Warnmarke von 35 überschritten

Corona-Infektionen in Traunstein: Was es bedeutet, wenn die Ampel auf „Gelb“ steht

Covid 19-Fälle und Genesungen im Kreis Traunstein: Die Fallzahlen stammen vom Mittwoch.
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Covid 19-Fälle und Genesungen im Kreis Traunstein: Die Fallzahlen stammen vom Mittwoch.
  • Elisabeth Sennhenn
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Der Kreis Traunstein hat die Marke von 35 Corona-Infizierten überschritten. Nun sollen umfangreiche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen dafür sorgen, dass eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert wird. So erlässt das Krankenhaus in Ruhpolding einen Besucherstopp. Die Gastronomie bangt indes um ihre Umsätze.

Traunstein – Die Ampel steht auf „Gelb“: Der Kreis Traunstein hat den Corona-Signalwert von 35 weit überschritten, die 7-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 46,81 (Stand: Redaktionsschluss gestern). Das bedeutet statistisch gesehen, dass von 100 000 Einwohnern 46,81 positiv auf Covid 19 getestet wurden. Das Traunsteiner Gesundheitsamt zählte am Mittwoch 168 aktive Fälle im Kreis. Zu den positiv Getesteten gehört auch eine Schülerin der Grundschule Tacherting und ein Schüler der FOS/BOS Traunstein. In Quarantäne befinden sich deshalb 21 Schüler und zwei Lehrer aus Tacherting; ebenso stehen 21 Schüler der FOS/BOS aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim unter Quarantäne. Reihentestungen sind in beiden Fällen in Arbeit.

Wann die Ampel auf „Rot“ schaltet

Die „Corona-Ampel“ ist am 15. Oktober von der Bayerischen Staatsregierung für besonders betroffene Städte und Landkreise beschlossen worden. Sie legt drei Regel-Stufen fest, die je nach Infektionsgeschehen für das Verhalten im Freien, bei Feiern und auf Veranstaltungen gelten. Das Ampel-System richtet sich nach dem Inzidenzwert. So bedeutet „Grün“, der Inzidenzwert liegt unter 35 bei 100 000 Einwohnern. Bei einem Inzidenzwert von über 35 schaltet die Ampel auf „Gelb“. „Rot“ gilt ab einem Inzidenzwert von über 50.

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Wirt bangt, Kliniken haben dazu gelernt

„Nun gelten im Kreis Traunstein neue Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung“, so das Landratsamt in einer Mitteilung. Und zwar so lange, bis der Signalwert mindestens eine Woche lang unterschritten wurde.

Folgende Maßnahmen wurden festgelegt:

Es besteht zwingende Maskenpflicht auf Begegnungs- und Verkehrsflächen (Fahrstühle, Flure, Kantinen und Eingänge) von öffentlich zugänglichen Gebäuden, auf Begegnungs- und Verkehrsflächen der Arbeitsstätte sowie für den Arbeitsplatz, soweit der Mindestabstand von 1,5 m nicht zuverlässig eingehalten werden kann. Maskenpflicht besteht auch an den weiterführenden Schulen (ab Jahrgangsstufe 5) auch am Platz, sowie für Zuschauer bei sportlichen Veranstaltungen sowie auf Tagungen, Kongressen, Messen und in Freizeit- und Kulturstätten (Theatern, Kinos und sonstigen Bühnen) auch am Platz. Für die Gastronomie gilt ab sofort eine Sperrstunde von 23 Uhr bis 6 Uhr. Ab 23 Uhr kein Alkoholverkauf mehr an Tankstellen und sonstigen Verkaufsstellen. Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen ab 23 Uhr.

Private Feiern (wie insbesondere Hochzeit, Geburtstage oder ähnliche Feierlichkeiten) und Kontakte im öffentlichen und privaten Raum (auch in der Gastronomie) werden auf zwei Hausstände oder maximal zehn Personen begrenzt.

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Es gilt weiter eine Besuchsbeschränkung für Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, Alten- und Pflegeheime sowie Seniorenresidenzen: Für jeden Patienten/Bewohner ein Besucher pro Tag, bei Minderjährigen dürfen beide Erziehungsberechtigte zu Besuch kommen. Maskenpflicht besteht für Personal in Kindergärten und Einrichtungen für Kindertagesbetreuung.

Handel und Gastronomie hoffen, dass dies bald der Fall sein wird. Vincent Gschwendner, Inhaber des Hafenwirts in Seeon-Seebruck trifft ihn die neu eingeführte Sperrstunde ab 23 Uhr nicht, weil er sein Restaurant ohnehin schon eine Stunde früher schließt. Aber er hat durch die bisherigen Corona-Maßnahmen bereits deutliche Einbußen hinnehmen müssen und bangt nun erneut um seine Umsätze: „Die verlorenen Monate können nicht mehr aufgeholt werden. Wir haben aber das Glück, in einer Region zu liegen, die von den Reisebeschränkungen im Sommer profitieren konnte.“ Der Winter ohne Außenbewirtung werde „eine große Herausforderung“. Er überlege, einen Luftreiniger in die Räume einzubauen. „Die Unsicherheit, wie sich die 7-Tage-Inzidenz weiter entwickelt, erschwert unsere Planungen aber immens.“ Länger als eine Woche im Voraus könne der Wirt momentan nicht planen.

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Besuchsverbot in Klinikum Ruhpolding

Angepasst wurden beispielsweise die Besuchsregeln für Krankenhäuser. So dürfen erwachsene Patienten nur noch einen Besucher pro Tag empfangen, Minderjährige auch beide Elternteile gemeinsam. „Am Klinikum Traunstein und der Kreisklinik Trostberg haben sich die Besuchsregeln nicht geändert“, erklärt Sabine Segerer-Utz von den Kliniken Südostbayern. „Eine Ausnahme bildet das Krankenhaus Ruhpolding, das in Abstimmung mit dem Landratsamt ein Besuchsverbot erteilt hat.“ Gründe hierfür seien „die verschärfte Pandemielage“ sowie eine Vielzahl älterer Patienten. In Palliativsituationen und bei Geburten seien Ausnahmen möglich.

Veranstaltungen möglichst digital

Auf den Fall, dass die Corona-Ampel auf „Rot“ umschalte und mehr Betroffene medizinisch versorgt werden müssten, sei man vorbereitet, erklärt Segerer-Utz. Seit Montag rufe man täglich einen Krisenstab zusammen, „standortbezogen, im Verbund und pro Klinik“. Man schöpfe zudem aus den Erfahrungen der ersten Welle.

Das Landratsamt indes bittet, nur „zwingend notwendige“ Veranstaltungen durchzuführen. Kulturelle und sportliche Ereignisse dürften aber unter Einhaltung der bisherigen Hygienekonzepte stattfinden.

Das sagen Traunsteiner Bürger

In Traunstein reagieren Befragte unterschiedlich auf die neue Lage:

Alexandrina Todoran,47, arbeitet als Küchenhilfe in Seebruck und sagt: „Von den Verschärfungen in Berchtesgaden habe ich gehört, aber dass Traunstein nun auch strengere Regeln hat, habe ich nicht gewusst. In der Gastronomie sind wir die Corona-Regeln gewohnt und ich habe großes Verständnis dafür. Mich betrifft es aber nicht so stark. Ich denke es liegt an uns – ich tue alles, damit kein zweiter Lock-Down kommt. Das wäre das Schlimmste.“

Erwin Hudak, 57, Servicetechniker aus Tacherting fühlt mit den Geschäftsleuten und den Menschen in Hotels mit, wie er sagt.

Und Annika Ebensberger, 35, aus Inzell und zurzeit in Elternzeit, ist schon etwas „genervt von Corona“, findet die Maßnahmen aber gut und sinnvoll. „Wir treffen uns mit deutlich weniger Menschen. Für mich ist das tolerierbar, anders geht es nicht. Ich bin schwanger und dadurch auch ein bisschen vorsichtiger. Wenn man sich oder andere dadurch schützen kann, geht das eine Zeit lang.“

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