Da schlägt‘s 13

Miniaturarbeit in höchster Präzision beweist dieser blaue Lanz-Bulldog.
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Miniaturarbeit in höchster Präzision beweist dieser blaue Lanz-Bulldog.

Prien – Ein fast unglaubliches Bastel-Genie und eine nicht minder ideenreiche Partnerin haben sich seit fast zwölf Jahren in der Marktgemeinde Prien mit Friedrich Pfaff und Edith Behling niedergelassen.

Und ihr Hobby-Tatendrang lässt nicht nach, im Gegenteil: Das Rentner-Paar (Friedrich Pfaff ist immerhin fast 80 Jahre) ist im wahrsten Sinne rund um die Uhr aktiv und kreativ. In ihrem Zuhause in Ernsdorf fühlt man sich wie in einem wahren Museum, an allen Wänden und Winkeln finden sich individuelle Unikate, insbesondere an Uhren der verschiedensten Machart.

Teilnahme anBastelwettbewerben

Friedrich Pfaff, aufgewachsen im Schwarzwald, beruflich tätig als Industriemechaniker am Bodensee und noch während seiner Berufszeit vielfach bei nationalen und internationalen Bastel-Wettbewerben und Modell-Restaurierungen mit Siegerpreisen ausgezeichnet hat sich erst in diesem Jahr in seinem Haus wieder mehr Platz schaffen müssen. Vormals anderweitig genutzte Kellerräume sind inzwischen zu einer Werkstatt und zu Ausstellungs- und Empfangsräumen umgebaut worden. „Das ist mein Wohnzimmer, ja mein Paradies“, so Pfaff in seiner Werkstatt, die eine Vielzahl an Handwerkszeug und selbst zusammengestellten Maschinen aufweist.

Feierabend gibt esaus lauter Spaß nicht

„Einen Feierabend brauchen wir nicht, weil wir uns nur allzu gerne beschäftigen“, so Edith Behling, die vormals Schaufenster-Dekorateurin und in großen Theatern Bühnenbildnerin war und die Ideen am laufenden Band für Friedrich Pfaff liefert. Dieser zeigt bei seinem Haus-Rundgang einen funktionstüchtigen Lanz-Bulldog (Antrieb über Heißluft-Motor) aus dem Jahr 1921, einen maßstabsgetreuen Triebwagen VT 21 MAN, der von 1893 bis 1972 im Schwarzwald fuhr oder ein Porträt der Priener Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“, das aus rund 2000 Zündhölzern besteht. Haupt-Erzeugnisse aber sind Uhren. Rund 60 Arbeitsstunden investiert er in ganz und gar individuelle, zuweilen von Kunden mit Sonderwünschen in Auftrag gegebene Uhren.

Kuckucks-, Pyramiden-, Holzräder-, Wand- oder bayerische Landhaus-Uhren sind nur ein Teil dessen, was im Hause Pfaff rund um die Uhr schlägt. Neuerdings macht der Uhrmacher aus Leidenschaft Wanduhren mit und ohne LED-Beleuchtung in unterschiedlichen Größen. Eine jüngst geschaffene Leucht-Uhr mit Strom-Anschluss kann mit besonderen Motiven erstellt werden, eine dieser Uhren mit Motiven der Steubenparade von New York konnte wegen eines Todesfalls nicht mehr abgeholt werden. Neu ist auch eine sogenannte Licht-Kreis-Uhr ohne Uhrzeiger. Das LED-Licht zeigt an den beiden äußeren Kreisen in Gelb die Stunden und in Weiß die Minuten an.

„Die Steuerung erfolgt sekundengenau über eine Quarz-Uhr, der Anblick und die Zeitwahrnehmung brauchen allerdings etwas Gewöhnung“, erklärt Pfaff, der in seinem Keller mit eigens erstellten Maschinenkons truktionen die Einzelteile und Zahnräder so herstellen kann, dass sie auf Tausendstel-Millimeter genau passen. Die Entwürfe zu den Individual-Uhren kommen meistens von seiner Partnerin Edith Behling, sie schafft ihrerseits noch Bleistiftzeichnungen oder aus den Schnitzeln der Bastelabfälle von Herrn Pfaff ganz und gar neue Kunstwerke.

„Nichts ist unnütz und alles ist gut für neue Ideen“, so die jung gebliebene Künstlerin, die zusammen mit Friedrich Pfaff gerne bereit ist, ihr museales Haus unter dem Motto „Ohne Uhren kein Leben“ interessierten Leuten – nach der Corona-Krise – zu zeigen: vorherige Anmeldung dazu dann tagsüber unter Telefon 0 80 51/18 21.

Blick auf Friedrich Pfaff in seiner „Schatzkammer“, der Werkstatt, in der alles Gestalt und Form annimmt. Hötzelsperger
Motive der Steubenparade ziere diese Uhr. Zudem ist sie von hinten futuristisch beleuchtet.
Nachgebaut: ein Schiff vom Königssee, wie es viele Urlauber nutzen.
Kultig: die Kuckucksuhr.
Die Chiemgau-Variante der Kuckucksuhr.

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