„Perlenkette von Tourengehern“

Trotz Corona-Lockdown: Gipfelsturm trotz Liftstillstand in Reit Winkl

Der Parkplatz Winklmoosalm war währen der Feiertage zum Bersten voll.
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Der Parkplatz Winklmoosalm war währen der Feiertage zum Bersten voll.

Die Menschen zieht es trotz oder gerade wegen des Lockdowns in die Berge. Der obere kleine Parkplatz auf der Winklmoosalm war über die Feiertage immer wieder voller Autos.

von Tanja Weichold

Reit im Winkl – Betriebsleiter Markus Opatz von der Bergbahn im Winklmoos-Skigebiet, berichtet unserer Zeitung von „einer Perlenkette an Tourengehern“ und einem „Irrsinn“. „Für mich ist das unvorstellbar, so kommen wir aus dem Lockdown nie mehr heraus“, äußert sich der 49-Jährige besorgt. „Aus ganz Ober- und Niederbayern waren Tourengeher auf der Winklmoos.“ Er frage sich nach der Verhältnismäßigkeit. „Wir (Liftbetreiber, Anm. d. Red.) müssen zusperren, haben ein top Hygienekonzept erarbeitet mit Limitierung und allem anderen, und uns hört keiner an.“ Für den Skilift-Betriebsleiter aus Reit im Winkl hängt der eigene Arbeitsplatz damit zusammen.

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Schon ein Viertel vom Umsatz verloren

Opatz fühlt sich von der Politik alleingelassen. „Sie interessieren sich nicht für uns, die vom Tourismus leben.“ Die Masse an Ausflüglern werde toleriert, während Skilifte, Geschäfte, Hotels und Gastronomie geschlossen haben müssen. Der Wartungsaufwand für die Liftanlagen über den Sommer verschlinge 100 000 Euro. Schon bisher sei ein Viertel des Saisonumsatzes verloren. „In der U-Bahn in München ist es egal, wenn viele Menschen mitfahren, im Freien dürfen die Menschen nicht im Lift fahren, das kann ich nicht verstehen.“ Opatz beobachtete nach eigener Aussage über die Feiertage, wie eine große Zahl an Tourengehern sich auf eigene Faust über die verschneite Winklmoosalm Richtung Steinplatte auf den Weg machte.

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Verständnis vom Tourismus-Chef: „Menschen wollen die Natur genießen!“

Der Reit im Winkler Tourismuschef Florian Weindl empfiehlt, das Thema entspannter zu diskutieren. Der Großteil der Menschen wolle einfach in die Natur und halte sich an die gebotenen Abstandsregeln. Einig ist er sich mit Opatz im Unverständnis darüber, dass die Lifte stillstehen müssen, wo das Personal das Aufkommen kontrollieren könnte.

Bei Überfüllung wird Parkplatz gesperrt

„Die Leute zieht es nach draußen und in die Sonne“, so Weindl. Vor allem wenn in niederen Lagen Nebel herrsche, setzt ein Zulauf zu begehrten Ausflugszielen ein. „Der Parkplatz auf der Winklmoosalm wird gesperrt, wenn er voll ist“, erklärt der Tourismuschef. Mehr könne die Kommune nicht tun. „Wenn die Regierung nicht möchte, dass die Menschen zu Ausflugszielen fahren, muss das der Gesetzgeber einschränken.“

Im 50 Kilometer langen Loipennetz verteilen sich die Menschen

Die Gemeinde versuche zusätzliche „Hot Spots“ zu vermeiden und habe heuer keine Kunstschnee-Loipe angelegt. Sobald es die Schneelage zulässt, soll aber das 50 Kilometer lange natürliche Loipennetz gespurt werden. „Da verlaufen sich die Leute.“ Er argumentiert: „Ich kann die Besucher nicht aufhalten, dass sie winterwandern und langlaufen gehen.“ Daran sei auch nichts Schlimmes. „Lassen wir bitte die Leute noch draußen aktiv sein, das tut ihnen gut.“ Natürlich seien die Parkplätze voll, aber die Menschen verteilten sich.

Bergbahnen wollen wenigsten Wanderer transportieren dürfen

Zur Thematik Winklmoosalm sagt er: „Unser Vorschlag wäre gewesen, wenigstens die Winterwanderer mit der Bergbahn hinaufbringen zu dürfen. Der untere Parkplatz ist größer, jedoch auch nicht größer als der von einem Einkaufszentrum.“ Die Menschen wollten an die frische Luft und sie hielten Abstand. „Es ist ja genug Platz im Freien. Am Gipfel, wo weniger Platz ist, muss jeder selbst so vernünftig sein und auf die Regeln achten.“

Liftbetreiber hätten Hygienekonzepte

„Die Liftbetreiber hätten Hygienekonzepte gehabt“, fährt er fort. Heimische Dienstleister hätten durch den Ticketverkauf Geld einnehmen könne. So seien in diesem Konzept zum Beispiel Einweisung und Überwachung beim Parkplatz vorgesehen, ebenso der gezielte Transport von Wanderern ins Skigebiet. So wie jetzt, völlig ohne Lenkung, sei halt der obere Parkplatz voll. Wobei Weindl aufgrund seiner Erfahrung überzeugt ist: „Das legt sich wieder in den nächsten Tagen.“

Wintersport ist mehr als Après-Ski

Unverständnis äußert er darüber, dass seiner Meinung nach Wintersport auf die alpinen Disziplinen und Apres-Ski reduziert werde. Dieser „undifferenzierten Betrachtung“ hält er entgegen, dass Wintersport auch Winterwandern, Langlaufen und Schneeschuhgehen bedeutet. „Ich glaube jeder Liftbetreiber wäre bereit, nur eine gewisse Anzahl an Menschen zu transportieren“, sagt Weindl. Er ist überzeugt, dass das System funktionieren würde.

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