In der Corona-Zeit erkennen Bewohner die Chiemsee-Inseln kaum wieder

  • vonKarl Wastl
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Auf der Frauen- und Herreninsel trifft der Corona-Lockdown Vermieter, Wirte und den Seminarbetrieb des Klosters ebenso das Schloss Herrenchiemsee, sowie Kutsch- und Hotelbetriebe. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich dort umgehört: Wie hart trifft die Corona-Pandemie das beliebte Ausflugsziel?

Frauenchiemsee – Josefine Kaiser, Pächterin vom „Kaisergarten“, wirkt alles andere als deprimiert. Die Wirtin steht schon in den Startlöchern und „scharrt bereits mit den Hufen“. Endlich kann´s losgehen, zeigt sich die Unternehmerin erleichtert.

Gemischte Gefühle bei den Bewohnern

Nachdem sie im Herbst ihren Kiosk mit Biergarten üblicherweise „winterfertig“ gemacht hatte, staunte sie nicht schlecht, als pünktlich zum Saisonbeginn der Corona-Lockdown ausgerufen wurde, erzählte sie. Schweren Herzens musste die 38-Jährige zusehen, wie ein wettermäßig schönes Wochenende nach dem anderen, aber vor allen Dingen Ostern ins Land zogen, ohne dass sie sich auch nur „einen Euro verdienen“ konnte.

Menschenleere Chiemsee-Insel

Ab und an war sie während des Stillstands auf der Insel, um nach dem Rechten zu sehen. Dabei hat sie die Zeit genutzt, um über die menschenleere Insel zu wandern. „Auch nicht schlecht“, schmunzelt die Wirtin, „so was hab ich sonst um diese Zeit noch nie gekonnt“. Gott sei Dank gab es da die „Soforthilfe für durch Corona in ihrer Existenzen bedrohte Betriebe“, erklärt die Unternehmerin, aber trotzdem, „die Pacht und sonstige Kosten laufen ja weiter“.

Am Chiemsee hofft man auf Pfingsten

Und auch das Personal konnte in der Stärke nicht vorgehalten werden. So ist es jetzt um so schwieriger, „etwas Vernünftiges zu bekommen“, stöhnt Kaiser. Der Supergau wäre natürlich, wenn es jetzt auf Pfingsten hin schlechtes Wetter gäbe, grübelt Kaiser.

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Thomas Groß (52), Vater von zwei Töchtern, kann aktuell in den eigenen vier Wänden arbeiten, somit muss er nicht täglich nach Rosenheim fahren. „Irgendwie ist die menschenleere Insel schon gespenstisch“, resümiert der Insulaner, „aber es hat auch seine Reize“.

Coronavirus macht dem ältesten Bürger der Fraueninsel keine Angst

Einer der ältesten Insulaner, Hubert Niggl (91), kann sich seiner „Lebtag lang“ an keine solche Situation erinnern. Er hat sogar den Krieg miterlebt, „aber des war ja wieder ganz a andere Sach“. Auf die Frage nach „der menschenleeren Insel“ schmunzelt der Mann, „eigentlich ist es auch amoi ganz sche“. Bei einem ungestörten Spaziergang trifft man jetzt sogar Insulaner, die sonst um diese Zeit nicht zu sehen sind. Sei es die Arbeit oder die überfüllten Wege und Lokale. Vor dem Corona-Virus hat er auch keine Angst, witzelt Niggl, „den loss´n mia gar ned auf unser Insel“.

Auch die Fischerei am Chiemsee nimmt eine Auszeit

Auch Peter Moser (85), Chiemsee-Fischer in Rente, kann sich an keine derartige Begebenheit erinnern. Das es momentan mit der Fischerei „eh mau ist“, liegt aber nicht an der „Pandemie“, sondern an den fehlenden Bedingungen des Chiemseewassers, das aktuell noch zu kalt ist. Aber auch für den Verkauf von geräucherten Fischen fehlen einfach die Gäste, die sonst um diese Zeit das Eiland „überschwemmen“.

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Zur Zeit ebenfalls auf Lauer-Stellung ist das Kloster Frauenwörth, eine Abtei der Benediktinerinnen. Normal boomt deren Seminarbetrieb, der momentan komplett eingestellt ist. Hat man im Jahr sonst an die 600 Seminare, „müssen wir jetzt erst mal die politischen Vorgaben abwarten“, meint Leiterin, Ordensschwester Scholastica McQueen.

Damit die Gräben, die der Lockdown verursacht hat, nicht tiefer werden und „uns das Ganze auf die Füße fällt“, werden von der Politik, wenn auch noch rudimentär, „Lockerungs-Paket“ geschnürt. So dürfen sich künftig zum Beispiel Angehörige aus zwei Haushalten wieder treffen - auch im Restaurant. Natürlich nur unter Einhaltung der Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen. Und darauf freut sich natürlich Josefine Kaiser, die sofort anfangen könnte.

Nach der wochenlangen Zwangspause kann man also nun hoffentlich bald wieder in zufriedene Gesichter unter den Gewerbetreibenden schauen. Und, der davon nicht betroffene Insulaner wird sich wohlweislich bis Saisonende wieder in seine Häuser zurückziehen.

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