Probleme bei der Kontaktverfolgung

Coronavirus: Superspreader-Party am Chiemsee zieht weitere Infektionen nach sich

Nichts geht mehr: Die Chiemseehalle in Breitbrunn bleibt bis auf Weiteres geschlossen.
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Nichts geht mehr: Die Chiemseehalle in Breitbrunn bleibt bis auf Weiteres geschlossen.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Eine Privatparty am nördlichen Chiemseeufer hat sich nach Behördenangaben zum „Superspreader-Event“ entwickelt. Die Zahl der Corona-Infizierten in den drei Gemeinden Breitbrunn, Gstadt und Chiemsee sind so stark angestiegen, dass die drei Kommunen öffentliche Einrichtungen geschlossen haben.

Update 22. Oktober

Probleme bei Nachverfolgung der Kontaktpersonen

33 der 35 Gäste der „Superspreader“-Party sind laut Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, inzwischen positiv auf Corona getestet. Weil sich der Veranstalter anfangs geweigert habe, Kontaktpersonen zu nennen, wie Fischer weiter ausführte, ging wertvolle Ermittlungszeit für das Recherche-Team des Gesundheitsamtes verloren.

Inzwischen gebe es nachweislich bereits Infizierte in der nächsten Generation, die sich bei positiven Partygästen angesteckt haben. Deren genaue Zahl war am Mittwoch Nachmittag nicht bekannt. Das Landratsamt will den Fall an die Kripo weitergeben und ermittle weiterhin mit Hochdruck, um weitere Kontaktpersonen ausfindig zu machen.

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Die Erstmeldung vom 21. Oktober

Breitbrunn/Gstadt/Chiemsee/Rosenheim – Die Chiemseehalle in Breitbrunn, die Jugendtreffs dort am Feuerwehrhaus und im Nachbarort Gstadt beim Campingplatz, die Bücherei im Breitbrunner Rathaus sowie das Gemeindehaus in Gollenshausen bleiben bis auf Weiteres geschlossen, listete Breitbrunns Bürgermeister und VG-Vorsitzender Anton Baumgartner im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung auf.

Feier mit 35 Teilnehmern wird zum Superspreader-Event

Er berichtete, dass zwei Privatpartys am Wochenende 9. bis 11. Oktober sowie eine Hochzeit als Infektionsherde vermutet würden. Über die genauen Örtlichkeiten wollte er am Mittwoch ebenso nichts sagen wie Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim. Er konnte auf Anfrage zumindest eine Party als Ursache für einen schnellen und deutlichen Anstieg der Corona-Fallzahlen in den drei Gemeinden bestätigen. Eine Feier mit 35 Teilnehmern am besagten Wochenende habe sich zum sogenannten Superspreader entwickelt. Mindestens 23 Gäste dieser Party seien inzwischen positiv getestet und stünden ebenso in häuslicher Quarantäne wie ihre ermittelten Kontaktpersonen, so Fischer.

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Baumgartner und seine Amtskollegen Bernhard Hainz (Gstadt) und Armin Krämmer (Chiemsee) stehen im engen Austausch mit den Ärzten der Breitbrunner Hausarztpraxis, die schon im Frühjahr als eine der sogenannten Corona-Notfallpraxen im Landkreis fungierte und wo sich die allermeisten Bürger aus dem Umkreis testen lassen. Die Entwicklung der Coronazahlen hatte sich demzufolge schon abgezeichnet und die Kommunalpolitiker seien vorgewarnt gewesen, schilderte Baumgartner.

Verwaltung setzt auf bewährte Corona-Vorsichtsmaßnahmen

Für die Arbeit der VG-Verwaltung im Breitbrunner Rathaus bedeutet die vorläufige Schließung öffentlicher Einrichtungen keine Veränderung. Bürger müssen schon seit dem Lockdown im Frühjahr Termine vereinbaren, um ins Rathaus zu kommen. Politik und Verwaltung hatten diese Vorsichtsmaßnahme zwischenzeitlich nicht gelockert, als sich die Corona-Lage entspannt hatte. Laut Baumgartner haben sich frühzeitig ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen absolut bewährt und sollen zunächst so beibehalten werden.

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Wann Turnhalle, Bücherei, Jugendtreffs und Gemeindehaus wieder geöffnet werden können, ist zurzeit überhaupt noch nicht absehbar. Das Gemeindehaus in Gollenshausen ist auch deshalb betroffen, weil dort unter anderem Musikunterricht stattfindet. Der Gstadter Gemeinderat hält dort in der Regel seine Sitzungen ab.

Fußballer müssen zuhause duschen

Dass die Schließungen in zwei bis drei Wochen wieder gelockert werden können, hofft unter anderem Nikolaus Arpé. Der Vorsitzende des TSV Breitbrunn-Gstadt und seine Vorstandskollegen hatten gerade erst ein aufwändiges Hygienekonzept für das Wintertraining in der Chiemseehalle entwickelt. „Das war jetzt erstmal für die Katz“, so Arpé im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Gleichwohl hat er vollstes Verständnis dafür, dass der Sportbetrieb vorerst ruhen muss. Nur die Fußballer seien noch draußen. Weil die Umkleiden aber in die Halle integriert sind, stehen sie nicht mehr zur Verfügung. Geduscht wird also zuhause.

Schließung der Chiemseehalle trifft Turner und Tischtennisspieler

Die Schließung der Chiemseehalle trifft vor allem die Tischtennis- und die Turnabteilung, berichtete der Vorsitzende. Letztere hätte mit neun verschiedenen Angeboten eigentlich in diesen Tagen den Trainingsbetrieb in der Halle aufnehmen wollen. Arpé kündigte an, dass es der TSV auch nach der Wiederöffnung „langsam angehen lassen“ wolle.

In kleinen Orten wie Breitbrunn und Gstadt mit 1600 beziehungsweise 1200 Einwohnern könne das Virus besonders schnell in die Familien getragen werden. Und weil es viele kleine Handwerksbetriebe in den beiden Orten gebe, wäre dann auch das Wirtschaftsleben akut gefährdet, gibt er zu bedenken.

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