Corona-Sommer 2020: „Es wird hart“, sagen die Wirte in Gstadt

Beim Chiemseewirt in Gstadt muss man mit weniger Saisonkräften als gewohnt auskommen. Mit-Geschäftsführer Florian Darchinger und Christian Stern schätzen es, wenn Gäste sich digital anmelden über „Darfichrein“, ein Angebot der Dehoga. Berger
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Beim Chiemseewirt in Gstadt muss man mit weniger Saisonkräften als gewohnt auskommen. Mit-Geschäftsführer Florian Darchinger und Christian Stern schätzen es, wenn Gäste sich digital anmelden über „Darfichrein“, ein Angebot der Dehoga. Berger

Der Lockdown vergraulte ihnen das Personal. Jetzt fehlen den Pächtern der kommunalen Gastro-Betriebe in Gstadt die Servicekräfte, um genügend Gäste zu bedienen. Ein Dilemma, mit dem sie in diesem Sommer zu kämpfen haben.

Von Elisabeth Sennhenn

Gstadt/Gollenshausen – Auch, wenn Sonne und warme Temperaturen die Ausflügler an den Chiemsee treiben und die ersten Sommergäste schon in der Region angekommen sind: Für die hiesigen Betriebe ist die Corona-Krise noch längst nicht vorbei.

Neben privatwirtschaftlichen Unternehmen haben in den vergangenen Wochen auch kommunale Betriebe sehr gelitten. Und tun es auch weiterhin. In Gstadt besonders betroffen ist immer noch die Gastronomie am Hofanger und der Verpachtungsbetrieb Chiemseewirt in Gollenshausen.

Jetzt sind Gäste da, aber kaum Personal

„Das Schlimmste ist noch nicht überstanden“, sagt auch Florian Darchinger, einer der drei Geschäftsführer des Chiemseewirts. Normalerweise würde es dort um diese Jahreszeit zugehen wie im Bienenstock, 100 Gäste können im Biergarten und 89 im Innenbereich bewirtet werden. Dazu kämen Veranstaltungen im Festsaal, Hochzeiten, Geburtstage oder Beerdigungen. „Im Moment können wir aber drinnen nur 30 Personen, im Biergarten lediglich 16 bewirten“, zählt Darchinger auf. Da sei es ein Glück, dass die Gemeinde ihnen mit der Pacht, so weit es geht, entgegenkommt.

Personal: Erst weggeschickt, jetzt gesucht

Der Chiemseewirt stand kurz zu Beginn des Lockdowns gerade vorm Saisonstart, „wir waren dabei unser Personal für den Sommer zusammen zu trommeln“, so Mit-Geschäftsführer Christian Stern. Stattdessen musste man den Leuten wieder absagen – nun, wo doch Gäste kommen, müsse man wieder mühsam auf Personalsuche gehen, „aber das ist nicht so leicht, denn die Saisonkräfte sind auch bei anderen Wirten begehrt oder sind nicht mehr verfügbar, weil sie sich zum Beispiel wieder dem Studium widmen müssen“, erklärt Stern.

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Die Krux: „Wegen der Personalsituation mussten wir zwischenzeitlich Gäste wieder wegschicken, obwohl wir sie so dringend brauchen.“

Blick auf den See lässt Corona kurz vergessen

Damit das aktuelle Konzept aufgeht, hat der Chiemseewirt nun montags statt samstags geöffnet, arbeitet mit einem stark verkleinerten Team, hat seine Speisekarte den neuen, logistischen Herausforderungen angepasst. “ Laut Florian Darchinger helfe die vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga entwickelte, digitale Anmelde-Plattform „Darf ich rein“, der neuen „Zettelwirtschaft“ Herr zu werden. Trotzdem ist Darchinger sicher: „Das wird ein harter Sommer.“

Über jeden Gast froh ist man auch im Restaurant Hofanger, wie Evangelia Bolousi vom Serviceteam sagt: „Die Menschen sind aber noch vorsichtig.“

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Urlauber seien zwar bereits da, aber man hofft, dass die Zahl der Gäste noch steige. Der Blick vom Restaurant-Pavillon aus auf den Chiemsee entschädige für so manchen Umstand, den man coronabedingt in Kauf nehmen müsse, seien es Hygienemaßnahmen oder Abstand halten.

Ein Stück Normalität am Segelhafen

Das müssen auch die Wassersportler, die am Segelhafen in Gollenshausen ein Boot liegen haben. Sie, sagt Monika Vodermair von der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn, waren anfangs verunsichert, wie lange sie wohl nicht ablegen dürfen.

„Wir haben Pachtverträge mit der staatlichen Verwaltung, und es gab rasch Überlegungen, eventuell herabgesetzte Liegegebühren an die Segler weiterzugeben“, so Vodermair. Doch dazu sei es am Ende gar nicht gekommen. Die Gebühren, angefangen bei 720 Euro im Jahr für ein Sechs-Meter-Boot, seien ganz normal weiterbezahlt worden, es habe auch seitens der Segler keine Nachfrage nach einer Senkung gegeben. Ein Stück Chiemsee-Normalität im Ausnahmezustand, sozusagen.

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