Erste Bilanz

Problem bei Corona-Impfungen im Landkreis Traunstein - in Mühldorf auch - und in Rosenheim?

Das Impfzentrum des Landkreis Traunstein in Altenmarkt ist seit Wochen betriebsbereit, doch die Stühle bleiben dort weitgehend leer. Bislang sind lediglich 700 Dosen Impfstoff angekommen.
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Das Impfzentrum des Landkreis Traunstein in Altenmarkt ist seit Wochen betriebsbereit, doch die Stühle bleiben dort weitgehend leer. Bislang sind lediglich 700 Dosen Impfstoff angekommen.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Als Heilsbringer wurde der Impfstoff erwartet, nun ist er da. Im Landkreis Traunstein sind aber die organisatorischen Probleme so groß, dass auch Impfwillige derzeit warten müssen. Woran es liegt und wie der Landkreis Abhilfe schaffen will.

Traunstein/Hinterwössen – Kurz nachdem das Impfzentrum des Landkreises Traunstein in Altenmarkt Fahrt aufgenommen hat, muss es auch schon wieder stoppen. Die derzeitigen Impfstoffdosen reichen bei weitem nicht aus, was große organisatorische Probleme verursacht.

Bereits vor Weihnachten hat der Ehemann von Brigitte Gabriel (67) aus Hinterwössen einen Brief vom Traunsteiner Landratsamt erhalten, dass er geimpft werden könne. Zur ersten Impfgruppe zählen unter anderem Menschen im Alter von über 80 Jahren, mit 85 Jahren zählt Brigitte Gabriels Mann Karl ebenfalls dazu. Er hat Pflegegrad III, seine Frau pflegt ihn zuhause.

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Fast drei Stunden in Warteschleife

Für die Impfung sollte er telefonisch einen Termin vereinbaren. Sofort probierten es die Beiden über die Telefonnummer, die im Schreiben angegeben war. Knapp drei Stunden versuchten die Zwei abwechselnd, jemanden zu erreichen. Das Landratsamt Traunstein räumt ein, dass es derzeit zu längeren Wartezeiten an der Hotline komme, so Sprecherin Laura Lockfisch. „Allein die Personengruppe der über 80-Jährigen, die nicht in Senioreneinrichtungen leben, umfasst circa 12 500 Personen“, sagt Lockfisch.

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Als sie endlich Jemanden von der Impfhotline am Telefon hatten, folgte die Ernüchterung: Da Gabriel Blutverdünner nimmt, sei keine Impfung möglich. „Das stand nicht in dem Schreiben des Landratsamts, obwohl dort auf Ausschlusskriterien hingewiesen wurde“, sagt Brigitte Gabriel. Ihre Recherche im Internet habe zudem ergeben, dass Gerinnungshemmer kein Problem für die Impfung seien.

Impfung bei Blutgerinnern?

Tatsächlich ist es so, dass der Covid-19-Impfstoff direkt in den Muskel verabreicht werden soll. Und damit keine übliche „Variante, die bei Impfungen häufig für Patienten gewählt wird, die Gerinnungshemmer wie Marcumar erhalten“, so die Auskunft von Dr. Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts. Sie spricht von besonderer Vorsicht, aber nicht davon, dass die Injektion nicht möglich sei. Das Landratsamt verweist lediglich darauf, dass standardmäßig bestimmte Kriterien der Impfung telefonisch geklärt werden und dass keine pauschale Aussage zu Blutgerinnern möglich sei.

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Die Hotline soll laut Lockfisch nun beschleunigt mehr Personal bekommen. Derzeit arbeiten dort vier Personen. Ein Grund für die Schwierigkeiten bei der Terminvereinbarung liege aber auch in der ungewissen Menge an Impfstoff. „Der Landkreis Traunstein hat in einer ersten Lieferung 100 Impfdosen erhalten, die bereits vollständig verimpft wurden. Am Dienstag sind rund 600 weitere Dosen eingetroffen“, berichtet Lockfisch.

Zu wenig Impfdosen

„Zu Beginn der vergangenen Woche sind wir noch von größeren Impfstoffmengen ausgegangen“, erklärt Lockfisch die Planungsschwierigkeiten. Zwar hatte das Landratsamt in seinem Schreiben angegeben, dass eine telefonische Terminvereinbarung möglich sei. Allerdings betont die Sprecherin auf Rückfrage: „Eine genaue Wartezeit bis zur Terminvereinbarung kann im Moment nicht bestimmt werden.“

Momentan keine Terminvereinbarung

Nicht leichter macht die Organisation der hochsensible, nur kurzfristig haltbare Impfstoff: „Aufgrund der begrenzten Dauer in der Lagerfähigkeit des Impfstoffes, der nach dem Auftauvorgang von minus 70 Grad binnen maximal fünf Tagen aufzubrauchen ist, ist es notwendig, den Impfstoff zügig nach der Belieferung zu verbrauchen.“ Ein Dilemma, denn definitiv vermeiden wolle man, dass bereits vereinbarte Termine mangels Impfstoff wieder abgesagt werden müssen. Genau dies ist allerdings jetzt der Fall, weil der Impfstoff nach wie vor zu knapp sei, die Infrastruktur für Impfungen aber grundsätzlich stehe.

Freude über Impfbereitschaft

Die Gabriels haben einerseits Verständnis, sind aber dennoch genervt von den Anlaufschwierigkeiten rund um die Impfung. „Nun wollen wir erst mal vier Wochen warten, bis sich das Ganze eingespielt hat“, sagt Frau Gabriel. Noch heißt es aus dem Landratsamt, dass man sich freue, dass die Impfbereitschaft so groß sei. Die Frage ist, wie lange das so bleibt.

So geht es im Landkreis Traunstein weiter

Am späten Mittwochnachmittag teilte das Landratsamt das weitere Vorgehen bei den Impfungen mit. Der Freistaat habe mitgeteilt, dass die nächste Lieferung des Impfstoffs erst im Laufe der zweiten Januarwoche zu erwarten sei. „Davon erhält der Landkreis Traunstein voraussichtlich circa 600 Impfdosen pro Woche“, so die Auskunft von Sprecherin Laura Lockfisch. Bereits festgelegte Termin müssen daher leider teilweise verschoben werden. „Die betroffenen Personen werden durch das Impfzentrum aktiv darüber informiert. Alle weiteren berechtigten Personen, die bereits ein Schreiben zur Terminvereinbarung erhalten haben, bitten wir um Geduld“, so die Sprecherin. Eine Terminvereinbarung sei voraussichtlich erst wieder ab Mitte Januar 2021 telefonisch möglich. Das Landratsamt begründet das Vorgehen, da zu wenige Impfdosen geliefert werden. Immerhin: „Das Personal ist einsatzbereit und konnte durch die gestrige kleinere Impfcharge am Mittwoch über 140 Personen bereits impfen.“ Die Behörde bittet um Verständnis und entschuldigt sich für die Umstände.

Der Impfstart im Landkreis Rosenheim

Im Landkreis Rosenheim haben die Corona-Impfungen in den Altenheimen begonnen. Das Impfzentrum in der Inntalhalle ist einsatzbereit, aber noch nicht im Einsatz. Der Koordinator des Impfzentrums, Hans Meyrl, geht davon aus, dass dort in der ersten Kalenderwoche 2021 die ersten Frauen und Männer geimpft werden. Allerdings nur geladene Gäste: Die Mitarbeiter in den Heimen der Region und medizinisches Personal.

Wer die Hotline des Impfzentrums zur Terminvereinbarung anruft, erreicht aktuell nur eine Bandansage: Derzeit seien noch keine Termine zu vergeben, die vorhandenen Impfdosen reichten dazu noch nicht aus. „Sobald wir erhöhte Kapazitäten anbieten können, informieren wir über die örtlichen Medien.“ Das wird, so hatte Meyrl schon im Vorfeld der Impfkampagne gesagt, voraussichtlich in der zweiten oder dritten Kalenderwoche 2021 sein.

Corona-Impfung in Rosenheim wohl ab Januar

Die Telefonnummer und der Online-Zugang zur Terminvereinbarung sind derzeit weder auf der Internet-Startseite der Stadt noch der des Landkreises veröffentlicht. Die 0 80 31/3 65 88 99 findet nur, wer über die Internetseite des bayerischen Gesundheitsministeriums danach sucht. Oder wer 80 und älter ist und einen Brief von Stadt oder Landkreis bekommt, dass er/sie einen Termin vereinbaren kann.

Zum Termin mitzubringen sind: Terminbestätigung, falls vorhanden Impfausweis, Herzpass, Diabetikerausweis oder Medikamentenliste. Und im Idealfall die ausgefüllte Einwilligungserklärung in die Schutzimpfung gegen COVID-19. Das Formular dazugibt es auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums.

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