Dank der Ruhpoldinger Kinder war ihr schönster Lohn: Nachruf auf Schwester Sebastiana

Schwester Sebastiana Kober
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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  • Hannes Burghartswieser
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Schwester Sebastiana Kober ist tot. Sie starb im 93. Lebensjahr. Vielen Bewohnern Ruhpoldings wird die stets fröhliche Ordensfrau in Erinnerung bleiben, denn sie wirkte fast 67 Jahre ihres Ordenslebens segensreich im heutigen Heilpädagogischen Zentrum in Ruhpolding.

Ruhpolding –  Fast 67 Jahre ihres Ordenslebens wirkte Schwester Sebastiana Kober im heutigen Heilpädagogischen Zentrum. Ihr gelang eine glückliche Verbindung von Ordens- und gleichermaßen Ortsverbundenheit. Eine Seltenheit wie Bürger und Würdenträger betonen.

Getauft auf den Namen Anna

Unter dem biblischen Leitspruch ihres Lebens stand auch der Seelengottesdienst am gestrigen Donnerstag: „Jesus sagte: Wer ein Kind ein meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.“ Auf dem letzten Erdenweg begleiteten sie neben Verwandten und Mitschwestern auch der Ruhpoldinger Bürgermeister und zahlreiche Bürger ihrer jahrzehntelangen Wirkungsstätte.

Diese war seit 1953 in Ruhpolding. Anfang der 60er-Jahre wurde am heutigen Platz des Heilpädagogischen Zentrums eine ordenseigene Einrichtung für lungenkranke Kinder und Jugendliche – die „Lungenheilstätte“ – errichtet. Angst vor einer Ansteckung hatte sie aber nie. Als man sich nach langem Hin und Her in den 70er-Jahren entschloss, das Heim in ein Haus für behinderte Kinder umzufunktionieren, ging Schwester Sebastiana in ihrer fordernden Tätigkeit voll und ganz auf. „Kein Kind ist so dankbar, wie ein behindertes Kind“, sagte damals die Ordensfrau bei ihrem 60. Professjubiläum im Jahr 2013.

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Diese Dankbarkeit der Kinder sei der schönste Lohn für die jahrzehntelange Arbeit. Jetzt ist der Lebensweg der beliebten Schwester Sebastiana zu Ende gegangen. Geboren wurde sie 1927 in Hörgersdorf, einem kleinen Ort zwischen Dorfen und Erding. Die Bäckerstochter ist dort mit drei weiteren Schwestern aufgewachsen. Schwester Sebastiana wurde auf den Namen Anna getauft. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete sie drei Jahre in einem Haushalt. Im Mai 1944 ging sie ins Franziskushaus nach Altötting, das damals Lazarett war und erlernte den Beruf der Köchin.

Dort traf sie auch eine junge Frau, die sie immer wieder in die Kirche des damaligen Provinzhauses Heilig Kreuz mitnahm. Schwester Sebastiana erzählte offen, dass sie „damals oft keine Lust dazu hatte“. Doch im Laufe der Zeit sei ihre Berufung gewachsen und sie trat am 2. Februar 1949 bei den Schwestern vom Hl. Kreuz in Altötting ein.

Als sogenannte Kandidatin absolvierte sie eine Krankenpflegeausbildung. Dazu schreibt sie in ihrem Lebenslauf: „Zu meiner großen Freude darf ich Krankenpflege erlernen.“ Nach der Erstprofess 1953 kam Schwester Sebastiana ins Kinderheim Büchlberg zu den Kleinkindern. Nach nur drei Monaten wurde sie nach Ruhpolding in das damalige Kindererholungsheim „Marienheim“ versetzt. Sie wirkte dort neun Monate als Kinderkrankenschwester. Ab Sommer 1954 wurde das „Josefshaus“ ihre Wirkungsstätte. In dieser Lungenheilstätte betreute sie die älteren Mädchen, und später (ab 1962) die Kleinkinder. So nahm sie – damals noch möglich – kurzerhand auch schon einmal Kleinkind, das keinen Anschluss an seine Familie hatte, sogar mit in den eigenen Urlaub, damit dieses nicht allein zurückbleiben musste. Gerne erzählte die Nonne die Anekdote, dass ein Bub ihr einen Heiratsantrag mal gemacht habe.

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Als sie ablehnte, wollte dieser wissen, ob es einen anderen Mann in ihrem Leben gebe. Da antwortete sie ja: Gott. Auch als sie 2000 aus dem aktiven Dienst in der Gruppe ausschied, besuchte sie noch gerne „ihre“ Kinder“ und übernahm verschiedene Aufgaben im Haus. Sie war für die Buben und Mädchen oft wie eine Mutter und später wie eine Großmutter. Schwester Sebastiana war für ihren trockenen Humor bekannt. Und ihre Liebe zu Tomaten. Noch iM krankenhaus hat sie zu ihrem Namenstag eine Schale davon gehabt. Sie liebte diese Roh, als Salat et cetera, schildert Provinzleiterin Schwester Marika gegenüber unserer Zeitung. Blumen allgemein, aber ganz besonders Frühlingsblumen gefielen der Verstorbenen besonders. Zwei Wochen vor ihrem Tod brachte Schwester Marika der 92-Jährigen noch Primeln vorbei. „Diese hatte sie auch immer als erstes für ihre Kinder in der Gruppe gekauft“, so die Provinzleiterin. Schwester Sebastiana schätzte das Leben in der Schwesterngemeinschaft und das gemeinsame Gebet. Da dort das Provinz- und Missionshaus Heilig Kreuz ist, werden die Ordensschwestern, wenn sie es wünschen, dort beerdigt und bleiben „weiterhin in der Gemeinschaft“. Bis zu ihrem Tod war Schwester Sebastiana geistig fit. Die Kräfte hatten sie nun verlassen. „Seit Langem wartete sie darauf, endlich „heimgehen“ zu dürfen. Sie durfte ruhig einschlafen im Krankenhaus in Burghausen“, so die Provinzleiterin bei der Beerdigung. Und weiter lauteten ihre Abschiedsworte: „Liebe Schwester Sebastiana, wir danken dir für dein Lebenswerk, für deine große Treue, deinen bodenständigen Glauben und die hingebungsvolle Liebe, die du so vielen Kindern und jungen Menschen geschenkt hast. Möge Gottes Liebe dich nun umfangen und dich ewig erfreuen.“

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