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Bürgermeister erhoffen sich wesentliche Verbesserungen im ÖPNV

Das Ruftaxi kommt an den Chiemsee

Das Wartehäuschen im Bernauer Ortsteil Farbing ist eine der rund 400 Haltestellen, die das Ruftaxi ab Mai anfahren wird.
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Das Wartehäuschen im Bernauer Ortsteil Farbing ist eine der rund 400 Haltestellen, die das Ruftaxi ab Mai anfahren wird.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Wer kein Auto hat oder bewusst darauf verzichten möchte, hat es mitunter schwer, mobil zu sein. Auf dem Land ist das ein Problem, vor allem für junge und ältere Menschen. Mit dem Ruftaxi könnte es für sie einfacher werden. Es kommt voraussichtlich im Mai in den östlichen Landkreis Rosenheim.

Prien/Bernau/Breitbrunn/Rimsting/Gstadt – Auf dem Land ist es schwer, auf ein Auto zu verzichten. Bus- und Bahnangebote sind starr und begrenzt. Im elf Gemeinden des Landkreises Rosenheim gibt es voraussichtlich ab Mai eine Verbesserung: Der Landkreis führt ein flexibles Ruftaxi ein, dass dank öffentlicher Zuschüsse deutlich günstiger ist, als ein reguläres Taxi. Das betrifft auch Prien, Bernau, Breitbrunn, Rimsting und Gstadt. Die Bürgermeister versprechen sich viel von dem Projekt, wie sie in Gesprächen mit den OVB-Heimatzeitungen erklären.

Ina Krug von der Pressestelle des Landratsamts Rosenheim versichert auf Nachfrage, dass die Vorbereitungen auf Hochtouren liefen. Zunächst seien fünf Elektro-Fahrzeuge in den elf beteiligten Gemeinden unterwegs, rund 400 Haltestellen seien vorgesehen.

Bessere Versorgung in den Randzeiten

Gstadts Bürgermeister Bernhard Hainz (FW) ist wie seine Kollegen froh, wenn es nach den jahrelangen Vorbereitungen endlich losgeht. „Wir erhoffen uns eine relativ gute Versorgung, vor allem in den Randzeiten in der Früh und nach 18 Uhr“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Tagsüber und zu Schulzeiten, so fährt er fort, sei Gstadt mit der Buslinie nach Prien relativ gut angebunden. „Ganz schlecht“ sehe es dagegen in den Ferien und außerhalb dieser Zeiten aus: „Da bist du bei uns am Land aufgeschmissen.“

Vor allem für ältere Menschen, die von Bushaltestellen relativ weit entfernt wohnten, und für junge Leute, die noch keinen Führerschein haben, sieht Hainz mit dem Ruftaxi eine große Verbesserung im ÖPNV. Der Gstadter Bürgermeister spricht von einem „nicht unerheblichen“ finanziellen Beitrag, den die Gemeinde zu diesem Angebot leisten wird, Kämmerer Thomas Wagner nennt einen Betrag von xx Euro.

Kollege Anton Baumgartner aus Breitbrunn (Parteifreie/ÜWG) meint: „Der Gemeinderat hat vor einigen Jahren inklusive der entsprechenden Kosten einen einstimmigen Beschluss für das Ruftaxi gefasst.“ Er ist froh, dass die Sache endlich ins Rollen kommt, nachdem sich die Vorbereitungen länger hinzogen, als erwartet, wie er andeutet: „Wir erhoffen uns eine erhebliche Verbesserung des Angebots an den Wochenenden und außerhalb der Schulzeiten.“ Auch er weist auf die notwendige Mobilität für ältere Menschen und die jungen Leute hin, für die es schwierig sei, weg- und wieder heimzukommen.

Gutes Angebot wird sich herumsprechen

Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl (CSU) spricht beim Ruftaxi von „einer guten Sache“ und davon, dass solche Angebote die Zukunft seien. Er betont: „Wir warten auf den Startschuss.“ Mobilität sei ein wichtiges Thema. Er geht davon aus, dass sich das neue Ruftaxi-Angebot erst einspielen müsse. Fenzl betont, dass das Angebot praktikabel, unkompliziert und zuverlässig sein müsse, damit die Leute es annehmen: „Wichtig sind positive Erfahrungen, das wird sich rumsprechen.“ Priens Rathauschef Andreas Friedrich (ÜWG) erklärt gegenüber den OVB-Heimatzeitungen: „Grundsätzlich begrüße ich das Angebot sehr.“

„Klasse Ergänzung“ zu den Buslinien

Er verweist darauf, dass es in der laufenden Projektphase notwendig werden könnte, noch nachzujustieren. Friedrich erwartet sich vom Ruftaxi jedenfalls eine „deutliche Stärkung“ des ÖPNV und der Mobilität in der Marktgemeinde und den Ortsteilen, vor allem für jene Menschen, die kein eigenes Auto haben. Es sei auf jeden Fall eine „klasse Ergänzung“ zu den bestehenden festen Buslinien.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, der im Verkehrsausschuss im Bayerischen Landtag sitzt, nennt das Ruftaxi ein Angebot für die „letzte Meile“. Er selbst habe es 2016 ins Rollen gebracht, nachdem er auf das erfolgreiche Projekt „IST mobil“ in Österreich aufmerksam gemacht worden war. Gefolgt sei eine „Ochsentour“ durch die Gemeinden, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Außerdem eine europaweite Ausschreibung, in der aus juristischen Gründen nicht alle Wünsche der Bürgermeister berücksichtigt werden konnten und die viel Zeit gekostet habe. Doch nun könne es losgehen.

500 Zweitwagen könnten überflüssig werden

In den elf Projektgemeinden könnten Stöttner zufolge laut einer Studie durch das Ruftaxi 500 Zweitwagen überflüssig werden. Das sei eine Anzahl, die drei Fußballfelder füllen würde.

Das System nennt er „intelligent und bedarfsgerecht“. Das notwendige Budget von derzeit einer halben Millionen Euro werde unter anderem von Zuschüssen getragen und je nach Einwohnerzahl auf die Gemeinden umgelegt.

Nun muss das Ruftaxi nur noch breit angenommen werden. Aber laut Stöttner ist eine professionelle Werbekampagne bereits in Vorbereitung.

So funktioniert das Ruftaxi:

Die Bürger haben die Möglichkeit, ihr Shuttle telefonisch oder direkt über die dazugehörige App zu buchen. Das Ruftaxi soll Lücken im bestehenden ÖPNV schließen. Es soll für ältere Menschen, aber auch jüngere Bürgerinnen und Bürger, die zum Beispiel nicht über ein eigenes Auto verfügen, ein Angebot zu mehr Mobilität schaffen. In der Regel richtet sich der Fahrpreis nach der Anzahl der gefahrenen Kilometer. Voraussichtlich kommen folgende Fahrpreise zur Anwendung: Bei einer Fahrt von bis zu acht Kilometer liegt der Fahrpreis bei 3,50 Euro, bis zu 15 Kilometer bei 6 Euro und ab 15 Kilometern werden für jeden zusätzlichen gefahrenen Kilometer 1,10 Euro berechnet. Die endgültigen Fahrpreise bedürfen jedoch noch einer Genehmigung durch die Regierung. Der Fahrpreis wird aber ein Festpreis sein und erhöht sich nicht, wenn es einen Stau gibt oder für einen anderen Fahrgast ein Umweg gefahren werden muss. Der Preis wird vor der Buchung angezeigt. Wenn man mit diesem einverstanden ist, kann die Fahrt gebucht werden. Die Betriebszeiten des On-Demand-Verkehrs sind aktuell wie folgt geplant: Montag bis Freitag ab 7 Uhr sowie am Samstag und Sonntag ab 9 Uhr. Betriebsschluss ist von Montag bis Donnerstag um 22 Uhr, Freitag auf Samstag, sowie von Samstag auf Sonntag um 3 Uhr morgens, an Sonn- und Feiertagen ist um 20 Uhr Betriebsschluss.

RVO übernimmt:

Den Zuschlag für den On-Demand-Verkehr (on demand, englisch, = auf Verlangen, Anm. d. Red.) vergab der Landkreis Rosenheim nach europaweiter Ausschreibung für die nächsten sechs Jahre an den Regional Verkehr Oberbayern (RVO) und den Technologiespezialisten ioki GmbH – beides Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. „Die intelligente Plattform von ioki ermöglicht eine individuelle und flexible Routenplanung nach den Wünschen der Fahrgäste und bildet bedarfsgerechte Fahrgemeinschaften“, so das Landratsamt Rosenheim. Den Betrieb des Verkehrs übernimmt im Auftrag der RVO die DB-Tochter CleverShuttle. Die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) als gemeinsamer Aufgabenträger von Stadt und Landkreis Rosenheim unterstützt dieses Projekt und schließt bei einem erfolgreichen Verlauf langfristig eine Ausweitung des Verkehrsgebietes nicht aus.

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