit Andreas Gasteiger nun einen Bautechniker neu einstellen können.

In welchen Sachgebieten die Zustände sonst noch "grenzwertig" sind, sagte Seifert nicht, aber dafür unverblümt, dass manche Mitarbeiter "dauerhaft auf dem Zahnfleisch" daherkämen.

Insgesamt beschäftigt der Markt Prien 130 Damen und Herren, davon 59 in seiner 100-prozentigen Tochter, der Priener Tourismus GmbH (PTG). 32 Personen arbeiten in der Verwaltung im Rathaus, sogar zwei weniger als noch 2005, obwohl der Verwaltungsaufwand seitdem größer geworden sei, wie Seifert anhand um mehr als zwei Drittel gestiegener Verwaltungsetats in dem kommunalen Haushalten der vergangenen Jahre verdeutlichte. Auch das Investitionsvolumen sei in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

In den Betrieben und Werken (unter anderem Bauhof und Wasserwerk) sind 30 Personen beschäftigt. Die neun übrigen verteilen sich auf Galerie und Heimatmuseum, Musikschule und Mittelschule sowie Jugendtreff "T-Stube".

Seifert nutzte das Podium vor 180 Zuhörern, um allen Mitarbeitern zu danken. Sie würden seit Jahren Hervorragendes leisten und seien alle hochmotiviert.

Die besonders hohe Belastung des Personals in diesem Jahr schrieb der Bürgermeister den Wahlen im Frühjahr (Kommunalwahl, Landrats-Stichwahl und Europawahl) zu. Für die drei Urnengänge hätten die Mitarbeiter der Gemeinde insgesamt 1500 Stunden gearbeitet.

Das Arbeitsklima im Marktgemeinderat, in dem es nach der Kommunalwahl seit Mai eine Reihe neuer Gesichter gibt, bezeichnete der Bürgermeister als positiv und konstruktiv. Gemeinderat und Verwaltung seien sehr eng zusammengerückt. db

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