Internatsalltag

Corona-Modus in Marquartstein: So funktioniert das Internatsleben am LSH

Das Landschulheim Marquartstein wird von externen Schülern und über 100 Internatsschülern besucht. LSH
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Das Landschulheim Marquartstein wird von externen Schülern und über 100 Internatsschülern besucht. LSH
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Marquartstein – Schüler und Lehrer machen wegen Corona heuer viel mit. Erst recht, wenn sie rund um die Uhr in der Schule sind. Wir haben mit Jürgen Bader, Leiter des Internats am LSH, über Auffangräume, Einreiseschwierigkeiten und Liebeleien zwischen den Stockwerken gesprochen.

Steht man kurz vor Beginn des Mittagessens vor dem Speisesaal, dann wurlt es nur so von Schülern aus allen Jahrgangsstufen, die am Landschulheim Marquartstein das Internat besuchen. Eigentlich – heuer ist das anders. Die Chiemgau-Zeitung hat mit Internatsleiter Jürgen Bader gesprochen, wie sich das Leben im Internat pandemie-konform gestalten lässt.

Jürgen Bader leitet das Internat in Marquartstein.

Herr Bader, wie hat sich das Internatsleben durch Corona verändert?

Jürgen Bader: Im Internat orientieren wir uns derzeit an den Regeln für den regulären Unterricht. Da die Fallzahlen noch niedrig sind, gibt es keine Maskenpflicht, weder im Unterricht noch auf den Stockwerken. Wir haben die Kinder in Gruppen unterteilt nach den Stockwerken, in denen sie leben, um dann nur eine Art Teil-Quarantäne umsetzen zu müssen. Auf den Zimmern sind derzeit maximal zwei Schüler untergebracht, außerdem halten wir Auffangräume für Erkrankte mit Erkältungssymptomen frei. Bei Fieber müssen sie die Eltern zeitnah nach Hause holen.

Wie haben die Schüler den Lock-Down erlebt?

Bader: Wie alle Schulen haben wir gleich zugemacht und die Schüler sind nach Hause zu ihren Eltern. Ein Teil unserer Schüler kommt aus dem Ausland. Eine Schülerin aus China konnte wegen der Pandemie gar nicht heimreisen, wir haben sie in einer Ferienwohnung untergebracht und regelmäßig Kontakt gehalten. Das Risiko war bei ihr auch, dass sie sonst nicht mehr einreisen können und das Abi stand an. Sie hat dennoch ihr Abitur mit 1,0 bestanden. Bei uns hat der Online-Unterricht gut geklappt. Das war hilfreich, weil nicht alle internationalen Schüler vor den Sommerferien zurückkommen konnten.

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Gab es Eltern, die ihre Kinder lieber nicht mehr ins Internat schicken wollten?

Bader: Das Internat ist voll, über hundert Schüler sind bei uns untergebracht. Wir konnten auch nicht feststellen, dass Schüler wegen Corona abgemeldet werden oder die Nachfrage sinkt. Wir haben zu Beginn des Schuljahres den Eltern empfohlen, ihre Kinder testen zu lassen. Die Mehrheit hat das auch gemacht.

Wie hat sich der Alltag inzwischen eingespielt?

Bader: Die Kinder halten sich ganz gut an die Regeln, auch wenn wir sie immer wieder mal erinnern müssen. Sie bleiben in ihren Gruppen. Auf den Stockwerken im Internat müssen sie innerhalb der Gruppen keine Masken tragen, zu den anderen Stockwerken und Häusern jedoch schon Abstand halten und im öffentlichen Raum Masken tragen. Schwierig wird es bei Liebesbeziehungen über die Stockwerke. (lacht)

Wie nehmen die Eltern ihrer Schüler diese Situation an?

Bader: In der Regel sehr konstruktiv. Letztendlich bilden wir hier die Gesellschaft im Kleinen ab. Ein paar wenige Eltern erleben auch wir, die die Regeln nicht so mittragen wollen und versuchen, für ihre Kinder andere Grundsätze durchzusetzen. Uns ist bei alllen Entscheidungen neben der Sicherheit aller Beteiligten die Verhältnismäßigkeit sehr wichtig.

Wie sieht die Freizeitgestaltung für die Internatsschüler aus?

Bader: Die sind immer noch eingeschränkt, aber das war schon schlimmer. Badminton, Joggen, Radfahren, Pingpong – das geht gut, wegen des Abstands oder weil es draußen stattfindet. Auch Fußball dürfen sie inzwischen in ihren jeweiligen Gruppen wieder spielen. Wir halten uns an den Rahmen, der für Sportvereine gilt. Anders sieht es aus bei unserer traditionellen Fahrt an den Gardasee im Sommer. Wir müssen schauen, was überhaupt möglich ist. Momentan sehe ich das noch nicht, aber könnte sich ändern.

Wie ist es den Kindern aus Risikogebieten gegangen?

Bader: Wir haben einen Schüler aus Wien, der zuletzt nicht heimreisen konnte. An den Wochenenden ist es aber für alle internationalen Schüler grundsätzlich möglich, im Internat zu bleiben, mit Erziehern und einer Essensversorgung. Wir haben soweit ich weiß keine Schüler aus dem Berchtesgadener Land, aber wir müssen uns insgesamt ansehen, wie sich das Infektionsgeschehen in den nächsten Wochen entwickelt.

Sie haben die Aufgabe erst zum Halbjahr übernommen. Wie war die Zeit für Sie?

Bader: Ich hatte zwei Wochen Normalität und dann kam Corona. Aber ich hab mich bewusst für den Job entschieden und wusste, worauf ich mich einlasse. Es passt – auch wenn es viel Arbeit, manchmal auch viel Verantwortung ist.

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