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Corona-Impfung: Start in den Landkreisen Traunstein und Mühldorf – Infos zur Terminvergabe

Roswitha Mösl erhält im Aufklärungszimmer von Dr. Christina Lemhöfer den Eintrag in ihren Impfpass.
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Sie ist die erste im Landkreis Traunstein, die gegen das Coronavirus geimpft ist: Roswitha Mösl erhält im Aufklärungszimmer von Dr. Christina Lemhöfer den Eintrag in ihren Impfpass.

Der große Startschuss ist gefallen. Deutschland impft seit heute, 27. Dezember, gegen das Coronavirus. Auch in den Landkreisen Mühldorf und Traunstein wurden die ersten Impfdosen verabreicht. Die ersten Senioren, die den Pieks bekommen haben, sind Roswitha Mösl (81) aus Traunstein und Agnes Brunner aus Ampfing (87).

Ampfing/Traunstein – Als erste Freiwillige im Landkreis Traunstein erhält die 81-jährige Roswitha Mösl im Impfzentrum des Landkreises in Altenmarkt einen der Impfdosen. Damit konnte die Impfung am Sonntag, den 27. Dezember 2020 auch im Landkreis Traunstein beginnen. 

Die erste Geimpfte war vor der Rente selbst Krankenpflegerin

Roswitha Mösl ist Jahrgang 1939. In dem Jahr als sie geboren wurde, steht Europa am Beginn des Zweiten Weltkriegs. Mit Ihrer Familie muss sie im Alter von sechs Jahren aus Breslau fliehen. In den 1950er Jahren absolvierte sie eine Ausbildung in der Krankenpflege. Später zieht sie nach Trostberg, lernt ihren Mann kennen und gründet eine eigene Familie.

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Dort arbeitete sie jahrzehntelang als Altenpflegerin, denn anderen Menschen zu helfen ist nicht nur ihre Arbeit sondern ihre Leidenschaft. Ihren Ruhestand - das heißt zwischen Ihrem 65. und 70. Lebensjahr - verbrachte Sie die meiste Zeit in Palästina, um das dortige Pflegeheim des Vereins vom Heiligen Lande in der Ortschaft Emmaus mit Arbeitskraft und „Know-how“ zu unterstützen.

Mösl glaubt an ein gutes „Danach“, wenn die Pandemie besiegt ist

Im Chiemgau lebt sie als Rentnerin noch immer sehr gerne, nun aber in Traunstein. Über die Corona-Pandemie sagt sie: „Wenn ich an meine Elterngeneration denke, die in ihrem Leben das Grauen zweier Weltkriege und deren dramatischen Folgen erleben mussten, glaube ich, dass es auch bei diese Corona-Pandemie ein ‚Nachher‘ geben wird. Die meisten von uns hungern nicht, haben noch ein sicheres Dach über dem Kopf – ein Zuhause“.

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Als Roswitha Mösl von der Impfmöglichkeit gegen das Coronavirus erfahren hatte, hat sie für sich gleich entschieden, dass sie diese nutzen wollte: „Meine Eltern waren beide Ärzte, mein Vater war Gynäkologe und meine Mutter Kinderärztin. Wenn die ihren damaligen Stand der Medizin mit unserer Heutigen und gerade diesem Impfstoff vergleichen würden – die würden es nicht glauben“, ist sich Roswitha Mösl sicher.

„Das funktioniert wie vieles im Leben halt immer nur, wenn jemand anfängt und dann auch genug Menschen mitmachen.“

Roswitha Mösl über die Corona-Impfung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Existenz von Viren gerade erforscht und waren als Erreger von Krankheiten wie den Pocken – die laut WHO unter anderem durch Impfungen als ausgerottet gelten – noch unbekannt. Erst im Laufe der Zeit wurde der Hintergrund von Virusinfektionskrankheiten erforscht. Mösl ist überzeugt, dass sich in Ihrer Generation viele für die Impfungen entscheiden werden. Auf jeden Fall will sie viele dazu ermutigen: „Das funktioniert wie vieles im Leben halt immer nur, wenn jemand anfängt und dann auch genug Menschen mitmachen“.

Alle wichtigen Infos zum Impfzentrum im Kreis Traunstein finden Sie hier.

Diese Haltung habe sie von ihren Eltern gelernt: Nach vorne schauen, anpacken und nicht verzweifeln. „Das wollte ich auch immer anderen Menschen und gerade meinen Kindern und Enkeln mitgeben. Die haben auch schon gesagt, dass sie bei der Impfung mitmachen werden“. Nach der Impfung in Altenmarkt geht es ihr gut. Nun wartet sie zum Jahreswechsel auf den zweiten Termin im Impfzentrum, der nach der vorgeschriebenen Wartezeit von 21 Tagen Ende Januar stattfinden soll.

Kursana-Pflegeheim in Ampfing macht den Anfang im Kreis Mühldorf

Im Landkreis Mühldorf sind am Sonntag (27. Dezember) im Kursana-Pflegeheim in Ampfing die ersten Corona-Impfungen durchgeführt worden. Insgesamt 100 Personen bekamen die kleine Spritze. Bereits am Vormittag startete die Impfaktion durch die mobilen Impfteams von DLRG und Malteser im Pflegeheim Kursana. Dort wurden als Erste Pflegedirektorin Diana Müller-Renner und die 87-jährige Bewohnerin Agnes Brunner geimpft.

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Die Impfung am Impfzentrum Mühldorf startete mit der 92-jährigen Elisabeth Schwab aus Rechtmehring. Landrat Max Heimerl freute sich über den Impfstart und bezeichnete diesen als einen wichtigen Schritt hin zur Normalität. „Trotzdem müssen wir noch weiter geduldig und diszipliniert bleiben, weil es noch mehrere Monate dauern wird, bis wir die nötige Gesamtzahl an Impfungen erreicht haben“, so Landrat Heimerl.

Wir haben uns vorerst auf 300 Impfungen pro Tag vorbereitet und hoffen jetzt, dass schnell ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht

Max Heimerl, Landrat des Landkreises Mühldorf

Da anfangs nicht genügend Impfstoff für alle zur Verfügung steht, haben der Bundesgesetzgeber und die Ständige Impfkommission vorgegeben, dass im ersten Schritt Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Seniorenpflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienstmitarbeiter, Personen über 80 Jahre und besonders betroffene Mitarbeiter in den Krankenhäusern geimpft werden müssen. Die nächsten Impfstofflieferungen im Kreis Mühldorf erfolgen im Laufe der Woche. Derzeit geht das Landratsamt von knapp 1000 weiteren Impfdosen bis Jahresende aus. „Wir haben uns vorerst auf 300 Impfungen pro Tag vorbereitet und hoffen jetzt, dass schnell ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht“, so Landrat Max Heimerl.

Die 92-jährige Elisabeth Schwab aus Rechtmehring erhielt als Erste eine Impfung am Impfzentrum in Mühldorf.

Inzwischen wurden auch alle ca. 7100 Personen über 80 Jahre im Landkreis angeschrieben und auf die Möglichkeit einer Impfung hingewiesen. Unter der Telefonnummer 08631/186090 können sie sich im Impfzentrum melden und einen Termin vereinbaren. Alle aktuellen Informationen zur Corona-Impfung und zu den Priorisierungsgruppen können unter www.impfzentrum-muehldorf.de abgerufen werden.Die ca. 1400 Menschen, die in einem stationären Alten- oder Seniorenpflegeheim leben und die entsprechenden ca. 930 Pflegekräfte müssen sich nicht melden, sondern werden über die Einrichtung über das weitere Vorgehen informiert, so das Landratsamt Mühldorf in einer Pressemitteilung.

Hausärzte und Impfteams arbeiten Hand in Hand

Die Pflegeeinrichtungen bereiten sich derzeit auf die Impfungen vor und holen wo nötig Einverständniserklärungen der gesetzlichen Betreuer ein. Die Hausärzte übernehmen dabei die Impfaufklärung. Die Impfung selbst wird dann in der Pflegeeinrichtung von einem mobilen Impfteam bei Bedarf in Zusammenarbeit mit den dort tätigen Hausärzten übernommen.

Das Landratsamt weist bei der Terminvereinbarung für die Impfung darauf hin: Die telefonische Terminvereinbarung im Impfzentrum soll derzeit ausschließlich von der höchstpriorisierten Personengruppe in Anspruch genommen werden. A

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