Radlfahrer contra Autofahrer

Das Ringen um einen Radweg am Langbürgner See hat kein Ende

Am Langbürgener See kommen sich Radler und Autofahrer auf der engen Kreisstraße oft in die Quere.
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Am Langbürgener See kommen sich Radler und Autofahrer auf der engen Kreisstraße oft in die Quere.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Bäume versus Erholung: Naturschützer aus Rimsting plädieren für ein Einlenken der Behörden bei der Frage, warum an einem Teilabschnitt der Kreisstraße RO10 ein Radweg nicht möglich sein sollte.

Rimsting– Was zählt mehr? Naturschutz oder der Schutz von Menschen, die zugleich den natürlichen Wunsch nach einem gemütlichen Freizeitvergnügen verspüren – immer wieder kommt diese Frage auf, wenn es um den ersehnten Radweg zwischen Natzing und Rimsting auf der Kreisstraße RO10 am Langbürgner See geht. An diesem Teilstück der RO10 braust der Verkehr nur so an jedem vorbei, der jenseits der Straße hinunter zum See möchte, weil er dort schwimmen oder die Natur genießen möchte. Anwohner wie Hans Fritz aus Stetten berichteten jüngst in unserer Zeitung von den schrecklichen Unfällen, die er und seine beiden Kinder immer wieder hautnah miterleben müssen.

Gemeinde sucht nach Lösungen

Doch die Untere Naturschutzbehörde Rosenheim lehnt seit Jahren einen Radweg ab. „Der Bereich liegt nun mal in einem Naturschutz- und FFH-Gebiet“, seufzt Rimstings Geschäftsführerin Regina Feichtner, was an und für sich wünschenswert und nicht zu hinterfragen sei. Aber es gebe nun mal die Sorge der Menschen um ihre Sicherheit, und selbst Naturschützer, so ihre Erfahrung, würden einen Radweg dort befürworten. „Das Thema bewegt uns schon seit Jahren, es gibt viele Überlegungen dazu – etwa, dass die Gemeinde den Grund lauft, um dort selbst tätig zu werden.“ Es sei zwar ein komplexes Vorhaben, Anwohner zum Verkauf von Grund zu überzeugen und ein eher langfristiges Prozedere, „aber es besteht zumindest Gesprächsbereitschaft“, so Feichtner.

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Schreiben an den Umweltminister

Seit rund zehn Jahren engagiert in der Sache ist Johann Nußbaum. Einst saß er für die UWG im Gemeinderat, heute setzt er sich privat für eine Lösung ein, schließlich ist er selbst gern am See, badet dort im Sommer mit seinen Enkeln. „Es ist ein Erholungsgebiet für die Bürger“, argumentiert Nußbaum für einen Radweg, „auch viele Feriengäste verbringen gern Zeit hier.“ Er respektiere den Naturschutz, aber, meint er mit einem Augenzwinkern, „der Mensch ist auch ein Naturprodukt.“ Nußbaum ist jemand, der nicht untätig zuschauen will, sondern er ist selbst aktiv geworden und hat im Frühjahr an Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber geschrieben: „Was ist wichtiger, ein Radweg oder das Festhalten an einzelnen Bäumen im Naturschutzgebiet?“

„Hohe zu erwartende Kosten“

Das Landratsamt Rosenheim habe sein Ministerium über den Sachverhalt informiert, antwortet der Minister in einem Schreiben vom April an Nußbaum, es liegt auch unserer Zeitung vor. Die Realisierung des Geh- und Radwegs sei aus naturschutzfachlicher uns -rechtlicher Sicht kritisch zu bewerten und auch bautechnisch nicht unproblematisch, lässt Glauber wissen und fährt fort: „Diese Auffassung teilt auch die höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern.“ Jne fürchte „erhebliche Beeinträchtigungen der betroffenen Schutzgebiete und gesetzlich geschützter Biotope“.

Eine Realisierung des Vorhabens wäre nur möglich, wenn entsprechende Ausnahmen beziehungsweise Befreiungen von den gesetzlichen Verboten erteilt werden können. Dafür müssten etwa ausgeschlossen werden können, „dass zumutbare Alternativen vorliegen“. Glauber erinnert Nußbaum in seinem Schreiben daran, dass „unter anderem diese vielfältige negativen Auswirkungen auf das Gebiet und auch zu erwartenden hohen Kosten“ das Landratsamt Rosenheim schon 2017 veranlasst haben, den Gemeinden Rimsting und Breitbrunn mitzuteilen, dass der Landkreis den Bau eines Geh und Radwegs nicht weiterverfolgen werde.

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Beim Thema Auto ansetzen

Zumutbare Alternativen? Für Iris Feuchtmeir vom Rimstinger Bund Naturschutz liegt da eine Idee klar auf der Hand: „Warum setzt man nicht bei den Fahrzeugen an und reduziert das Tempo auf dem Streckenabschnitt?“ fragt sie sich. Tempo 50 wäre ihre „persönliche Wunschgeschwindigkeit“, auch wenn sie wisse, dass das wohl unrealistisch sei. Aber einen Radweg dort zu bauen, bedeute auch massive Eingriffe, fürchtet die Naturschützerin. Sie weiß, dass die Tempo-Diskussion schon mehrfach min der Vergangenheit mit den Behörden geführt wurde – ohne Erfolg.

Das Hin und Her mit den Ämtern, die vielen Hürden, das bürokratische Prozedere, ohne nach jahrelangem Ringen zu einer Lösung zu kommen: All das mache sie „total wütend“. In der Gemeinde Rimsting will man sich mit der Thematik in der nächsten Gemeinderatssitzung im Oktober erneut befassen.

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