INTERVIEW

Corona-Infektion überstanden – Traunsteiner Landrat ist zurück am Schreibtisch

Nach Ablauf der Quarantäne hat Landrat Siegfried Walch seine Arbeit wieder aufgenommen.
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Nach Ablauf der Quarantäne hat Landrat Siegfried Walch seine Arbeit wieder aufgenommen.

Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch hat seine Covid-19-Infektion gut überstanden und hat seine Arbeit jetzt wieder aufgenommen. Die Chiemgau-Zeitung hat sich mit dem 37-jährigen Inzeller darüber unterhalten, wie er die Erkrankung überstanden hat.

Traunstein – Nach seiner Covid-19-Infektion und zweiwöchiger Quarantäne hat der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) jetzt offiziell die Amtsgeschäfte im Landratsamt wieder übernommen – in einem Übergangsbüro im ehemaligen Sparkassengebäude am Stadtplatz. Das eigentliche Landratsbüro ist nach dem verheerenden Brand in der Heizungsanlage (wir berichteten) nach wie vor noch nicht benutzbar. Die Chiemgau-Zeitung hat sich mit dem 37-jährigen Inzeller darüber unterhalten, wie er die Erkrankung überstanden hat, ob sich seine Sicht auf die Pandemie und die öffentliche Debatte über die Gegenmaßnahmen geändert hat – und was eigentlich aus dem bundesweit gefeierten Öffnungskonzept „Lockerungen je nach Impffortschritt“ geworden ist.

Wie geht es Ihnen nach Ihrer Covid-19-Infektion? Gerade die ersten Krankheits-Tage sollen nicht gerade prickelnd gewesen sein.

Siegfried Walch: In der ersten Woche ist es mir tatsächlich nicht so gut gegangen. Das war ähnlich wie eine schwere Grippe mit Fieber und starken Gliederschmerzen. Das hat sich aber sehr schnell wieder gebessert, seit Mitte vergangener Woche bin ich symptomfrei. Mittlerweile geht es mir wieder sehr gut, sodass ich nach Ablauf der Quarantäne jetzt auch wieder ins Büro zurückkehren konnte.

Was sagen Sie dazu, dass sich so viele Bürger auf allen möglichen Kanälen nach Ihnen erkundigt und Ihnen Genesungswünsche geschickt haben?

Walch: Die Briefe und E-Mails haben mich regelmäßig erreicht, das hat mir mein Büro immer wieder alles zukommen lassen. Ich habe mich über die Anteilnahme natürlich sehr gefreut.

Kann man nachvollziehen, wo Sie sich infiziert haben könnten?

Walch: Nein, so wie das bei fast allen Fällen ist. Ich habe in der Zeit vor dem positiven Test eigentlich mit niemandem persönlichen Kontakt gehabt, war in der Woche davor sogar überwiegend im Homeoffice. Veranstaltungen und öffentliche Termine gab und gibt es nicht, und auch ansonsten liefen und laufen alle Gespräche bei uns derzeit per Videocall. Von daher war ich schon überrascht und habe mich gewundert, dass ich mich infiziert habe. Aber die britische Virusvariante ist offenbar extrem ansteckend.

Kommt man ins Grübeln über den Umgang der Menschen und der politisch Verantwortlichen mit der Pandemie – man hat ja viel Zeit während der Quarantäne?

Walch: An meiner Bewertung der Pandemie ändert sich nichts, nur weil ich persönlich erkrankt war. Das geht ja vielen Menschen gerade so, dass sie positiv getestet werden oder gar erkranken. Es geht da vielmehr um systemische als um persönliche Dinge. Wir sind, und das ist den meisten Menschen klar, in einer schwierigen Situation und müssen die Lage weiter sehr, sehr ernst nehmen und Maßnahmen ergreifen, um die Infektionszahlen runter zu bringen.

Haben Sie Sorgen vor Long-Covid-Symptomen, wie sie teilweise geschildert werden?

Walch: Wenn man erkrankt ist, beschäftigt einen das schon, und man denkt darüber nach, was wäre, wenn man jetzt zum Beispiel über Monate eine schwächere Lungenleistung hätte. Die Fälle gibt es ja. Aber nachdem es bei mir sehr schnell besser wurde, habe ich jetzt bei mir selbst eigentlich keine Bedenken mehr.

Ihr Konzept, die Corona-Maßnahmen nicht mehr nur an der Sieben-Tage-Inzidenz zu knüpfen, sondern auch Parameter wie den Impffortschritt in den Blick zu nehmen, ist bundesweit als interessanter Ansatz begrüßt worden. Passiert ist seit der Präsentation der Ideen aber nichts. Wie groß ist die Sorge, dass das Konzept in den Schubladen der Ministerien verschwunden ist?

Walch: Dass unser Vorschlag 1:1 beschlossen wird, war nie das Ziel, und wir haben im Übrigen ja auch nicht gefordert, alles sofort zu öffnen. Es war ein Anstoß, ein Diskussionsbeitrag, in welche Richtung man denken könnte, und da haben wir in der bundesweiten Debatte viel erreicht und praktisch nur positive Reaktionen erhalten. Und wir werden auch weiter dafür werben. Die Reaktionen bis hinauf auf Landes- und Bundesebene zeigen doch, dass wir einen wichtigen Punkt getroffen haben. Und wenn man zwischen den Zeilen liest, gibt uns der Großteil der Verantwortlichen ja recht. Der Grundsatz, Lockerungen auch an den Impffortschritt zu knüpfen, bleibt für mich der absolut richtige Weg. Je mehr Menschen immunisiert sind, desto weniger infizieren sich. Und die Menschen gehen den Weg bis zur Herdenimmunität nur mit, wenn sie auch eine Perspektive haben. Darum bin ich auch überzeugt, dass am Ende nach den von uns angeregten Maßgaben gehandelt wird. Bis dahin müssen wir alle noch eine Zeit lang mit den Einschränkungen leben, auf die keiner mehr so richtig Lust hat. Aber da müssen wir jetzt durch. Wir sind in der letzten Phase der Pandemie. Wie lange sie dauern wird, hängt von vielen Faktoren ab, in allererster Linie vom Impffortschritt.

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