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Nachgefragt beim Traunsteiner Gesundheitsamtschef und beim Klinik-Chefarzt

„Ohne Impfung wäre alles noch viel schlimmer“ - Woher kommen die Corona-Impfdurchbrüche?

Der kleine Piks, der für so viele Diskussionen sorgt: Im Landkreis Traunstein herrscht nicht nur eine sehr hohe Inzidenz, auch die Zahl der Impfwilligen nimmt zu.
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Der kleine Piks, der für so viele Diskussionen sorgt: Im Landkreis Traunstein herrscht nicht nur eine sehr hohe Inzidenz, auch die Zahl der Impfwilligen nimmt zu.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Von 47 Corona-Krankenhauspatienten aus dem Landkreis Traunstein waren 24 vollständig geimpft. Das geht aus der jüngsten täglichen Statusmeldung des Landratsamtes hervor. Insgesamt waren es in allen fünf Kliniken im Verbund 70 Prozent Ungeimpfte auf der Normalstation, bei den Intensivpatienten 60 Prozent. Vor diesem Hintergrund appelliert Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, weiterhin eindringlich zur Impfung.

Traunstein – Die regelmäßigen Auswertungen des Gesundheitsamtes zeigten, dass die geimpfte Risikogruppe unter zehn Prozent der derzeitigen aktiven Fälle ausmache. Impfdurchbrüche beträfen vor allem Jene, bei denen die Impfwirkung nachlasse und deshalb eine Auffrischung notwendig sei.

Die Schutzwirkung nimmt mit der Zeit ab

Dr. Thomas Glück.

Dies bestätigt gegenüber unserer Zeitung Chefarzt Professor Dr. Thomas Glück von den Kliniken Traunstein. Er sagt: „Entgegen der ursprünglichen Hoffnungen nimmt die Schutzwirkung der Impfungen im Verlauf von circa sechs Monaten ab, bei Biontech minimal stärker als bei Moderna, und bei AstraZeneca deutlich stärker als bei den mRNA-Impfstoffen.“ Der Schutz vor schweren Erkrankungen bliebe dagegen länger erhalten. „Aber keiner der Impfstoffe bietet hundertprozentigen Schutz, wie übrigens aber grundsätzlich und generell kein Impfstoff auch gegen andere Infektionen“, so Glück.

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Daher sei zumindest die dritte Impf-Dosis notwendig, auch dies sei bei anderen Impfungen nichts Besonderes. Dr. Glück erklärt weiter, dass für die Corona-Viren möglicherweise regelmäßige Auffrischungen nötig seien, wie auch bei der Influenza. Denkbar sei, dass in der Zukunft vielleicht noch ein anderer, besserer Impfstoff mit längerer Schutzwirkung komme. „Die dritte Impfung stellt mindestens den Impfschutz unmittelbar nach der zweiten Impfung wieder her, eventuell sogar noch besser.“

Dr. Krämer erklärt auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen, dass die Krankenhauszahlen Schwankungsbreiten unterlägen. Zudem seien intensivpflichtige Patienten aus den Kliniken Südostbayern (KSOB) in andere Häuser in Bayern verlegt wurden, aktuell seien dies acht. Das erschwere eine Betrachtung. Er spricht aber davon, dass die Sieben-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz bei ungeimpften Personen fünf Mal so hoch sei, wie bei Geimpften. Bei steigender Impfquote steige schon aus statistischen Gründen auch die Zahl der Impfdurchbrüche. Und: „Je mehr aktive Fälle es gibt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich als Geimpfter zu infizieren.“

Bei den behandelten Patienten mit Impfdurchbrüchen in den Traunsteiner Kliniken sei das Gros der Patienten 40 Jahre und älter. Es gebe Fälle auch bei Jüngeren, aber deren Anteil sei geringer. Dr. Glück spricht hier sogar von seltenen Ausnahmen. Wobei Dr. Krämer auf die Erhebung vom Donnerstag (11. November) verweist, wonach fünf Patienten im Alter zwischen 20 und 39 Jahre auf den Intensivstationen der KSOB behandelt worden seien.

Impfdurchbrüche bei älteren Patienten und mit Vorerkrankungen

Nächster Punkt ist laut Dr. Krämer, dass es vor allem bei älteren Patienten mit Vorerkrankung und Immunschwäche zu Impfdurchbrüchen gekommen sei, deren Impfung ein halbes Jahr und länger zurückliege. Dies bestätigt auch Glück.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfehle schon länger eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff für Personen ab 70 Jahren. „Ich würde sogar noch weiter gehen und zu einer Auffrischung ab 60 Jahren raten“, so Dr. Krämer. Er hoffe aus medizinischer Sicht auf eine baldige Empfehlung der Stiko ab 18 Jahre. Obwohl dies noch nicht der Fall sei, werde am Impfzentrum niemand abgewiesen, dennoch empfiehlt er unter 60-Jährigen, die nicht in Pflegeberufen oder sonstigen beruflichen Patientenkontakt stehen, sich in erster Linie an den Hausarzt zu wenden.

Bei den Impfdurchbrüchen falle weiter der Impfstoff Johnson & Johnson auf, das decke sich auch mit den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Inzidenz von 1000 kann erreicht werden

Man gelte zwar nach einer Gabe formal als vollständig geimpft, er habe aber die schlechteste Wirksamkeit, so Krämer. „Deshalb empfiehlt die Stiko eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, der zeigt die beste Wirkung“, ergänzt er.

„So eine hohe Betroffenheit hatten wir noch nie, die Kliniken sind am Rande der Belastungsgrenze.“ Bei den Corona-Infizierten insgesamt seien es drei Viertel nicht oder nicht ausreichend Geimpfte, die betroffen seien. Und auch hier wieder: „Beim Rest sind es in erster Linie diejenigen, deren Zweitimpfung länger zurückliegt.“

Krämer hält eine Impfquote von mindestens 75 Prozent in der Gesamtbevölkerung für wichtig. „Bei den Personen über 50 Jahre sollten es deutlich über 90 Prozent sein. Impfungen schützen jeden persönlich aber jeder Geimpfte trägt auch zum Schutz seiner Mitmenschen bei.“

„Ohne Impfung wäre die Versorgung längst zusammengebrochen“

Auf die Frage, ob die Zahl der Geimpften unter den Krankenhauspatienten den Bemühungen des Gesundheitsamtes, die Impfquote zu erhöhen entgegenwirkt, erklärt der Traunsteiner Gesundheitsamtschef Dr. Wolfgang Krämer: „Ich habe das Gefühl, dass die ablehnende Haltung von Impfkritikern mehr damit zu tun hat, dass sie sagen, ich lasse mich nicht durch verschärfte Regelung unter Druck setzten.“ Seit vergangener Woche sei die Zahl der Impfungen im Impfzentrum und im Impfbus wieder deutlich auf täglich 400 bis 500 angestiegen, darunter rund 50 Prozent Erstimpfungen. Auch bei den Hausärzten nehme die Zahl der Impfungen wieder zu. Kliniken-Chefarzt Professor Dr. Thomas Glück, der die Impfung als einzig sinnvolle Strategie gegen die Corona-Pandemie bezeichnet, ergänzt: „Die Impfzentren erfahren gerade eine so starke Nachfrage, dass der Impfstoff droht knapp zu werden, das ist eine sinnvolle und hoffnungsvolle Entwicklung.“ Zu den Impfdurchbrüchen bei den Klinikpatienten erklärt er: „Es kann schon sein, dass bei der hohen Infektiosität der Delta-Variante, die mindestens der von Windpocken entspricht, noch mehr geimpfte Patienten als Covid-Patienten ins Krankenhaus kommen müssen. Das ist einfach ein Mengen-Problem und spricht gar nicht gegen die Impfung. Ohne Impfung wäre das alles noch viel schlimmer und die medizinische Versorgung schon längst zusammengebrochen.“

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