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60 Jahre durch dick und dünn

Das Geheimnis einer langen Ehe: Die Priener Ingrid und Erwin Mrotzek feiern diamantene Hochzeit

Seit 60 Jahren sind Ingrid und Erwin Mrotzek ein glückliches Ehepaar.
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Seit 60 Jahren sind Ingrid und Erwin Mrotzek ein glückliches Ehepaar.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Seit nunmehr 60 Jahren halten sich Ingrid und Erwin Mrotzek die als Eheleute die Treue. Das war nicht immer einfach, besonders für Ehefrau Ingrid, die ihrem Mann oft den Rücken freihalten musste. Zusammengehalten haben sie dennoch.

Prien – Der Empfang an der Haustür ist herzlich: Im ersten Stock des Anwesens im Ortsteil Ernsdorf geht’s durch die modern eingerichtete Wohnung zum Balkon. Hier wird das Ehepaar in der kommenden Stunde den OVB-Heimatzeitungen das Rezept für eine 60 Jahre währende Ehe verraten. Denn vor Kurzem haben Ingrid und Erwin Mrotzek ihre diamantene Hochzeit gefeiert.

Von Prien nach München und zurück

Erwin Mrotzek hat seine Wurzeln in Prien, seine Gattin stammt aus Hessen. Der 86-Jährige liefert dazu gleich seine persönliche Fakten. Geboren wurde er 1935 am zweiten Weihnachtstag in München, „gezeugt allerdings in Prien“, betont er augenzwinkernd. „Weil meine Eltern Anfang 1935 in Prien gewohnt haben. Mein Vater hat hier die damalige Chiemgau-Zeitung gedruckt.“ Dann ging’s nach München, 1944 zog die Familie zurück nach Prien.

Mit Fakten und Daten nimmt’s der 86-Jährige sehr genau. Diese Eigenschaft habe sein Leben geprägt, gibt er zu. Logisch, dass er auch jetzt vorbereitet ist. Vor ihm liegt eine vierseitige Zusammenfassung seiner beruflichen wie auch ehrenamtlichen Aktivitäten.

Ehemann den Rücken freigehalten

Ingrid Mrotzek hält sich zunächst im Hintergrund. „Ich bin doch nicht so wichtig“, meint die 82-Jährige. Doch, das ist sie. Denn schließlich steht das Eheleben jetzt im Mittelpunkt. Schnell wird deutlich aus den Erzählungen: In diesen sechs Jahrzehnten hat sie ihrem Ehemann ständig den Rücken freigehalten – fürs Engagement im Beruf wie auch in Priener Vereinen.

Von 1960 bis 1972 hat er das Priener Kur- und Verkehrsamt geleitet, anschließend bis zum Ruhestand 2000 die Generalagentur einer Versicherung. Intensiv engagierte sich der Priener unter anderem in der Faschingsgesellschaft Prienarria, im Kneipp-Verein, Bauerntheater, Schwimmverein und er war Mitbegründer des Diakonievereins, der Realschule Prien und des evangelischen Posaunenchores.

„Ich konnte schlecht Nein sagen“

„Sie musste das aushalten, wenn ich abends zu Versammlungen gegangen bin“, sagt Mrotzek schmunzelnd. „Mein Wunsch war jedes Mal derselbe“, erinnert sich Gattin Ingrid lachend, „bitte ohne Posten wieder heimkommen“. Aber das war meistens vergeblich. „Er hat sich immer wieder überreden lassen, Verantwortung zu übernehmen; sei es als Beisitzer, Kassenprüfer, Kassierer oder auch Vorsitzender eines Vereins.“

Dann wird ihre Miene etwas ernster: „Ich war sehr oft allein“, sagt sie sinnierend. „Das lag wohl an meinem beruflichen Schicksal, ich konnte schlecht Nein sagen“, erklärt sich ihr Mann fast entschuldigend. Seine Frau: „Ich war immer der ruhende Pol daheim. Auch später mit beiden Söhnen und der Tochter. Das war für mich so selbstverständlich.“ Ein einfach klingendes Rezept für eine lange Partnerschaft?

Auf Winzerfest kennengelernt

Begonnen hat sie 1959: Ingrid Mrotzek arbeitete nach Abschluss der Mittelschule als gelernte Einzelhandelskauffrau im Lederwarengeschäft ihres Onkels. Dann gab es für die 20-Jährige eine Zäsur in ihrem Leben: Auf einem Winzerfest in Nierstein am Rhein lernte sie ihren späteren Ehegatten kennen.

Der damals 24-Jährige war auf Einladung eines Schulfreundes mit in dessen Heimatort an den Rhein gekommen, um gemeinsam zu feiern. Bei ihrer ersten Begegnung verabredeten die Hessin und der Bayer ein Treffen, „aber wer nicht kam, war der Erwin“.

Von Hessen nach Bayern gesiedelt

Ein Hauch von Empörung schwingt in der Stimme der Jubilarin mit. „Ich war in einem Weinkeller mit meinem Schulkameraden versackt“, gibt ihr Mann kleinlaut zu – begleitet von einem schelmischen Grinsen. Dennoch habe es zwischen den beiden jungen Leuten gefunkt. Zwei Tage später habe die Rückreise nach Bayern angestanden. „Ingrid hat uns zum Bahnhof gebracht. Plötzlich ist sie mir um den Hals gefallen und hat mir einen dicken Schmatz gegeben.“

Die Folgen nach vielen Briefen und einigen Treffen in Hessen wie auch in Bayern: Die junge Frau siedelte drei Jahre später– acht Tage vor der Hochzeit– nach Prien über. Mrotzek lacht auf: „Das arme Mädchen stand mutterseelenallein auf dem Bahnsteig und hatte keine Rückfahrkarte. Mein gutes Herz hat dann gesagt: Komm, du darfst hier bei mir bleiben.“ Bereut hätten sie das bis heute nicht, wie beide schmunzelnd versichern.

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