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Erster Test mit neuem Kessel

Dampflok Laura aus Prien nach dreijähriger Reparatur auf Probefahrt im Harz

Laura stand am Donnerstag zum ersten Mal seit drei Jahren bei der Probefahrt in Wernigerode im Harz wieder voll unter Dampf. Unser Bild zeigt das Priener Wahrzeichen mit einem kurzen Personenzug am mittelalterlichen Westerntor-Turm, einem Wahrzeichen der „Bunten Stadt am Harz“.
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Laura stand am Donnerstag zum ersten Mal seit drei Jahren bei der Probefahrt in Wernigerode im Harz wieder voll unter Dampf. Unser Bild zeigt das Priener Wahrzeichen mit einem kurzen Personenzug am mittelalterlichen Westerntor-Turm, einem Wahrzeichen der „Bunten Stadt am Harz“.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Nach über drei Jahren wird Laura, die Dampflok der Chiemseebahn, heuer im Sommer wieder die Priener Gäste verzücken. Die denkmalgeschützte Touristenattraktion hat nach dem Einbau eines neuen Kessels die Feuertaufe bei Testfahrten im Harz bestanden.

Wernigerode/Prien – Nach über 130 Jahren ist Laura zum ersten Mal fremd gefahren. Mit ihrem neuen Kessel, den sie im thüringischen Meiningen bekommen hat, probte die Dampflok der Chiemseebahn am Donnerstag Vormittag in Wernigerode im Harz den Ernstfall. Auf den Gleisen der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) bestand das Bockerl die Feuertaufe.

Das war nicht selbstverständlich. Am Vorabend hatte Laura noch „zu wenig Zug“, die Leistung passte noch nicht, berichtete Michael Feßler, Geschäftsführer der Chiemsee-Schifffahrt, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Aber nachdem Techniker nochmal Hand angelegt hatten, passte Lauras Gesamtpaket dann endlich.

Zwangspause seit Ende 2017

Seit 1887 zieht Laura im Sommerhalbjahr die Waggons der Chiemseebahn auf der 1,9 Kilometer kurzen Strecke zwischen Bahnhof und Hafen in Prien. Seit Ende 2017 hatte sie eine Zwangspause. Die Chiemsee-Schifffahrt, die die Bahnlinie am Bayerischen Meer seit deren Bau 1887 betreibt, ließ die denkmalgeschützte Lok in die letzte deutsche Dampflokfabrik nach Meiningen im Süden Thüringens bringen. Dort sollte eigentlich „nur“ der 3,5 Meter lange Kessel repariert werden, denn er hatte Rost angesetzt.

Weil aber die Einzelteile des alten Kessels von hunderten Nieten zusammengehalten wurden und sich auch bei den Spezialiasten in Meiningen heutzutage niemand mehr auf diese Technik versteht und die Metalllegierungen in dieser Zusammensetzung gar nicht mehr verfügbar sind, wurde es kompliziert und langwierig.

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Die Bleche für den neuen, 3,5 Meter langen Stahlkessel mussten anders konstruiert und dann als Unikate maßgeschneidert für Laura angefertigt werden. Maximilian Roesler, Fertigungstechniker der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH aus Meiningen, hatte der Chiemgau-Zeitung über die Arbeiten berichtet, als diese vor einigen Wochen auf die Zielgerade einbogen. Vorausgegangen waren ungezählte Absprachen zwischen Eigentümer, Technikern, einem unabhängigem Kessel-Sachverständigen und Denkmalschützern. Letztere hatten gewichtige Worte mitzureden, besteht Laura doch weitgehend aus Originalteilen aus den späten 1880er Jahren.

Faszinierender Größenvergleich: Die kleine Dampflok „Laura“ begegnete in Wernigerode einer 61 Tonnen schweren und 700 PS starken „Brockenlok“ der HSB. Michael Feßler, Geschäftsführer der Chiemsee-Schifffahrt Ludwig Feßler KG (Mitte), sein Sohn Martin Feßler(links) sowie HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener waren bei diesem besonderen Anlass vor Ort.

Den Kesselaustausch nutzten die Spezialisten in Meiningen für weitere Instandhaltungsarbeiten an der Lok. Fahr- und Triebwerk wurden zerleg, rostige Stelle am Rahmen geflickt, die Zylinder in Schuss gebracht und die Achslager überarbeitet.

Für die Priener wird das äußere Erscheinungsbild etwas anders ausschauen als zuletzt vor der Zwangspause. Das typische Original-Grün hatten die Fachleute in Meiningen zusammengemischt und an den Rändern schwarze Streifen lackiert, wie sie auf alten Fotos der Lok zu erkennen waren.

Anfang dieses Jahres bestand die 13,3 Tonnen schwere Laura die ersten Härtetests. Der neue Kessel, in dessen Innern im Betrieb Temperaturen bis zu 900 Grad Celsius herrschen, bestand Roesler zufolge seine Belastungsproben mit bis zu 13 Bar Druck. Laura war reif für die Belastungsprobe während der Fahrt. Die Harzer Schmalspurbahn bot sich an. Erstens war der Weg von Meiningen dorthin nicht allzu lang. Zweitens, und das war entscheidend, hat die HSB, die bis auf den Brocken führt, die gleiche, selten gewordene Spurbreite wie die Bockerlbahn am Bayerischen Meer; exakt einen Meter

So wurde Laura zur ersten Lok, die seit November auf einem Teilabschnitt der HSB-Gleise rollte.

Bereits seit November ruht dort pandemiebedingt der Zugbetrieb auf dem Großteil des 140,4 Kilometer langen Streckennetzes, berichtet HSB-Sprecherin Heide Baumgärtner. Dank Laura wehten nun wieder erste Dampfwolken über Wernigerode.

60 PS, verteilt auf zwei Achsen

Die Probefahrten des zweiachsigen und nur 60 PS starken Oldtimers, der mit seiner kantigen Bauform zur seltenen Gattung der Kastenlokomotiven zählt, „konnten erfolgreich abgeschlossen werden“, berichtete die HSB-Sprecherin am Donnerstag.

Laut Michael Feßler wird Laura am Dienstag per Tieflader in Prien zurückerwartet. Wenn im Mai oder coronabedingt später der Sommerfahrplan inkraft tritt, wird sie ihren Betrieb wieder aufnehmen. In normalen Jahren befördert die Bockerlbahn bis zu 90.000 Passagiere, überwiegend Touristen. Sie halten die dampfende Publikumsattraktion auch auf unzähligen Bildern als Urlaubserinnerung fest und werben so für Prien.

Nach nur 70 Tagen Bauzeit wurde am 9. Juli 1887 die 1,9 Kilometer lange Strecke der Chiemseebahn zwischen Bahnhof und Hafen fertiggestellt. Den Bau der Schmalspurbahn beantragt hatten Ludwig Feßler und Georg Krauss, Haupteigentümer der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. in München. Sie reagierten auf das damalige Verkehrschaos in Prien. Grund war der Ansturm auf das Schloss Herrenchiemsee, das nach dem Tod von König Ludwig II. zur Besichtigung freigegeben worden war.

In den ersten Monaten brachten Pferdekutschen die Schaulustigen vom Bahnhof zum Seeufer. Auf der schlechten Wegstrecke soll es damals zu folgenschweren Unfällen gekommen sein.

Warum Dampflok Laura diesen Namen trägt, ist nicht überliefert. Wie die Waggons besteht sie überwiegend noch aus den Originalteilen aus den 1880er Jahren.

Seit Laura im Dezember 2017 zum Einbau eines neuen Kessels nach Thüringen gebracht wurde, hatte ihre Schwester, die knapp 60-jährige Diesellok Lisa, den Fahrbetrieb allein übernommen.

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