7-Tage-Inzidenz über 400

Corona-Fallzahlen explodieren: Landkreis Traunstein schließt ab Montag die meisten Schulen

Ein Arzt führt bei einem freiwilligen Corona-Test einen Abstrich durch.
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Immer mehr Coronavirus-Infektionen im Kreis Traunstein: Das Landratsamt schließt deshalb bald die meisten Schulen.
  • Moritz Kircher
    vonMoritz Kircher
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  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
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Angesichts eines Rekordwertes an Coronavirus-Infektionen sollen im Landkreis Traunstein viele Schüler wieder in den Distanzunterricht gehen. Von Montag an bis zum 4. Dezember werde «aufgrund des diffusen Infektionsgeschehens» der Präsenzunterricht vorübergehend eingestellt.

Traunstein (dpa/lby) – Zu diesem drastischen Schritt hat sich das Landratsamt Traunstein entschlossen. Ausgenommen seien Grundschulen sowie diverse andere Schularten und Klassen. Weiter Präsenzunterricht sollen etwa schulvorbereitende Einrichtungen sowie Start- und Abschlussklassen verschiedener Schultypen haben.

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7-Tage-Inzidenz bei 416,2 im Kreis Traunstein

Am Mittwoch hatte das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) für den Landkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von 416,20 gemeldet - der höchste bisher aus Bayern bekannt gewordene Wert. Landrat Siegfried Walch (CSU) hatte in einem Videospot von einer «galoppierenden Aufwärtsbewegung» gesprochen.

Landrat Siegfried Walch (CSU) sprach in einem Videospot von einer «galoppierenden Aufwärtsbewegung». Bereits am Vortag hatte die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche bei 377,9 gelegen. Walch sagte, das sei der «absolute Höchststand, den der Landkreis jemals zu verzeichnen hatte».

Walch über Corona-Hotspots: „Völlig klar, dass das auch zu uns rüberschwappt“

Als Gründe für die hohen Zahlen führte Walch unter anderem die geografische Lage an. Der Landkreis Traunstein sei von Hotspot-Gebieten umgeben gewesen oder noch umgeben, darunter das Berchtesgadener Land, Rosenheim und Salzburg. «Es war völlig klar, dass das auch zu uns rüberschwappt.»

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Walch mahnte die Menschen, sich an die geltenden Corona-Einschränkungen zu halten. «Die Sache müssen wir ernst nehmen», sagte er auch mit Blick auf die Lage in den Kliniken, wo die Zahlen der Covid-19-Patienten zeitverzögert stiegen.

Schulen bereiten sich auf die Schließung vor

Die erste Reaktion auf die drastischen Maßnahmen im Kreis Traunstein: gemischt. Christian Auer, Leiter der Franz von Sales Schule Niedernfels in Marquartstein, einem Internat mit externen Schülern und Schülern in Wohngruppen, sagt: Viele der Kinder können gar nicht den ganzen Tag zuhause sein, weil sie deshalb bei uns sind. Diese Kinder kommen teilweise über die Jugendhilfe und von den Jugendämtern; fahren teilweise nur 14-tägig heim. Das ist schwierig, wenn eine Quarantäne kommt.“

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Die Situation bereite den Verantwortlichen an der Schule Bauchschmerzen. Auer: „Wenn zehn Kinder nicht in die Schule gehen dürfen, führt das zu einer sehr schwierigen Personalsituation.“ Alle Schüler der Klassen sechs sieben acht werden online beschult, Wohngruppenkinder bleiben in Wohngruppen.

Jürgen Bader, Leiter des Internats LSH Marquartstein, sagt: „Die Entscheidung des Landratsamtes kann ich nachvollziehen.“ Er glaubt, dass die Schule das in den kommenden drei Wochen geregelt bekommt. Einige Schüler müssten abreisen, andere im Internat bleiben und dort betreut werden. Bader sagt. „Inzwischen kennen wir sämtliche Varianten. Ich hoffe, dass die Eltern zuhause einigermaßen klar kommen.“ (Mit Material von dpa)

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